L'OPÉRA DE PARIS

Der Dokumentarfilmer Jean-Stéphane Bron gewährt Einblick in das schillernde Universum der Pariser Oper.

Filmplakat mit Tänzerinnen, Sänger, Dirigenten, Putzpersonal etc.

Bildlegende: L'OPÉRA DE PARIS – Dokumentarfilm von Jean-Stéphane Bron Frenetic Films AG

Christoph Blocher, die Gen-Debatte im Parlament oder die Krise im Hypothekarmarkt: kein Stoff ist dem Dokumentarfilmer Jean-Stéphane Bron zu trocken, zu fremd oder zu abstrakt, um nicht darin eine Geschichte zu finden, die sich spannender als jede Fiction erzählen lässt. Und genau so ist es auch in seinem neusten Film, wo er uns mitnimmt auf, hinter und unter die Bühne der Opéra national de Paris.

Die französische Fahne wird gehisst, feierlich bewegt sie sich in die Höhe bis hinauf zur Kuppel des Palais Garnier, im Takt zu erhabenen Blechbläserakkorden. Gleich mit den ersten Bildern wird klar: das ist die Machtzentrale und das Schaltzentrum der internationalen Opernwelt. In der Chefetage wird eine Pressekonferenz vorbereitet und nichts überlässt man dem Zufall. Genauso minutiös und herrisch wird hier auch der Besuch des französischen Präsidenten vorbereitet. Bisweilen wundert man sich: Wird in diesem Konzern hier tatsächlich Kunst gemacht? Die Männer in ihren perfekt sitzenden Anzügen reden hauptsächlich von Strategien, von Geld und von neuen Sponsoren. Etwas später kommen sie allerdings ganz schön ins Schwitzen, denn der Chor droht mit Streik, und der Chefchoreograph will das Handtuch schmeissen. Ja dann tu's halt, ruft Monsieur le Directeur gereizt ins Telefon. Derselbe Direktor steht dann am Abend auf der Bühne, findet warme Worte und ruft eine Schweigeminute für die Opfer des Terroranschlags im Bataclan aus. Im Zuschauerraum, auf der Bühne, hinter der Bühne, im Orchestergraben, in den Werkstätten und in der Opernküche - überall legen die Menschen die Arbeit nieder.

Jean-Stéphane Bron hat ein feines Gespür für Geschichten, die er, egal ob oben oder unten in der Opernhierarchie, findet und mit starken Bildern, Tönen und nur wenigen Worten erzählt. Manchmal sind sie kurz und anekdotisch, wie das Gespräch der beiden Ankleiderinnen, die sich über die schwitzende Sopranistin unterhalten («sie tropft regelrecht beim Singen»), manchmal anrührend, wenn ein junger russischer Bass sich abmüht mit der französischen Sprache und dem doch ziemlich überkandidelten Opernbetrieb, und manchmal ist Brons scharfes Auge auch unerbittlich kritisch mit dem «System Opéra», das sich weiss und männlich und westlich gebärdet, und daran festhält, elitär zu sein.

Gabriela Kaegi
Redaktorin Musikjournalismus Radio SRF 2 Kultur

Vor der Filmvorführung findet unter der Leitung der SRF Redaktorin Gabriela Kägi ein Podiumsgespräch mit Jean-Stéphane Bron statt.

Programm

Individuelle Anreise
10.45 Treffpunkt kult.kino atelier Basel
11.00 - 11.30 Gabriela Kägi im Gespräch mit Jean-Stéphane Bron
11.30 - ca. 13.30 Filmvorführung
13.30 - ca. 14.00 Kleiner Apéro im Foyer des kult.kino atelier

Die öffentliche Veranstaltung ist für Mitglieder des SRF Kulturclubs kostenlos.

Eine Anmeldung ist obligatorisch. Anmeldeschluss: 18. Mai 2017.

Streifzug ins kult.kino

L'OPÉRA DE PARIS

Sonntag, 11. Juni 2017
Preis pro Person: kostenlos
Anmeldeschluss:
18. Mai 2017