Von den Flaneuren zu den Urban Farmers (ausgebucht)

Dieser Streifzug im Gartenjahr 2016 verknüpft die Kulturgeschichte des Spazierengehens mit den derzeit aktuellen Debatten um Verdichtung der Städte, um Nutzung, Funktion und Wert von Grünräumen.

Blick ins das Gewächshaus der Urban Farmers.

Bildlegende: Die Urban Farmers produzieren in ihrem Gewächshaus im Basler Dreispitz Gemüse und Kräuter ohne Pestizide. UrbanFarmers

Spazierengehen ist keine Selbstverständlichkeit. Noch vor 200 Jahren war dieses Vergnügen umstritten: einerseits gab es offizielle Verbote dieser müssiggängerischen Tätigkeit, andererseits detaillierte Anleitungen für einen gelungenen Spaziergang – von der richtigen Kleidung über das Ritual des Grüssens bis hin zur thematisch passenden Lektüre, die man für eine Pause auf der Parkbank griffbereit in der Tasche haben sollte. Spaziergehen als kulturelle Technik hängt untrennbar mit der Entwicklung des sogenannten Englischen Gartens oder Landschaftsgartens zusammen. In diesen «nach der Natur» geformten, tatsächlich aber höchst kunstvollen Grünanlagen ist der Spaziergänger, die Spaziergängerin die Hauptfigur. Für sie sind die Wege, die Sichtachsen, die Ausblicke und die kleinen Gartenarchitekturen konzipiert: Auf dass der Park als begehbares Gemälde erlebt werden kann.

Unsere erste Station ist der Margarethenpark in Basel (1823 angelegt), ein ursprünglich weitläufiger englischer Park mit einem Netz von Spazierwegen und einem prachtvollen Landgut. Im Laufe des 20. Jahrhunderts haben sich die Anforderungen gewandelt, neue Gebäudekomplexe sind hinzugekommen und haben den Charakter des Parks verändert.
Ausgerüstet mit einer extra für diese Exkursion zusammengestellten Anleitung zum «richtigen Spazierengehen», steuern wir unsere zweite Station an – die Merian Gärten, ebenfalls ein Landschaftspark des 19. Jahrhunderts und eine der schönsten Anlagen dieser Art in der Schweiz. Vor dem Mittagessen im «Café Merian», einer klassizistischen Sommerresidenz, bleibt Zeit für das selbstständige Flanieren, vorbei an alter Mühle, Orangerie, Kräutergarten und Irisfeld.

Nach dem Mittagessen wechseln wir vom Gartenparadies in die nahe gelegene Industriezone Dreispitz-Areal. Hier betreibt das Start-up-Unternehmen UrbanFarmers die weltweit erste Dach-Farm. Auf lediglich 250 Quadratmetern Grundfläche werden jährlich über fünf Tonnen Gemüse und 850 Kilogramm Fisch produziert. Möglich ist dies durch das so genannte Aquaponic System: In einem Gewächshaus wachsen Salate, Tomaten, Kräuter, und nebenan im Tank schwimmen die Fische. Das Wasser der Fischtanks zirkuliert durch das angrenzende Treibhaus und versorgt die Pflanzen mit Nährstoffen. Die Fische – Buntbarsche und Tilapia – geniessen wiederum das Wasser, das von den Pflanzen gereinigt wird. So entsteht ein natürlicher Nährstoffkreislauf, der keinerlei Abfall produziert. Das Gemüse ist frei von Schadstoffen, schmackhaft und zart.
Ist diese Anbaumethode die Zukunft der ‚Land’wirtschaft? Bereits plant die Migros Basel auf dem M-Parc-Dach im Dreispitz eine Aquaponik-Dachfarm, die von der Urban Farmers betrieben werden soll.

Konzeption und Begleitung: Martina Kuoni, Literaturspur Basel & Dr. phil. Barbara Piatti, Basel
Preis pro Person: CHF 145.—
Mindest-/Maximalbeteiligung: 20/24 Personen

Programm

09.35 Uhr: Begrüssung und kurzer Fussmarsch zum Margarethenpark
Spaziergang durch den Park mit Ausführungen durch Dr. phil.
Barbara Piatti, Literatur- und Kulturhistorikerin, Basel

11.00 Uhr: Fahrt im Bus zu den Merian Gärten, Rundgang und Flanieren vor und nach dem Mittagessen.

14.30 Uhr: Spaziergang von der Gartenidylle hinüber ins Dreispitz-Areal zur LokDepotDach-Farm der UrbanFarmers

15.00 Uhr: Führung durch die Dach-Farm und deren Produktionsstätten

16.30 Uhr: Ende der Veranstaltung, individuelle Rückkehr (direkte Tramverbindung zum Bahnhof SBB)

Eine Anmeldung ist obligatorisch. Anmeldeschluss: 20. Mai 2016.
Die Ausschreibung erfolgt in der Mai-Ausgabe des kulturclub.ch.

Streifzug in Basel

Von den Flaneuren zu den Urban Farmers

Sonntag, 19. Juni 2016
Preis pro Person: CHF 145.00
Anmeldeschluss: 20. Mai 2016
Mindest-/Maximalbeteiligung: 20/24 Personen