7 grosse Gefühle nach dem brutalen WM-Out

Jeder erfahrene Fussball-Fan ahnte es trotz grosser Hoffnung: Wenn alles normal läuft, werden wir ausscheiden und enttäuscht sein. Die Art und Weise tut dennoch brutal weh. Gehen wir einige emotionale Momente nochmals zusammen durch.

In Herzformation schworen sich die Spieler auf die Verlängerung ein.

Bildlegende: In Herzformation schworen sich die Spieler auf die Verlängerung ein. SRF

1. Hoffnung

60 Jahre nach dem letzten Einzug ins Viertelfinal.

Bildlegende: 60 Jahre nach dem letzten Einzug ins Viertelfinal. SRF 3

1954 stand die Schweizer Fussball-Nati zum letzten Mal an einer WM im Viertelfinal. Bei den letzten WM-Teilnahmen blieb uns dieser Erfolg stets knapp verwehrt.

Die Niederlage im Penalty-Schiessen gegen die Ukraine ist unvergessen. Würden «wir» heute 2014 Geschichte schreiben? Die junge talentierte Truppe rund um Shaqiri, Drmic und Co. weckte Hoffnung.

Argentinien hatte trotz der Genialität und Treffsicherheit von Superstar Lionel Messi noch kein grosses Turnier gespielt in Brasilien. Diese Mannschaft schien bezwingbar.

2. Glaube

Die Schweiz spielte engagiert und kam zu hervorragenden Chancen. Drmic stand alleine vor dem Tor. Alleine. Gopf. Jetzt war allen klar, die Schweiz kann hier sogar gewinnen.

Vor der Verlängerung schwor Ottmar Hitzfeld sein Team nochmals ein. Und habt ihr die Gestik von Hitzfeld gesehen? Ja der war heiss. Der wollte hier die Sensation. Und die Spieler glaubten an das Wunder.

Der Zufall wollte es, dass die Mannschaft dabei keinen Kreis, sondern ein Herz bildete. Ein Bild das später durch die Schweiz gehen sollte.

3. Nervenflattern

Die Minuten zerronnen, die Argentinier tauchten Mal für Mal gefährlich vor dem Schweizer Tor auf, während die Eidgenossen ausgepowert schienen. Kaum ein Pass erreichte mehr sein Ziel. In den Wohnzimmern der Schweiz wurden derweil Fingernägel zerkaut, Partner-Hände zerdrückt und graue Haare ersetzten zuvor Blonde. Die Fussball-Schweiz zitterte und mit ihnen Tennis-Star Roger Federer:

Auch bei SRF 3 Morgenstimme Mario Torriani (sonst kaum je aus der Ruhe zu bringen) lagen die Nerven blank:

4. Schock

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Schweiz - Argentinien: Di Marias Siegestreffer

0:48 min, aus FIFA WM 2014 live vom 1.7.2014

Die Fans rieben sich bereits die Hände. Noch 2 Minuten. Dann ein Penaltyschiessen, in dem alles passieren kann. Und die Schweiz endlich den Fluch vom legendären Ukraine-Spiel mit dem peinlich missglückten Elfmeterschiessen loswerden kann. Noch 2 Minuten.

Dann ein Fehlpass von Lichtsteiner, die Gauchos ziehen in Überzahl aufs Tor von Benaglio los und es passiert, was wir innerlich befürchtet hatten. Tor für Argentinien!

Im grossen Public Viewing in der AFG-Arena von St.Gallen sind 3000 zuvor euphorisierte Fans in roten Shirts von einer Sekunde auf die andere stumm. Man hätte die Landung einer Mücke gehört. Gefühlter Herzstillstand!

Der sonst besonnene Baschi National drehte wie so viele andere Twitterer am Rad:

Auch SRF 3 Moderatorin Mona Vetsch twittert kurzatmig und leicht aufgelöst:

5. Pech

Ein letzter Angriff, ein letzter Ansturm. Torhüter Benaglio eilt nach vorne und tatsächlich; der Goalie bringt mit einem Fallrückzieher den Ball Richtung Tor. Die anschliessende Flanke - jetzt wirds bitter - setzt Einwechselspieler Dzemaili an den Innenpfosten.

Der Abpraller landet zwar an seinem Bein, aber rollt von dort - wie könnte es anders sein - am Tor vorbei. Den armen Kerl und jeden Fussball-Fan in diesem Land wird diese Szene noch in Albträumen begleiten.

Auch die SRF 3 Kommentatoren hielt nichts mehr auf ihren Stühlen. Dieser Ball muss doch einfach drin sein!

Video «FIFA WM 2014: Dzemailis Pfostenkopfball» abspielen

FIFA WM 2014: Dzemailis Pfostenkopfball

0:31 min, aus FIFA WM 2014 live vom 1.7.2014

Werden wir noch in Jahren an diesen Pfostenschuss denken, oder bleibt er letztlich eine Randnotiz mit dem Titel «Pech»?

6. Schicksal

Fassungslosigkeit im Public Viewing.

Bildlegende: Fassungslosigkeit im Public Viewing. Keystone

«Das darf nicht wahr sein. Warum immer wir?» murmelt der Kerl mit Schweizer Kreuz auf der Wange im Public Viewing in Zürich und schlägt seine Hände über dem Kopf zusammen. Als hätten wir diese Aura des Verlierers mit der Muttermilch mitbekommen oder gar in unserer DNA verankert - es fühlte sich jetzt genau so an, wie wir schon den ganzen Abend vermutet hatten, würde es sich zum Schluss anfühlen!

Dem Schweizer Fussball sind magische Nächte in der Champions League gegönnt wie mit dem FC Basel, dramatische Qualifikationen für grosse WM-Turniere wie 2005 in der Türkei, und selbst grosse Siege wie an der WM in Südafrika 2010 gegen Spanien. Aber die Pforte zum Himmel, die letzten Stufen zum Olymp der Glückseeligkeit und dem totalen Triumpf bleibt für uns Schweizer verschlossen.

SRF 3 Hofzeichner Cic vermutet: Der Fussball-Gott hat etwas gegen uns Kleinen.

7. Stolz

Doch eines zeichnet uns Schweizer aus. Mit Niederlagen haben wir umzugehen gelernt. Und darum weicht dem ersten Frust nach wenigen Minuten warmer Applaus für diese Nationalelf und eine gute Portion Stolz auf die Leistung gegen das grosse Argentinien.

Die grosse Dankbarkeit der Fans zeigt auch der Facebook-Post von SRF 3 mit dem Titel «Danke!». Hunderte von Usern bringen dort mit Kommentaren ihren Stolz an dieser Mannschaft zum Ausdruck!

Ein Fussball-Abend zum Vergessen. Ein Fussball-Abend für die Ewigkeit.