Ariana, Sia, Jessie: Das Comeback der hohen Stimmen

Die Post-Amy-Winehouse-Ära ist vorbei: Pop schlägt wieder höhere Töne an, spätestens seit Ariana Grandes «Problem» und Sias «Chandelier». Und neu auf SRF 3: Jessie Ware mit «Champagne Kisses». Wer bei solchen Stimmen nicht von Höhenangst gepackt wird, kriegt hier Geheimtipps und Neuentdeckungen.

Die Sängerin Sia

Bildlegende: Sia: Auf «Chandelier» schwingt sie nicht nur auf dem Kronleuchter, sondern schwingt sich auch stimmlich in luftige Hö... Facebook

Auch wenn man Stimmen wie jene von Amy Winehouse, Duffy und Adele keinesfalls missen möchte: Das Pop-Pendel schwingt zur Zeit in die andere Richtung. Tief und rau war gestern, hoch und astrein ist heute. Sias «Chandelier» war auf Platz 2, Ariana Grandes «Problem» auf Platz 8, Ellie Gouldings Fifty Shades-Song «Love Me Like You Do» war fünf Wochen auf Platz 1 - und das obwohl hohe Stimmen doch angeblich soviele Leute nerven (falls es euch auch so geht, ihr könnt nichts dafür, die Evolution ist schuld: Hohe Töne signalisieren Alarm, und in Krisensituationen geht unsere Stimme naturgemäss in die Höhe. Deshalb tendieren viele bei hohen Tönen eher zum Wegrennen als zum Hinhören und Schwelgen.)

Mit der Engländerin Jessie Ware steht schon die nächste hohe Stimme am Start: Ihre Single «Champagne Kisses» hört ihr neu auf SRF 3.

Wer bis hierher gelesen hat, mag offensichtlich hohe Stimmen oder will zumindest seine Toleranz austesten. Gute Entscheidung, denn hier gibts viel Schönes zu entdecken.

Hohe Stimmen: Die Geheimtipps

Diese aktuellen Musikerinnen sucht ihr vergeblich in den Charts, aber sie begeistern zurecht die Musikblogs:

Susanne Sundfør

Die Indiepop-Sirene aus Norwegen belegt in der Heimat regelmässig Platz 1.

Frazey Ford

Die Stimme dieser Memphis-Soulerin aus Kanada erinnert an die Country-Ikone Dolly Parton.

Natalie Prass

Diese hohen Soul-Klänge kommen aus dem Herzen der Indie-Szene von Nashville.

Kyla la Grange

Zugegeben, sie ist viel bekannter als die obigen, aber in der Schweiz unerklärlicherweise doch nicht in den Top Ten gelandet. Auf ihrer Single «The Knife» erinnert sie wundervoll an Kate Bush.

Hohe Stimmen: Die Pionierinnen

Bis hierher gelesen und bei der Erwähnung von Kate Bush ein Video vermisst? Einverstanden. Gerade auch weil die Vorbilder wieder sehr präsent sind: Kate Bush gab letztes Jahr zum ersten Mal seit über 30 Jahren wieder Konzerte, und Dolly Parton löste am grössten Festival der Welt Begeisterungsstürme aus, auch bei den ganz jungen Festivalbesuchern. Vielleicht haben diese beiden so auch die aktuelle hohe Stimmenwelle mitausgelöst.

Kate Bush

Die Grande Dame des englischen Pop prägt bis heute das Selbstverständnis der britischen Sängerinnen (wie Kyla la Grange, s.o.). «Wuthering Heights» klingt jedesmal höher als man's in Erinnerung hat.

Sandy Denny

Noch vor Kate Bush machte sie in den 60s als Sängerin der Band Fairport Convention vor, wie man Folkrock singt.

Dolly Parton

Sie muss nichts mehr beweisen, und trotzdem bewies sie letzten Sommer am Glastonbury-Festival, dem grössten Festival der Welt, dass ihr immernoch alle, die Ohren am Kopf haben, zu Füssen liegen.

Janis Joplin

Zugegeben, die Beschreibung «astrein» trifft hier nicht zu. Die unvergessliche amerikanische 60s-Stimme beweist: Hoch und bluesig-kratzig muss sich nicht ausschliessen.

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