Best of 2013: Tanja Kummers Lieblingsbücher

Meterweise Regalplatz belegen Tanja Kummers Bücher, die sie im Jahr 2013 gelesen hat. Sie kürt ihre drei Lieblingsbücher des Jahres. Besonders angetan haben es ihr die skurrilen Figuren aus «Elsa ungeheuer».

Zu sehen sind zwei Wellensittiche, die sich angucken.

Bildlegende: Hat keinen Vogel, sondern zwei auf dem Cover: Tanja Kummers Lieblingsbuch 2013 «Elsa ungeheuer». SRF

Mein Lieblingsbuch 2013. In «Elsa ungeheuer» wählt die geistreiche Autorin Astrid Rosenfeld die «Ich-Perspektive», beschreibt die Kindertage von Karl aus dessen Sicht. Er lebt mit seinem älteren Bruder Lorenz in der Oberpfalz. Eines Tages kommt Elsa ins Dorf, ein rotzfreches Mädchen mit seltsamem Kleidergeschmack, das sich einen Deut um Recht und Anstand schert.

Nach und nach erfahren die geneigten Leser, wie schwer sie es in ihrem jungen Leben hat. Karl verfällt Elsa sofort. Sie erwidert seine aufkeimenden Liebesgefühle nicht, akzeptiert ihn aber als Kumpel, vor allem, als er ihr aus blinder Liebe Geld verschafft. Seinen Bruder Lorenz verbindet mit Elsa einzig ein Konkurrenzkampf darum, wer mehr Frechheit an den Tag legt. Scheint es.

Wortwitz und Fantasie

Doch dann wird Elsa plötzlich aus dem Dorf geschafft. Karl weiss nicht warum, vergisst sie aber nie, auch nicht, als er erwachsen ist und für seinen Bruder arbeitet. Dieser, Lorenz, ist unterdessen ein gefeierter Künstler - auf Kosten anderer. Karl kann es nicht lassen, sucht Elsa, findet sie und erfährt von der ungeheuerlichen Verbindung zwischen ihr und Lorenz.

Astrid Rosenfeld erzählt eine doppelbödige Geschichte, reiht skurrile Figuren, mischt Wortwitz und Fantasie und mengt alles auf eine leichte Art und Weise. Und genau darum trifft die Tiefe der Geschichte umso mehr.

Das überraschendste Buch 2013

Beim Lesen von «Kauft Leute» hat sich vor meinem inneren Auge Ausrufezeichen an Ausrufezeichen gereiht, so sehr hat mich die Lektüre überrascht. Dabei formuliert der Österreicher Jan Kossdorff eigentlich nur einen provokanten Gedanken aus: Wir wählen im Laden aus 20 verschiedenen Pastasorten aus und / oder können jedes noch so exotische Tier kaufen, ob als Haustier oder Essdelikatesse.

Warum also sollte man eines Tages nicht auch Menschen kaufen können? Caro, Ende 20, sucht einen Job und findet ihn bei Hümania, dem grössten Menschenkaufhaus Europas, das in Wien seine Pforten öffnet.

Düstere Zukunftsfantasie

Die Leser gehen mit Caro durch das Kaufhaus, sehen sich die Menschen an, die sich von ihrer besten Seite präsentieren, notabene im Schaufenster, an dem ein Knopf angebracht ist - wenn man ihn drückt, werden Infos zu Herkunft und Preis des «Objektes» angezeigt. Kossdorff erzählt auch Einzelschicksale dieser zu Kaufenden: Oft haben sie Schulden und sich darum an Hümania gebunden.

Der Autor spinnt diese düstere Zukunftsfantasie weiter - bis zu dem Tag, als die Menschen sich nicht mehr als Ware behandeln lassen ... Nach der Lektüre kauft man nicht mehr ein wie vorher, nicht so «nebenbei». Ein Buch, das zu seiner Zeit passt.

Das packendste Buch 2013

Der spannendste Schmöker 2013 ist der mit der Historie spielende Roman «Der freundliche Mr. Crippen» von John Boyne. Der Autor aus Dublin zeichnet sich dadurch aus, dass er den Erzählton unterschiedlicher Gesellschaftsschichten haargenau trifft. Zum Beispiel denjenigen der schwerreichen Mrs. Drake und ihrer verzogenen Tochter Victoria, die 1910 das Passagierschiff SS Montrose von Antwerpen Richtung Quebec besteigen.

Das Beste ist für die Beiden gerade mal recht und sie suchen ihresgleichen, versuchen es mit Mr. Robinson, der mit seinem Sohn Edmund reist. Edmund ist von einer betörenden androgynen Schönheit und Victoria verliebt sich sofort ...

Atemraubende Spannung

Die Geschichte wird in Kapiteln und mit atemberaubenden Cliffhangern erzählt und so wechselt man von der SS Montrose nach Michigan zu Hawley Crippen und seiner traurigen Kindheit. Spass und Bildung werden ihm von der Mutter untersagt, Crippen verlässt seine Herkunftsfamilie und wird Arzt.

Er heiratet die möchtegern-Opernsängerin Cora Crippen und sie führen eine unglückliche Ehe, bis Cora Crippen plötzlich verschwindet ... Wurde sie von ihrem Mann ermordet? Mit diesem Fall hat sich Scotland Yard 1910 tatsächlich auseinandergesetzt. Das Buch bietet eine mögliche Antwort.

Die Besten 2013

Das Überraschendste: «Kauft Leute» von Jan Kossdorff (Milena Verlag, 251 Seiten)

Das Packendste: «Der freundliche Mr. Crippen» von John Boyne (Arche Verlag, 524 Seiten)

Das Beste: «Elsa ungeheuer» von Astrid Rosenfeld (Diogenes Verlag, 288 Seiten)

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