Buch-Tipp Spezial: 6 Schweizer Biografien

Böllere und Brötle? Gerne später. Erst wird geblättert. Und zwar in Büchern, die Persönlichkeiten porträtieren, die eng mit der Schweiz verbunden sind oder waren und festen Schrittes ihren ganz eigenen Lebensweg eingeschlagen haben.

Nacherzählungen von Auftritten, Aussagen von Weggefährten und Berichte über Meilensteine in seinem Leben.

Bildlegende: Adolf Ogi Nacherzählungen von Auftritten, Aussagen von Weggefährten und Berichte über Meilensteine in seinem Leben. Tanja Kummer

Adolf Ogi

Adolf Ogi ist Kandersteger, Ex-Bundesrat, Freund und Mitarbeiter von Kofi Annan, Sportler, Sportförderer, 71 Jahre alt und fast unzähliges mehr. In diesem neuen Buch über ihn gibt es viel zu sehen: Seitengrosse Bilder von Ogi in verschiedenen Situationen, politisch und privat und eine DVD mit kurzen Filmen.
Textlich besteht es aus Nacherzählungen von Auftritten, Aussagen von Weggefährten und Berichten über Meilensteinen in seinem Leben, wie die Wahl zum Bundesrat oder einer seiner wenigen Niederlagen, als Sion 2006 nicht zum Austragungsort der Olympischen Winterspiele gewählt wurde.

Aus dem Vorwort von Kofi Annan:

(...) So hat er israelische und palästinensische Kinder auf dem Fussballfeld zusammengebracht, die Integration ehemaliger Kindersoldaten in Sierra Leone mit speziell dafür konzipierten Sportprogrammen unterstützt, (... ) und die sogenannte «Kricket-Diplomatie» zwischen Indien und Pakistan gefördert. (...)
Georges Wüthrich / André Häfliger: Dölf Ogi - So wa(h)r es!

Weltbild Verlag, 176 Seiten
ISBN: 978-3-03812-505-1

Akribisch recherchiert und klug zusammengesetzt. Der Schweizer Krimi von Hans Ulrich Lenzlinger.

Bildlegende: Akribisch recherchiert und klug zusammengesetzt. Der Schweizer Krimi von Hans Ulrich Lenzlinger. Tanja Kummer

Hans Ulrich Lenzlinger

Akribisch recherchiert und klug zusammengesetzt ist dieser wahre Schweizer Krimi rund um einen Lebemann, der mit allem handelte, was ihm Geld einbrachte, seien es Chinchillas oder Frauen - er betrieb ein Bordell. In seinem Garten in Zürich lebte ein zahmer Gepard und wer Lenzlinger 1979 erschossen hat, weiss man bis heute nicht.

1929 in Uster geboren, machte sich Hans Ulrich Lenzlinger als Fluchthelfer einen Namen. Seine Firma schmuggelte Flüchtlinge in umgebauten Autos aus der DDR. So ist das Buch auch zeitgeschichtlich und politisch spannend und birgt viele Infos über die Arbeit der Stasi, zum Beispiel diese:

Auszug aus dem Buch:

Würden alle bislang in den Archiven der Stasi-Unterlagen-Behörde aufgefundenen Akten aufeinandergestapelt, so ergäbe dies eine Höhe von zirka 158 Kilometern.
Stefan Hohler: Hans Ulrich Lenzlinger
Stämpfli Verlag, 128 Seiten
ISBNM: 978-3-7272-1264-2

Ein Buch über die Bieler Journalistin und Schriftstellerin, die vor 11 Jahren in Zürich gestorben ist.

Bildlegende: Ein Buch über die Bieler Journalistin und Schriftstellerin, die vor 11 Jahren in Zürich gestorben ist. Tanja Kummer

Laure Wyss

Die ideale Leserin dieser Biografie wäre Laure Wyss. Oder eine Frau ähnlichen Charakters: eine neugierige Forscherin, Sturm und Drang in den Knochen, keine Lust, zu warten, bis alles anders wird, trotzdem geduldig und mit der Fähigkeit, zu sehen, was nicht gut läuft, aber nicht auffällt, weil es «schon immer so war.»

Im Buch über die Bieler Journalistin und Schriftstellerin, die vor 11 Jahren in Zürich gestorben ist, verdichten sich Dokumente ganz unterschiedlicher Quellen (Notizen von LW, Erinnerungen von Bekannten wie auch von ihrem Sohn, Zeitungsauszüge u.a.) zu einem homogenen, geistreichen Buch.

«Es braucht Grosszügigkeit, auf Anerkennung zu verzichten, aber mit dem Blick aufs Endziel sollte sie aufzubringen sein», sagte Laure Wyss, die sich nie mit der Benachteiligung von Frauen arrangieren konnte und sich - nie schreierisch, aber immer kämpferisch - dagegen einsetzt hat.

Auszug aus dem Buch:

Ihr Satz «Die Aussenpolitik fängt sozusagen bei den Windeln an» wies die Trennung zwischen dem Privaten und dem Politisch-Öffentlichen zurück. Doch ihr Satz enthielt noch nicht die Überzeugung der späteren Frauengeneration, dass sich im Privaten die öffentlichen Machtverhältnisse fortsetzten. Die Denkrichtung von Laure Wyss war noch eine andere. Sie kämpfte dafür, dass sich Frauen überhaupt am öffentlichen Leben beteiligten. Ihr Satz ist eine ironische Umkehrung der gegnerischen Devise, der Frau das Haus, dem Mann die Welt.

Barbara Kopp: Laure Wyss
Limmat Verlag, 352 Seiten
ISBN: 978-3-85791-697-7

Dieses Buch erzählt liebevoll vom verblüffenden Leben einer wunderbar einzigartigen Frau.

Bildlegende: Dieses Buch erzählt liebevoll vom verblüffenden Leben einer wunderbar einzigartigen Frau. Tanja Kummer

Paula Roth

Die gebürtige Thurgauerin Paula Roth hat in der Bellaluna im Albulatal gewirtet, einem noch immer zugänglichen Haus zwischen Filisur und Bergün. Sie hat die Gäste mit ihrem ganz eigenen Begriff von Gastfreundschaft empfangen, bevor sie 1988 ermordet wurde - sie war 70 Jahre alt .

Sie liebte Tiere und liess sie im Haus wohnen, notabene einem Restaurant. Paula Roth setzte sich gerne zu den Gästen um einen Schwank zu erzählen, alles war dekoriert mit ihren Malereien und Gegenständen, sie beherbergte heimliche Liebespärchen genau so wie eine Sekte, die sich bei ihr versteckte.

Nach ihrem Tod fand man über 50 Kleidersäcke, sie war eine Sammlerin. Dazu passt diese Biografie mit ihrem vielfältigen Inhalt: Erinnerungen von Gästen, Geschichten und Bilder aus Paula Roths Hand, Fotos von Festen und kecke Sprüche. Dieses Buch erzählt liebevoll vom verblüffenden Leben einer wunderbar einzigartigen Frau.

Eines der frivolen Gedichte der Paula Roth:

«  Am Morgen, wenn die Sonne scheint,
die Vögel fangen an zu fliegen.
Die Mutter steht nach dem Vögeln auf
und der Vater bleibt noch liegen. »

Lucette Achermann / Katrin Rohnstock (Hrsg.): Paula Roth
Huber Verlag, 208 Seiten
ISBN: 3-7193-1366-2

Das Lebenswerk der Forscherin, Heilpraktikerin und Künstlerin hat - auch 50 Jahre nach ihrem Tod - eine grosse Anziehungskraft.

Bildlegende: Das Lebenswerk der Forscherin, Heilpraktikerin und Künstlerin hat eine grosse Anziehungskraft. Tanja Kummer

Emma Kunz

Emma Kunz fasziniert. Das Lebenswerk der Forscherin, Heilpraktikerin und Künstlerin hat - auch 50 Jahre nach ihrem Tod - eine grosse Anziehungskraft. Die Emma-Kunz-Grotte in Würenlos ist als Kraftort bekannt und wird von vielen Menschen besucht, um die «Batterien aufzuladen».

Ihre Bilder sind im weitesten Sinne geometrische, farbige Formen auf Millimeterpapier, in der Grösse von bis zu 1x1 Meter. An ihre Erstellung hat sich Emma Kunz immer mit einer Frage gemacht. Das Bildwerk, das laut der Künstlerin für das 21. Jahrhundert bestimmt sei, ist derzeit an der Biennale zu sehen.

Emma Kunz hatte viele Begabungen, die für sie alle zusammenhingen. In diesem Buch werden sie von Anton C. Meier aufgezeigt, der Emma Kunz gut kannte: Sie heilte ihn 1942 mit pulverisiertem Mineralgestein von der Kinderlähmung.

Anton C. Meier: Emma Kunz
Emma Kunz Zentrum Würenlos
ISBN: 3-9521591-2-3

In diesem grossen, oft tieftraurigen Roman verdichtet Asta Scheib die Fakten eines Künstlerlebens

Bildlegende: In diesem grossen, oft tieftraurigen Roman verdichtet Asta Scheib die Fakten eines Künstlerlebens. Tanja Kummer

Giovanni Segantini

Der Künstler wurde 1858 im heutigen Norditalien geboren und kam mit 28 Jahren in die Schweiz um das Engadin zu malen wie keiner vor ihm. Als Kind hatte sich der Maler mutterseelenallein durchs Leben geschlagen und lernte erst zu vertrauen, als er in der Schwester eines Studienkollegen die grosse Liebe fand.

In diesem grossen, oft tieftraurigen Roman verdichtet Asta Scheib die Fakten eines Künstlerlebens, in dem viel Platz fand: Der stetige Zweifel am eigenen Tun, die grosse Liebe, vier Kinder, Armut, mehrere Wohnungswechsel, die Abhängigkeit von Galeristen, bewegende und enttäusche Freundschaften und - ein früher Tod.

Leseprobe

Um sie abzulenken von seinem bevorstehenden Ortswechsel, sagte Giovanni, dass er immer dann am besten male, wenn Bice ihm vorlese. «Die Sprache ist für mich wie Musik, Liebste. Der Klang deiner Stimme, der Rhythmus und die Melodie der Worte scheinen mich zu beflügeln. Wenn du mir «Die Elenden» von Victor Hugo vorliest - diese Geschichte trifft mich immer tief ins Herz. Ich sehe mich selber in der Person des hoffnungslosen Jean Valjean. In seinem Schicksal gibt es so viele Parallelen mit meinem früheren Leben, dass es mich traurig macht. Trotzdem möchte ich immer wieder davon hören, denn er wird ja erlöst. Bitte Liebste, lies mir doch noch mal die Stelle vor, als Valjean zum Bischof kommt und zum ersten Mal erfährt, dass jemand ihn menschlich behandelt.

Asta Scheib: Das Schönste, was ich sah
Hoffmann und Campe Verlag, 416 Seiten
ISBN: 978-3-455-40196-7