Captain Quizz und eure Seelenverwandten

Ein neues Spiel auf Facebook verspricht, euren Seelenverwandten zu finden. Das Ganze ist natürlich bloss Spass. Oder nicht? Nun, ernst nehmen sollte man wenigstens den Umstand, dass sich der Captain nicht wirklich für Datenschutz interessiert.

Screensot des Spiels «Wer ist dein wahrer Seelenverwandter?»

Bildlegende: Wer das ist? Gute Frage. Aber auch eine gute Frage: Was passiert mit deinen Daten? Facebook

Ja, wo steckt er denn, der Seelenverwandte? Ihr wisst schon, dieser eine Mensch, der unvergleichbar gleich denkt wie ihr. Als man noch jünger war und auf Reisen, hat man ihn vielleicht mal in einer Standbar getroffen. Oder auf dem Wald- oder Festivalboden; und man hat stundenlang geredet, über Gott, Gitarren und die Welt – trotz lauter Musik, die einen Grossteil der Worte weggewummerte. Es war schön. Und es war endlich. Denn irgendwann musste man nach Hause. Oder so.

Klick, klick und scroll. Mein Seelenverwandter? Toll!

Zu Hause sitzt man auch jetzt manchmal. Viele von uns sogar öfters, als auch schon. Und wenn man so dahockt, kommt’s (selbst in den besten Familien) vor, dass man stundenlang in den Computer oder auf den Handydisplay starrt, sich selbst auf Social Media-Plattformen verliert – und gerade deshalb den anderen zu suchen beginnt: Wo ist sie denn jetzt, diese verflixte, verwandte Seelengestalt, in der man sich spiegelt? Irgendwo hinter Kim Kardashian's Hintern auf Instagram-Bildern versteckt oder gar unter den 271, 466 oder 763 Facebook-Freunden, die man so hat? Who knows...

Who knows? He knows: Captain Quizz. Jedenfalls behauptet er das. Seit ein paar Tagen lungert sein Versprechen vermehrt in den Timelines auf Facebook rum und zischelt folgende verführerische Zeilen:

Wollen Sie herausfinden,* wer Ihr wahrer Seelenverwandter auf Facebook ist?

Captain Quizz analysiert Ihre Freundesliste, Posts
und Likes, um herauszufinden, wer Ihr wahrer Seelenverwandter ist!

(* Das Komma ging im Original-Text vergessen, gehört hier aber hin. Punkt.)

Manch einer ist sogleich bereit, dem Captain (oh, Captain!) sein Vertrauen zu schenken. Soll er einen doch analysieren und die eigenen Freunde, die Beiträge und Vorlieben, die man so hat. Der Zweck bzw. Witz heiligt die Mittel. Und dass sich dabei eine Facebook-App installiert? Voll okay. Und dass man seine Freundesliste frei gibt? Easy. Und dass die App Statusmeldungen mit Profilbildern Dritter generiert, ohne diese zu fragen? Äh. Ist das schlimm? Es gibt Schlimmeres: die Abholzung des Regenwaldes und die korrupte Fifa, zum Beispiel. Aber...

Leider Achtung: Captain Quizz hat’s nicht so mit Datenschutz

Screenshot von freigegebener Freundesliste

Bildlegende: Seinen Freunden sollte man Sorge tragen. Und deren Daten auch. captainquizz.de/mimikama.at

Als Dritter (also als Facebook-Freund eines Suchenden, als potentieller Soulmate) hat man in der Tat keinerlei Möglichkeit, sich gegen die ungefragte Nutzung zu wehren. Und die Funktion endet nicht an der Grenze von Facebook: Die Bilder landen vorerst auf einer externen Webseite. Spätestens da fragt man sich, wer dieser Captain eigentlich ist. Eine kurze Recherche macht klar: Er ist einer, der sich nicht um Impressumangaben und Datenschutzerklärungen schert.

Natürlich, das Ganze ist ein Spiel, ist bloss Spass. Unterhaltung. Wirklich noch lustig, sogar. Vermutlich (hoffentlich!) hat auch niemand das Gefühl, auf diesem Wege tatsächlich sein Gegenstück-Seelenglück zu finden. Aber: Solange keine transparenten Angaben bezüglich des Betreibers und Datenschutzerklärungen vorliegen, sollte man’s bleiben lassen. Und mal wieder raus gehen aus der Bude, aus dem Netz, vielleicht sogar raus in die weite Welt. Denn gut möglich, dass die verbrüderte/verschwesterte Seel' gerade an einer Strandbar hockt und da auf euch wartet.

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«mimikama», die Internationale Koordinationsstelle zur Bekämpfung von Internetmissbrauch und zentrale Anlaufstelle für Internetuser, die verdächtige Internetinhalte melden möchten, rät ebenfalls vom Mitmachen ab.