Coen Brothers: Verrückte Staaten von Amerika

Joel und Ethan Coen besetzen die Rollen in ihren Filmen nicht nur regelmässig mit einer Fülle an A-Listern, sie schaffen es auch Mal für Mal, das Klischee vom «American Dream» auf die Schippe zu nehmen, wie ihr neustes Werk «Hail Cesar» zeigt.

Joel und Ethan Coen sind Amerikaner. Das steht nicht nur im Pass des Geschwister-Paars. In ihrem mittlerweile 19 Filme fassenden Werk spielen die Oscar-Preisträger immer wieder mit der Geschichte ihres Heimatlandes, nehmen die örtlichen Gepflogenheiten auf die Schippe und zeigen sich nicht selten kritisch.

Ähnlich verhält es sich in «Hail Cesar», einer Persiflage auf die grossen Hollywood-Produktionen der 1950er-Jahre. Die halb-fiktive Geschichte basiert auf dem Schaffen von Eddie Mannix, einem so genannten «Fixer». Er soll alle Skandälchen am Set der kolossalen Verfilmung von Jesus' Leben (der Titel lautet eben «Hail Cesar») fernhalten. Dumm nur, das plötzlich der Star, Baird Whitlock, von einer Gruppe kommunistischer Drehbuch-Autoren entführt wird.

Und so absurd der Plot klingen mag, so sehr beleuchtet er auf geistreiche Art und Weise den Grössenwahn, den vor allem das US-Kino während des Kalten Kriegs durchzog. Gespickt hat ihn das Geschwisterpaar mit Parts von George Clooney, Tilda Swinton oder Ralph Fiennes. Mit «Hail Cesar» führen die Coen-Brüder ihre persönliche Tradition eines Ironie geladenen Kinos fort, in dem sie die westliche, vor allem die amerikanische, Kultur ad absurdum führen.

Wir stellen dir vier weitere Filme aus dem Hause Coen vor, die diese These bestätigen:

    • Das Bild zeigt einen Mann in Schlips vor einer Wandtafel, die mit physikalischen Formeln vollgeschrieben ist.

      Bildlegende: Larry Gopnik verkörpert in «A Serious Man» einen depressiven Physik-Professor aus der amerikanischen Vorstadt. Screenshot Youtube

      Die Aufarbeitung der eigenen Geschichte

      Die Coen-Brüder stammen aus einer Familie der jüdisch-orthodoxen Mittelschicht. Aufgewachsen in einem Vorort der Grossstadt Minneapolis, haben sie ihre eigene Biographie in «A Serious Man» verarbeitet und gleichzeitig ein wiederum sarkastisches Bild der amerikanischen Gesellschaft der 1960er-Jahre gezeichnet – natürlich nur, um es immer wieder einmal mit Verweisen an die Bibel und andere geschichtliche Anekdoten zu schmücken. Hauptperson ist Larry Gopnik, ein intelligenter, aber depressiver Physikprofessor, der nicht mehr versucht, als ein absolut rechtschaffener Mensch zu sein.

    • Drei Häftlinge stolpern aneinandergekettet über ein Feld.

      Bildlegende: «O Brother Where Art Thou » dreht sich um ein Häftlings-Trio im amerikanischen Süden. Screenshot Youtube

      Homers Odyssee à la Cohen

      Auch an bekannte literarische Stoffe haben sich Ethan und Joel Cohen gewagt – an die Odyssee des antiken Dichters Homer zum Beispiel. Daraus entstand 2000 der Film «O Brother, Where Art Thou». Handlungsort ist Mississippi 1937 – hier bricht Ulysses Everett McGill (George Clooney) mit seinen drei Kumpanen aus dem Gefängnis aus, um einen vergrabenen Schatz zu bergen. Die Coens verbinden gekonnt Elemente der Antike (einen Zyklopen beispielsweise) mit amerikanischer Geschichte der Neuzeit (der Rassen-Trennung) und haben durch teilweise wilde Vermischung eine Komödie erster Güte erschaffen.

    • Ein Mann in Schürze hält ein Blatt Papier mit einem Kreis in die Höhe.

      Bildlegende: «The Hudsucker Proxy» beschreibt auf ironische Art und Weise den amerikanischen Traum. Screenshot Youtube

      Der Tölpel und der amerikanische Traum

      Norville Barnes ist Postangestellter bei «Hudsucker Industries», einem erfolgreichen Riesenkonzern in der Pampa des Mittleren Westens. Obwohl Barnes als naiver Tölpel gilt, wird er zum Vorstandsvorsitzenden gemacht, nachdem sich der eigentliche Chef der Firma das Leben genommen hat. Bald verwandelt sich der liebevolle Tollpatsch in einen machthungrigen Tyrannen. Die Komödie «The Hudsucker Proxy» aus dem Jahr 1994 persifliert nicht nur den amerikanischen Traum («Vom Tellerwäscher zum Millionär»), er ist auch gespickt mit Anspielungen an ältere, erfolgreiche Hollywood-Klassiker.

    • Ein Mann mit Hut zielt mit einer Pistole in Richtung Kamera

      Bildlegende: «Miller's Crossing» ist ein Mafia-Klassiker, der zur Zeit der grossen Prohibition spielt. Screenshot Vimeo

      Der obligate Mafia-Klassiker

      Schon so mancher bekannte Regisseur hat sich an ein Mafia-Epos gewagt – so auch die Coen-Brüder. Der Film «Miller's Crossing» (1990) zählt zu ihrem Frühwerk und erzählt die Geschichte Johnny Caspar, der seinen Widersacher Bernie Bernbaum umbringen will, weil ihm dieser in die Geschäfte funkt. Was wie ein «klassischer» Gangster-Film mit vielen zwielichtigen Treffen beginnt, ist eigentlich ein Beziehungsdrama, das vor allem auch das Migrations-Mischmasch der Amerikaner in den 1930ern aufzeigt. Grosse Erfolge konnte der Film nicht feiern; im gleichen Jahr erschienen nämlich auch «Good Fellas» und der dritte Teil der «Der Pate»-Trilogie,