Der Pannenstreifen als dritte Fahrbahn

18 Uhr, Abendverkehr, Stau. Wer wünscht sich in so einer Situation nicht, auf den Pannenstreifen ausweichen zu können? Abwegig ist dieser Gedanke nicht. Das Bundesamt für Strassen, ASTRA, plant auf mehreren Autobahnabschnitten, Pannenstreifen zu Stosszeiten befahrbar zu machen.

Autobahn mit vielen Autos.

Bildlegende: Den Pannenstreifen zu Stosszeiten für den Verkehr zu öffnen, ist gegen Stau durchaus wirksam. Keystone

Die Umnutzung von Autobahn-Pannenstreifen ist allerdings ein relativ grosser Eingriff. Der Pannenstreifen muss verbreitert und der Unterbau oft gestärkt werden. Es dauert Jahre, bis entsprechende Projekte realisiert sind.

Experten zweifeln zudem, ob die Umnutzung der Pannenstreifen das Strassenverkehrsnetz langfristig wirklich entlastet. Monica Menendez, Verkehrsplanung-Expertin an der ETH Zürich, sagt: «Zu Stosszeiten bringt eine Umnutzung der Pannenstreifen lokal zwar auf jeden Fall etwas, doch eine längerfristige und grossflächige Lösung ist es nicht.»

Beim Bundesamt für Strassen ist man sich dessen bewusst und sieht die Umnutzung von Pannenstreifen als Übergangslösung. «Die Umnutzung geht schneller und ist günstiger als ein Vollausbau», sagt Astra-Sprecher Thomas Kellenberger."

Den Pannenstreifen zu Stosszeiten für den Verkehr zu öffnen, sei gegen Stau aber durchaus wirksam. Man habe bei einem Test auf der A1 zwischen Morges und Ecublens sehr gute Erfahrungen gemacht. Dort wird der Pannenstreifen bereits seit fünf Jahren zu Stosszeiten befahren.

Weitere Projekte folgen. Auf der A6 in Bern zwischen Wankdorf und Muri wird die Autobahn derzeit auf einen Pannenstreifenumnutzung vorbereitet. Das nächste solche Projekte ist für die A1 bei Winterthur geplant.