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Aktuell Die 7 Todsünden beim Ferienfoto

Wir wollen die schönste Zeit des Jahres in Bildern festhalten. Blöd nur, dass die meisten Ferienfotos Mist sind. Höchste Zeit, sich die sieben Todsünden zum Ferienfoto zu merken, schreibt SRF 3 Redaktor Robin Alder.

Die meisten Fotoapparate und fototauglichen Taschentelefone sind heutzutage mit einem Autofokus ausgerüstet. Technische Unschärfe ist deshalb bei Ferienfotos selten das Problem. Unscharf ist vielmehr die Vorstellung des Fotografen, was er oder sie denn fotografieren möchte.

Also wird in den Ferien munter drauflos geknipst und so manches unterirdisch schlechte Foto geschossen. Das ist egal, wenn es sich nur um Erinnerungshilfen handelt. Wer die Fotos aber jemandem anderen zeigen möchte, tut gut daran, die sieben Todsünden zum Ferienfoto grossräumig zu umfahren.

Todsünde Nr. 1: Der Sonnenuntergang

Ein klassischer Schuss in den Ofen ist der Sonnenuntergang. Vorzugsweise umrahmt von Himmel, Meer und einem Streifen Strand ist die Fotografie hundertprozentig überflüssig. Egal ob die Sonne 1998 in Griechenland, 1999 in Spanien, 2003 in Italien oder 2006 in Frankreich im Meer versinkt - jeder Sonnenuntergang sieht gleich aus.

Todsünde Nr. 2: Das Posieren

Ebenso langweilig sind Fotografien, auf denen das Personal in die Kamera lächelt, eine Entenschnute zieht oder sonstwie posiert. Tausend Mal schöner sind Fotografien, auf denen etwas geschieht. Jemand schlendert über den Kiesplatz, schwimmt neben Seerosen, starrt in die Jasskarten.

Todsünde Nr. 3: Food Porn

Das Fötelen vom Essen auf dem Teller ist heutzutage so en vogue, dass es zum eigenen Genre geworden ist, zum Food Porn. Bevor euch aber die dampfenden Spaghetti alle vongole die Linse beschlagen lassen, sei festgehalten: Solange eine Fotografie keine Düfte speichern kann, sind derlei Fotografien für die Füchse.

Todsünde Nr. 4: Die verlassene Strasse

Ebenso für die Katz ist die Fotografie der leeren Strasse, die dem Horizont entgegen mäandert. Sie vermittelt zwar ein Gefühl von Freiheit, wirkt aber trotzdem stärker mit einem Bus, Auto, Töff oder Velo darauf. In 20 Jahren heisst es dann: «Aha, solche Autos fuhren die also früher!» Was hingegen keiner sagt: «Aha, auf solchen Strassen fuhren die also früher.»

Todsünde Nr. 5: Landschaften

Landschaften sind nicht langweilig, aber anspruchsvoll. Wer nicht sehr ambitioniert oder begnadet oder beides zusammen ist, lässt die nackte Landschaft bei den Ferienfotos weg. Stattdessen fotografiere man Menschen und ihre Kleider, Werbeplakate, das Titelblatt einer Qualitätszeitung, kurzum alles, was typisch ist für ein bestimmtes Jahr.

Todsünde Nr. 6: Sehenswürdigkeiten

Ihr könnt sicher sein: Die Akropolis, den schiefen Turm von Pisa, die Golden Gate Bridge und die Pyramiden von Gizeh hat jemand schon besser fotografiert als ihr es könnt. Kauft eine Postkarte.

Todsünde Nr. 7: Der Overkill

Hunderte von Ferienfotografien erfüllen nur einen Zweck. Man kann Dia-Shows basteln und damit Freunde und Verwandte stundenlang belästigen. 24 Fotos pro Ferienwoche reichen. Die Zahl ist nicht sakrosankt. Aber die Stossrichtung: Eine kuratierte Auswahl ist das Ziel. Man darf auch Fotos löschen.

91 Kommentare

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  • Kommentar von Marcus Lange, Kaufungen
    Nun, wenn man also diese 7 Todsünden beachtet, könnte man im Grunde die Kamera zu Hause lassen. Letztlich ist alles schon mindestens tausend mal abgelichtet worden, ob das berühmte Brücken in San Francisco sind, oder die mittlerweile schon zum Erbrechen ausgeübte Streetphotography, mit der klassischen alten Dame und kubanischer Zigarre, den in sich versunkenen alten Mann mit Zeitung oder den spielenden Kindern am Springbrunnen, alles war schon mindestens tausend mal da.
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  • Kommentar von Stephan Kiener, Silvaplana
    Du täuschst Dich Robin, Ein Sonnenuntergang in Punakaiki (Neuseeland) ist so einmalig wie einer in Agios Stefanos auf Korfu oder von Muottas Muragl im Engadin aus gesehen (nur drei von unzähligen Beispielen). Da ist sehr vieles verschieden. Bei den restlichen Beispielen kann ich Robin mehrheitlich Recht geben.
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  • Kommentar von Marcel Bügler, Weinfelden
    Jö, fanged a brüele.... Wer den Beitrag richtig liest, merkt, dass Robin keineswegs verbietet, Eure Speicherkarten mit all den tollen Erinnerungen zu füllen, die Ihr festhalten wollt. Der Satz "Wer die Fotos aber jemandem anderen zeigen möchte, tut gut daran, die sieben Todsünden zum Ferienfoto grossräumig zu umfahren." ist wohl der wichtigste. Merci Robin. Eure Freunde werden es Euch danken. Mein Entscheid: Sonnenuntergangpostende Facebookfreunde werden für zwei Wochen gesperrt ;-) Gut Licht.
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