Fastenblog, Tag 8: Dos & Don'ts

Was in verschiedenen Kulturen rund um den Globus seit Jahrtausenden praktiziert wird, ist zum Lifestyle geworden: das Fasten. «Input»-Redaktorin Reena Thelly fragte sich, ob man dadurch tatsächlich einen rausch-ähnlichen Zustand erreichen kann und fastete eine Woche lang.

Reena sitzt am vollen Tisch und reibt sich die Hände

Bildlegende: Fastenbrechen Auf diesen Moment habe ich die ganze Zeit über gewartet! SRF

Ich habe eine wunderbare Fastenwoche hinter mir (siehe Tag 6) und habe in den letzten Tagen einiges über das Fasten gelernt. Das ist mir am meisten geblieben:

Dos:

  • ♥ Knutschen - das fühlt sich noch besser an als sonst ♥
  • Alleine in die Natur gehen - oder mit jemandem, der schweigen kann
  • Bewegung tut wahnsinnig gut - und lenkt die Gedanken vom Essen ab
  • Gönn dir eine Massage, ist so oder so toll, vor allem in einer Fastenkrise
  • Trink badewannenweise Wasser - das hilft auch gegen Fasten-Kopfweh

Don'ts

  • Fasten um zu sparen lohnt sich nicht - was beim Fasten im Portemonnaie blieb, hab ich beim Fastenbrechen verprasst
  • Meide die Küche, da warten nur Versuchungen...
  • Ein voller Terminkalender ist beim Fasten besonders stressig - gönn dir Ruhe
  • Kaffee & Alkohol sind zwar keine feste Nahrung, gehören aber nicht auf den Plan
  • Nicht schlingen beim Fastenbrechen - kaue sehr, sehr gut - auch wenn es anstregend ist - die Magensäfte müssen wieder in Schwung kommen

Fastenblog Tag 7: Wie wenn schöne Ferien zu Ende gehen

Juhu, wieder Essen! Ich konnte fast nicht einschlafen, weil ich an all die leckeren Dinge denken musste, die ich mir heute Abend gönnen werde. Nach sieben Tagen Fasten stehen auf meinen Einkaufszettel Mango, verschiedene Käse, Knäckebrot, Quark, Nüsse, Zopf und Gnocchi (ich mach aber nur zwei, drei Stück). Ich weiss, das alles ist nach dem Fasten definitiv zu viel. Aber ich muss ja nicht alles auf einmal essen.

Am Anfang habe ich noch von deftiger Ware wie Lasagne, Älplermagronen und Mohrenköpfen geträumt. Darauf habe ich – im Moment zumindest – gar keine Lust. Ein typischer Verlauf, sagt mein Fastengötti und Fastenprofi Niklaus Brantschen.

Zuerst muss ich aber einen Apfel essen, das ist bekömmlich für den Magen, hat Säure und Ballaststoffe und der Magen kann sich wieder an die Arbeit gewöhnen.

Es wird mir fehlen: So sehr ich mich auch aufs Essen freue – das Fasten war schön (siehe Tag 6). Und ich fühle mich, als ob ich nach schönen Ferien wieder nach Hause muss. Aber das Gute ist: Ich kann jederzeit wieder an diesen «Ort» reisen.

Fastenblog Tag 6: Ich schwebe und bin sehr, sehr glücklich

Ich habe «es» gefunden. Dieses Gefühl, nach dem ich gesucht habe, hinter den anfanglichen Hürden und Mühen des Fastens.

Glück, Selbsterkenntnis, Rausch? Nach diesen drei Dingen habe ich gesucht, weil ich gehört habe, dass Fastende solche Zustände erreichen können.

Ich würde es mit weniger grossen Worten anrichten: Die letzten Tage war ich viel in der Natur, viel allein mit mir selber. Und ich habe eine Ruhe gefunden, wie ich sie selten erlebe. Dafür bin ich im «anderen» Leben zu quirlig und zu viel unterwegs. Ich suche im «anderen» Leben auch nie nach Ruhe, wozu auch? Ich mag es, wenn etwas geht.

Entschleunigung duch Verzicht: Mir ist sämtlicher Ballast - seien das Kilos oder Seelenkram - abgefallen. Viele Dinge, die mich im im «anderen» Leben gestresst haben (nervige Dinge auf der Arbeit, nervige Menschen, ihr kennt es) haben gar keinen Platz mehr, weil ich keine Energie dafür habe. Die Energie, die mir bleibt, richte ich nur auf mich selbt.

Der indische Unabhängigkeitskämpfer Gandhi, der selber immer wieder gefastet hat, beschreibt es - wen erstaunt es - sehr treffend:

«  Was die Augen für die äussere Welt sind, ist das Fasten für die innere. »

Mahatma Gandhi

Ich fühle mich leicht und frei. Ich bin zu langsam für die Hektik der Welt und melde mich ab. I like!

Fastenblog Tag 4 und 5: Endlich Wochenende!

Weil Wochenende ist und ich chillen und nicht schreiben will, hab ich euch ein Bild gemalt – ein Vorher-Nachher-Bild meiner Ernährung. Ich hab durchs Fasten ziemlich umgestellt... Ihr dürft drei Mal raten, welche Pyramide zum Fasten gehört.

Am Montag geht's dann übrigens entspannt weiter, an einen schönen ruhigen Ort, perfekt zum Fasten und in sich kehren–- wer weiss, vielleicht finde ich ja dort die Erleuchtung, den Rausch, mich selber oder was auch immer.

Fastenblog Tag 3: Fasten & Arbeiten - eine voll doofe Kombination

Das sagen die Experten: Fasten und arbeiten, das geht. Mein Fasten-Götti und Fastenexperte Niklaus Brantschen sowie Philipp Gerber, Oberarzt am Unispital Zürich haben mir beide erklärt, das man Fasten kann, auch wenn man arbeiten muss. Natürlich: Der Körper wird langsamer, die Gedanken auch. Aber machbar ist es.

Unsere Ahnen mussten auch immer wieder wegen Dürreperioden oder einem harten Winter die körpereigenen Reserven anzapfen und arbeiten, erklärt mir der Arzt Philipp Gerber. Der Körper könne gut eine Weile ohne Nahrung auskommen.

Faultiere, comicstyle

Bildlegende: Eine Armada von Faultieren würde im Moment effizienter arbeiten als ich. Colourbox

Das ist meine Erfahrung: Der dritte Tag soll der härteste sein. Ich bin auch so langsam, dass einem Faultier Konkurrenz machen könnte. Ich gehe langsamer, ich denke langsamer. Und ich mache blöde Fehler: Vorhin habe ich einige Files gelöscht, die noch gar nicht für den Papierkorb gedacht waren. Und gestern hab ich schon um 16 Uhr Feierabend gemacht, weil ich einfach keine Kraft mehr hatte.

Fasten und arbeiten: Eine ziemlich ziemlich unnütze Kombination, finde ich. Fasten ist mehr als der Verzicht auf Nahrung. Ich will ja auch in mich gehen, Glück, Selbsterkenntnis, Euphorie finden. Das geht wohl kaum in Kombination mit Pflichten, Terminen und Deadlines...

Wäre ich Lastwagenfahrerin oder Chirurgin, sähe die Sache anders aus: Ich trage keine Verantwortung für Menschenleben in meinem Beruf. Würde ich am offenen Herzen operieren oder Brummi fahren, sollte ich das Fasten mit Ferien kombinieren, rät Niklaus Brantschen.

Fastenblog Tag 2: Pizza! Pasta! Schoggi!

Ärgh. Die ersten Stunden waren hart. Ich musste die ganze Zeit an Essen denken. An Essen, das mit Käse überbacken ist – egal was, hauptsache fettig und warm. Oder an Schoggi. Aber ich blieb stark. Bisher habe ich nur Wasser und zwei Bouillons zu mir genommen. Was ich esse und was ich gerne essen würde:

Laune: Gar nicht mal so übel – eigentlich ziemlich gut! Ich habe extrem gut geschlafen (was normalerweise leider selten der Fall ist) und mich plagt auch kein Kopfweh, wie ich das von anderen gehört habe, die fasten. Ich habe aber auch etwa so viel Wasser getrunken, wie in eine Badewanne passt.

Aufsteller: Mein Fasten-Götti und Fasten-Experte Niklaus Brantschen ruft an und fragt wie es geht. Ich so: Gut, solange ich nicht an Schoggi oder Älplermagronen denke. Er zitiert Gandhi, der gesagt haben soll, dass die Kunst des Fastens darin bestehe, nicht an das Essen zu denken. Gar nicht mal so einfach!

Absteller: Von Freunden und Familie an Essen, Geburtstage oder andere nette Sachen eingeladen werden, bei der Menschen zusammen kommen und konsumieren. Ich muss absagen, das schaffe ich nicht. Mööp!

Tag 1: Das letzte Mahl

Mit diesem Zmittag verabschiede ich mich vorerst aus der Welt der kulinarischen Genüsse. Es ist bewusst leicht, damit der Körper den Übergang von Essen zu Fasten leichter schafft.

Freiwillig auf das Essen zu verzichten, ist purer Luxus. Weltweit hungern laut der UNO derzeit 795 Millionen Menschen.

Freiwillig auf das Essen zu verzichten finde ich absurd: Essen macht, dass der Körper funktioniert. Essen bringt Freunde und Familie an einen Tisch. Essen ist Belohnung nach einem langen Tag.

Fasten ist zu einem Trend geworden. Suche ich nach Büchern zum Thema Fasten, komme ich auf über 1000 Treffer: Fasten für Eilige. Fasten für Berufstätige. Fasten wie die Schamanen. Ich könnte auch eine Fastenkur in einem Hotel buchen und viel Geld dafür ausgeben, dort nichts zu essen.

Und dennoch: Es muss etwas daran sein, dass Menschen seit Jahrtausenden aus spirituellen, gesellschaftlichen und politischen Gründen fasten.

Es soll Körper und Geist reinigen – und nach den Hürden der ersten Tage soll sich ein Hoch, ein Rausch, ein Frieden einstellen. Dieses Gefühl will ich finden.

Der Plan für die folgenden sieben Tage

Reena Thelly mit Angst im Gesicht

Bildlegende: SRF

Das letzte Mahl: Ich esse ein letztes leichtes Zmittag mit Niklaus Brantschen. Er ist Jesuit, Zen-Meister und Fasten-Experte. Er wird mich auf meinem Fasten-Trip begleiten.

Das kommt die nächsten sieben Tage auf den Tisch: Wasser, Tee, Bouillon, Obst- und Gemüsesäfte. Und vorher ein Glas Wasser mit Glaubersalz, um den Darm zu leeren... Lecker!

Laune: So lala. Die erste Euphorie, dieses «komm, probier das aus, das wird sicher interessant» ist dem «warum tue ich mir das an?» gewichen. Ich frage mich, wie ich die nächsten sieben Tage durchstehen soll. Und kann ich überhaupt fasten und arbeiten?

Das sagen andere: Nix wie weg – wenn sie hungrig ist, wird sie zum Monster!

«Input»-Sendung übers Fasten

Fasten: Was Kulturen rund um den Globus seit jeher praktizieren, wurde zum Lifestyle. «Input» findet heraus, was der Verzicht auf Nahrung für Körper und Geist bedeutet. Warten hinter anfänglichen Hürden Glück, Selbsterkenntnis und Rausch? Ein Selbstversuch.

Ostersonntag, 27.3., 20-21 Uhr, SRF3.

Fastengötti Niklaus Brantschen

Niklaus Brantschen und Reena Thelly

Niklaus Brantschen ist Jesuit, Zen-Meister und Fasten-Experte. Der 78-Jährige will mit seinem Tun Ost und West zusammenbringen. Das ist ihm wichtig in einer Zeit, in der die Welt zusammenwächst. Niklaus Brantschen ist Gründer des Lasalle-Hauses in Bad Schönbrunn, ein Zentrum für Spiritualität und Dialog.

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