Leichtathletik-EM: Ein Guide fürs Klugscheissen und Besserwissen

Wir machen dich zum unbestrittenen Star von Znünipausen und Cocktailpartys – immer dann, wenn es ums Laufen, Springen, Stossen und Werfen geht. Willkommen zum Guide mit Klugscheisserwissen zu elf leichtathletischen Disziplinen.

Leichtathletik-EM in der Bronze-Zeit.

Bildlegende: Leichtathletik-EM in der Bronze-Zeit. Donk/Cic

1. Diskuswerfen

Wer hats erfunden? Die Griechen. Homer berichtet wie bei der Beisetzung des Patroklos etwa 8000 v. Chr. ein Diskus-Wettkampf stattfand. Wer also beim nächsten Leichenmahl brüllend einen Teller mit 22 cm Durchmesser nach einer 540 Grad-Drehung an die Wand knallt, kann auf den griechischen Nationaldichter verweisen. Dabei aber bitte immer schön im Abwurfkreis (Durchmesser 2.5 m) bleiben, bis das Ding gelandet ist.

2. Hammerwerfen

Früher war es auf den britischen Inseln total angesagt, allerlei Gerümpel durch die Gegend zu wirbeln: Keltische Krieger warfen Wagenräder über irische Wiesen und Schotten liessen Steine an Holzstielen durch die Highlands segeln. Eine Abbildung aus dem 16. Jahrhundert zeigt gar den bekanntermassen jähzornigen, englischen König Heinrich VIII., wie er einen Schmiedehammer herumwirft. Das Ganze ist seit 1900 auch olympisch. Nur beschränkt man sich heute auf eine Metallkugel (7.26 kg bei den Männern, 4 kg bei den Frauen) an einem Stahldraht.

3. Hürdenlauf

Wohl auch der Familienplanung männlicher Athleten zuliebe, verzichtet man heute auf die schweren Holzhürden, wie sie um 1830 in England eingesetzt wurden, auch wenn der Sport damit deutlich an potentieller Komik verlor. Schon bei leichtem Berühren kippen moderne Hürden um und unabsichtliches Umwerfen aller zehn Hürden (die der Männer sind höher als jene der Frauen) riecht zwar verdächtig nach Beschiss, ist aber heute total okay. Bis 1935 durften nicht mehr als drei Hürden umgehauen werden und Rekorde galten nur, sofern alle Hürden stehen blieben.

P.S.: Das Umrunden, absichtliche Umrennen, Durchbrechen und Unter-der-Hürde-Durchkriechen hört sich schlau an, ist aber – surprise, surprise - regelwidrig.

4. Gehen

Wird nicht besprochen, weil kein Sport.

5. Marathon

Überraschend verprügelte ein Heer aus Athen 490 v. Chr. bei Marathon eine persische Übermacht. Ein Bote pressierte ins ca. 40 km entfernte Athen, verkündete den Sieg – und starb. Sterben nach dem Marathon ist heute nicht mehr en vogue. Einige tuns trotzdem.

P.S.: Nicht durchsetzen konnte sich der Marathon-Dreikampf: Perser abmurksen, Laufen, Sterben.

6. Mittel- und Langstrecke (800m/1500m/5000m/10000m)

Achtung Klugscheisserstatistik: Sobald über mehr als 800 Meter gelaufen wird, sind Nord- und Ostafrikaner unschlagbar. Sie halten seit 1985 ununterbrochen die Weltrekorde über 1500 Meter und 5000 Meter und seit 1989 über 10'000 Meter. Die Europäer kommen dabei flach raus. Beispiel: Unter den bislang schnellsten Läufern über 10'000 Meter befinden sich acht Kenianer, fünf Äthiopier, ein Eritreer, ein US-Amerikaner, ein Marokkaner, ein Ugander und zwei Katarer (beide kenianischer Herkunft). Der einzige Europäer ist der Brite Mohamed Farah, der es mit einer Zeit von 26:46:57 Minuten auf Rang 16 schafft. Geboren wurde er in Mogadischu, Somalia.

7. Speerwerfen

Genau wie ihre jagenden und kämpfenden Vorväter schreien auch heutige Speerwerfer, als ginge es um Leben und Tod, wenn sie das etwa 2.7 Meter lange Teil (nicht alle haben gleich lange Speere, HAHAHA) auf ihre parabelförmige Flugbahn schicken. Und fast 100 Meter weit schleudern. Tatsache ist, dass es aus der Mode gekommen ist, mit dem Speer Mitmensch und –tier zu erlegen. Was dem Ganzen irgendwie den Reiz nimmt (aber einige Athleten nicht davon abhält, Kampfrichter und Berufskollegen niederzustrecken. Nicht wahr, Tero Pitkimäki?).

P.S.: Das zweihändige Speerwerfen gabs nur an den Olympischen Sommerspielen von 1912. Es sah wohl einfach zu behämmert aus.

P.P.S.: Der Speer muss beim Abwurf mit der Spitze in Wurfrichtung zeigen. Die Regel gilt, seit der Spanier Félix Erausquin 1956 es schaffte, den Speer wie einen Helikopter übers Feld zu wirbeln – und damit sogar den aktuellen Weltrekord brach.

8. Sprint (100/200/400 Meter)

Mutmasslich zusammen mit dem aufrechten Gang erfunden. Der Erfinder konnte sich jedoch nur kurz darüber freuen, weil er zeitgleich realisierte, dass Säbelzahntiger auf kurzen Distanzen schneller sind als Menschen. Wahrscheinlich blieb ihm auch keine Zeit, um darüber zu reflektieren, dass Sprinter über 100m ihre Höchstgeschwindigkeit bei ca. 50 bis 60 Metern erreichen und dass beim Sprint über 200 Meter die zweite Hälfte meist schneller gelaufen wird als die erste.

9. Stabhochsprung

Ein Sprung hat folgende Phasen: Anlauf – Einstich – Absprung – Eindringen – Aufrollen – Lattenüberquerung – Landung einteilen. Die Stäbe unterscheiden sich nach der Länge und der Elastizität. Hihihi. *Handlungsanweisung: Beim Erzählen süffisant grinsen.*

10. Steeple

Kübelweise Gebranntes hat wohl eine Rolle gespielt, als um 1850 Studenten aus Oxford entschieden, dass die Absenz von Gäulen kein Grund ist, um die Idee eines Pferderennens über Stock und Stein fahrenzulassen. Angeblich taumelten die Kamele ohne Reittiere über Flüsse, Hecken und Mauern. Geblieben ist das Pferderennen für Arme – mit Hürden, Wassergräben und über eine Distanz von 3000 Metern.

11. Weitsprung

Heute gibt es ihn nur noch mit einem Anlauf von 30 bis 50 Metern. Der Weltrekord des US-Amerikaners Mike Powell liegt dabei bei 8.95 Metern. Früher gabs aber auch Standweitsprung – und bis 1912 war er sogar olympisch. Weltrekordhalter Ray Ewry sprang aus dem Stand ganze 3,467 Meter weit. Der «menschliche Frosch» (acht olympische Goldmedaillen) dominierte übrigens auch die Disziplinen Standdreisprung und Standhochsprung. Nicht übel für jemanden, der wegen Kinderlähmung eine Zeit lang im Rollstuhl sass und dem die Ärzte eine lebenslange Lähmung prophezeiten.