Schweizer App «Threema» will Amerika erobern

Seit dem NSA-Skandal hat die Schweizer Messaging-App Threema ihre Nutzerzahl verdreihundertfacht. Nun will das Start-up in den USA erfolgreich werden. Doch das wird ein harter Kampf.

Wer kann unsere SMS mitlesen?

Bildlegende: Wer kann unsere Nachrichten mitlesen? Szene aus dem Werbespot von Threema. PD

Die Schweizer Smartphone-App Threema hat ihren Erfolg nicht zuletzt zwei berühmten Amerikanern zu verdanken. Viele Nutzer der App flüchteten zur Datenschutz-freundlichen Messaging-App, als Edward Snowden den Überwachungsskandal aufdeckte. Noch mehr folgten, als Konkurrent WhatsApp von Facebook aufgekauft wurde. Die Angst vor Datenkraken hat die Zahl der Nutzer auf drei Millionen ansteigen lassen. In den deutschen App-Charts hält sich Threema seit Monaten an der Spitze der meistverkauften Apps.

Auf dieser Welle wollen die Macher der App nun weiter reiten — und zwar in die USA. «In der ganzen Welt scheint sich eine Bewegung gegen den unkontrollierten Datenmissbrauch zu formieren», schrieb Sprecher Flepp in einer E-Mail. «Darin sehen wir unsere Chance.»

Threema

Bildlegende: Threema - eine Messaging-App. PD

In einem neuen Video zeigt Threema eine junge Frau, wie sie beim Schreiben einer Nachricht auf ihrem Smartphone von einer Gruppe Überwacher beobachtet wird. Einer hält ihr ein gigantisches Mikrofon unter die Nase. Das würde mit Threema nicht passieren, verspricht eine Stimme auf Englisch.

«Wir wollten einen Spot, der die Thematik Datensicherheit und Datenschutz mit Witz adressiert», sagt Threema-Sprecher Roman Flepp im Gespräch mit SRF 3. Die Hoffnung: Dass sich der Spot viral verbreitet.

US-Apps setzen auf Datenschutz

Gründe, sich wegen Datenmissbrauches zu sorgen, gibt es in den USA genug. Nur ein paar Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit: Hacker stahlen Nacktfotos von Stars und verbreiteten sie im Internet. Andere stahlen Millionen von Kreditkarten-Informationen von Kunden der Baumarkt-Kette “Home Depot”. Und neue Enthüllungen über die Schnüffelaktionen der Regierung sind an der Tagesordnung.

In diesem Umfeld sieht nicht nur Threema eine Chance. Auch Telegram, ein russisches Pendant, oder das US-Start-up Wickr verkaufen sich als vor Überwachung sichere Messaging-Apps.

Doch Threema habe den Schweizer Vorteil. Die Schweiz genieße international einen guten Ruf in Sachen Datenschutz, sagte Threema-Gründer Manuel Kasper in der Sendung Input auf SRF 3.

Hart umstrittener Markt

Doch im App-Markt gehört Messaging allgemein zu den umstrittensten Bereichen. Die herkömmlichen Player, Facebook Messenger, WhatsApp oder Snapchat, haben Hunderte Millionen von Nutzern. Täglich kommen neue Apps hinzu. Hier ist Threema ein Winzling.

«Es ist eine große Herausforderung. Wir konkurrieren mit den Branchenleadern», sagte Kasper. «Das ist auch ein Krieg der Features.»

Und es ist ein Kampf um Bekanntheit. Gegen Konkurrenten mit gut gefüllten Kriegskassen. Die sichere Messaging-App Wickr hat vierzig Millionen Dollar an privaten Investment-Geldern zur Verfügung. Snapchat gar 160 Millionen. Threema lebt von den Einnahmen aus den Verkäufen — die App kostet zwei Franken.

Ohne Millionen an Investoren-Geldern sei dieser Kampf nicht zu gewinnen, sagte Gunter Festel, Ökonom an der ETH und Start-up-Experte. “Da geht vieles über Marketing, über Bekanntheit. Da müssen sie massiv investieren.” Ohne diese Ressourcen hätten sie keine Chance.

Threema schließt private Investoren nicht aus. Doch man wolle versuchen, so lange wie möglich selbständig und finanziell unabhängig zu bleiben.

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