«Stellwerkstörung» ist Wort des Jahres 2013

In einem Jahr, das reich an SBB-Pannen und arm an prägenden Ereignissen war, ist die Stellwerkstörung für die Jury auch eine Metapher für ein Land, das nicht recht vom Fleck kommen will.

Wort des Jahres 2013: Stellwerkstörung.

Bildlegende: Wort des Jahres 2013: Stellwerkstörung. Keystone

Die Jury

Bildlegende: Die Jury Daniel Quaderer, Hazel Brugger, Bänz Friedli, Ursula Schubiger und Jens Steiner. SRF 3

Wort des Jahres: Stellwerkstörung

Gemeinschaftsgefühl im Eisenbahnwaggon: Wenn uns in dieser schnelllebigen Zeit noch etwas zu einen vermag, dann die Durchsage im öffentlichen Verkehr: «…Grund dafür ist eine Stellwerkstörung.» Das Wort muss für jeden Zwischenfall, jegliche IT-Panne herhalten, und von Rorschach bis Genf weiss niemand genau, was damit gemeint ist.

Unwort des Jahres: systemrelevant

Früher war eine Bank «too big to fail», wenn man sie mit öffentlichen Geldern retten musste, und in dem Ausdruck lag wenigstens noch etwas Verschämtes, Schäbiges. Neuerdings heisst es elegant «systemrelevant», wenn etwa die Zürcher Kantonalbank von der Nationalbank, wie im November geschehen, für allzu gross bezeichnet wird, als dass man sie scheitern lassen könnte. Ist ein Geldinstitut dem Rechtssystem lange genug auf der Nase herumgetanzt (indem es beispielsweise amerikanische Steuersünder als Kunden von der UBS übernahm), wird es für «systemrelevant» erklärt. Das Wort ist ein Hohn

Satz des Jahres: «Aff!»

Dieser Ausspruch bleibt von Ueli Maurers Präsidialjahr übrig. Er sagte ihn zu einem Kamermann im Bundeshaus, der ihm im Weg stand. Ein Beispiel für die Verrohung des politischen Diskurses? Oder eher dafür, dass in Zeiten von Wikileaks, NSA-Bespitzelung und flächendeckenden Abhöraktionen nichts mehr geheim ist, auch nicht ein verbaler Ausrutscher des Bundespräsidenten? Dann wäre der «Aff!» auch Beispiel dafür, dass sich heute jede Nichtigkeit in Windeseile über alle digitalen Kanäle verbreitet – bis er schliesslich gar Satz des Jahres ist.