Supersonic – So habt ihr Oasis noch nie gesehen

«Wonderwall», «Don't Look Back In Anger», «Live Forever» - Oasis haben sich mit ihren Songs unsterblich gemacht. Wie es dazu kam, dass zwei Brüder aus Manchester mit ihrer Musik eine ganze Generation prägten, zeigt der neue Film «Oasis: Supersonic» in einer nie da gewesenen Tiefe.

Obwohl es bereits sieben Jahre her ist, dass sich Oasis vor einem Konzert in Paris verkracht und getrennt haben, ist ihr Name noch lange nicht verschwunden. Die Gallagher-Brüder sind immer noch regelmässig mit deftigen Sprüchen in den Medien. In England nahmen die Wettbüros vor Kurzem Wetten auf ein Comeback der Band für 2017 entgegen.

Am Wichtigsten ist aber: Ihre Songs werden von Millionen Fans rund um den Globus verehrt, gehört, gesungen, auf Partys, in Bars oder am Radio gespielt. Der Mythos Oasis lebt weiter.

Die Entstehung einer Legende

Der Film Oasis: Supersonic (von den Machern der Oscar-prämierten Amy Winehouse-Doku Amy) versucht sich diesem Mythos zu nähern. Die Annäherung gelingt: Der Film gewährt einen tiefen Einblick in die Anfangsjahre der Britpop-Legenden.

Der Schwerpunkt von Supersonic liegt auf dem Zeitraum zwischen 1993 und 1996 – den drei Jahren, in denen Oasis von einer vertrags- und erfolglosen Band zum Festival-Hauptact wurden. Dieser Karrieresprung wird anhand ihres Auftritts am Festival von Knebworth gezeigt, an dem sie vor über einer Viertelmillion Fans spielten und damit den damaligen Zuschauerrekord des Festivals brachen.

Es sind die drei Jahre, in denen sie mit den Alben «Definitely Maybe» und «(What’s the Story) Morning Glory?» Musikgeschichte schrieben, zu einer der grössten Rockbands der Welt wurden und den Grundstein für ihren Mythos legten, der nach wie vor anhält: Bis heute verbindet man mit dem Namen Oasis zum einen unvergessliche Songs, zum anderen die explosive Chemie zwischen den Brüdern Noel und Liam Gallagher.

Hassliebe zwischen Liam und Noel

Das zwiespältige Zusammenspiel zwischen Frontmann Liam und Mastermind Noel ist es, das die Band unverwechselbar machte: «Die grösste Stärke von Oasis waren ich und Liam. Wir waren es aber auch, die die Band an die Wand gefahren haben», sagt Noel im Film.

Diese spezielle Beziehung der beiden Brüder wird im Film ins Zentrum gerückt. Sie ist geprägt von Freundschaft und Liebe, aber auch von Hass, Zweifel, Eifersucht, Machtkämpfen und viel Humor. Natürlich wird viel geflucht und angegeben. Doch in Supersonic sind auch ungewohnt nachdenkliche, sensible und reflektierte Töne zu hören, die man von den beiden Raubeinen so kaum je gehört hat, etwa über die schwierige Beziehung der beiden zu ihrem Vater.

Unglaubliches Bild- und Tonmaterial

Teilweise kann man fast nicht glauben, dass von gewissen Szenen Bild- oder Ton-Aufnahmen existieren. Beispielsweise von dem Moment, als die knapp 20-jährigen Oasis in ihrem heruntergekommenen Proberaum in Manchester den Song «Rock ‘n‘ Roll Star» anstimmen, den zu diesem Zeitpunkt noch niemand kennt.

Supersonic ist zudem gespickt mit wunderbaren Anekdoten. Zum Beispiel dass Noel den Song «Talk Tonight» für eine Frau geschrieben hat, deren Namen er nicht kennt und von deren Gesicht er nur noch neblige (Drogen-)Erinnerungen hat.
Oder dass Liam im Studio noch schnell nebenbei «Champagne Supernova» eingesungen hat, obwohl bereits das Fussball-Spiel Liverpool gegen Manchester City im Fernsehen lief, das er als Man-City-Fan nicht verpassen durfte.

Emotionale Achterbahnfahrt mit notwendigen Längen

Mit zwei Stunden ist die Oasis-Doku sehr ausführlich. Es kommt keine Langeweile auf, dafür ist die Achterbahnfahrt der Gefühle zu gut orchestriert. Es gibt zwar einige Längen, die aber wichtig sind für die differenzierte Darstellung des Werdegangs der Band: So wird zum Beispiel gezeigt, was passiert, wenn aus einer Band von Freunden ein millionenschweres Unternehmen wird. Da bleibt der eine oder andere eben auf der Strecke. Weil er zu wenig gut ist (der erste Drummer Tony McCarroll), ihm der Trubel zu viel wird (wie beim Ur-Bassisten Paul McGuigan) oder er lieber bei seiner Freundin wäre statt auf Tour (Interims-Bassist Scott McLeod).

Fazit: Nicht nur für Fans

Logisch, Oasis-Fans werden scharenweise in die Kinos strömen. Supersonic ist aber auch für all jene lohnend, die ein Stück Musikgeschichte aus einem neuen Blickwinkel sehen, die Entstehungsgeschichte hinter den ersten beiden bahnbrechenden Oasis-Alben kennenlernen wollen oder einfach Bock haben, sich über die tollen 90er-Outfits und -Haarschnitte zu amüsieren.

Was das Geheimnis hinter dem Oasis-Mythos ist, wollt ihr noch wissen? Noel Gallagher erklärt es so: «Oasis hat ein Feuer entfacht. Ein Feuer in Form eines Gefühls, das auf die Menschen übergegriffen hat.» Und genau dieses Gefühl wird durch Supersonic wieder ausgelöst. Man wünscht sich nach dem Kinobesuch insgeheim, dass die Gerüchte wahr werden, Oasis 2017 ihr Comeback geben und die Legende weitergeht.

Der offizielle Schweizer Kinostart von Supersonic ist am Donnerstag, 27. Oktober 2016, in den Städten Zürich, Bern, Basel und Luzern.