Tottal egal?

Rechtschreibung im Internet: Kann man beim Kommentar-Verfassen getrost auf Grammatik pfeifen? Oder treiben euch orthographische Unwissenheit, Ignoranz oder Schludrigkeit in den Wahnsinn?

Manche Web-Themen schlagen hohe Wellen und schwemmen dabei allerlei Meinungen in die Kommentarspalten.

Grundsätzlich ist es eine Freude, wenn sich viele Menschen zu Wort melden. Nur: Beim «zu Wort melden» gibt es oftmals reihenweise falsch geschriebene Wörter. Von wirrer Interpunktion und eigenwilliger Gross- und Kleinschreibung ganz zu schweigen.

«  Unsere Community schreibt täglich zwischen 9'000 und 12'000 Kommentare. Zirka 5 Prozent davon sind wirklich fehlerfrei.  »

Eva Kamber
Community-Managerin «20 Minuten»

Natürlich: Fehler können sich immer einschleichen. Aber gerade in Foren, Kommentarspalten, E-Mails oder Chats schleichen die Fehler nicht mehr – sie stampfen! Manche Verfasser frönen der Rechtschreib-Anarchie vielleicht nur deshalb, weil sie es nicht besser können. Anderen ist es schlichtweg egal, ob der Beitrag orthographisch korrekt daher kommt.

Johannes Anderegg, Professor für Deutsche Sprache und Literatur an der Universität St. Gallen, kritisiert die grassierende Schludrigkeit im Netz:

«  Die Beherrschung des so genannten 'Schriftdeutschen' ist eher bedauernswert. »

Johannes Anderegg
Professor für Deutsche Sprache und Literatur

Gepflegte Rechtschreibung mag von Disziplin zeugen, die Lesbarkeit verbessern, auch höflich sein und unserer Sprache huldigen – aber kann und sollte man sich über Fehler wirklich aufregen? Oder ist es spiessig, sich als Sprachbewahrer aufzuspielen und bei jedem Kommafehler gleich den grossen Kulturverlust zu wittern?

Unsere Top 10 der Rechtschreibefehler

1. Der Idioten-Apostroph



Apostrophe sind falsch eingesetzt eine Katastrophe. Vor allem beim Genitiv. Die Stimme Anic Lautenschlager’s tönt besser ohne Apostroph. Erlaubt ist der Apostroph höchstens zum Abkürzen – aber auch nur in flott geschriebenen Texten… Glauben Sie’s uns!

2. „Das“ oder „dass“ nervt

Es freut uns, dass ihr viel Wert auf korrekte Rechtschreibung legt. Ist das ein Komma, das an der richtigen Stelle gesetzt wurde? „Dass“ oder „das“? Ein „s“ oder zwei? „Dass“ ist ein Bindewort, welches einen Nebensatz einleitet. „Das“ ist ein Pronomen, welches für das vorangehende Substantiv steht.

3. Als oder wie?

Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor. Das Zitat aus dem Faust von Goethe ist orthographisch leider falsch. „Als“ wird bei Ungleichheiten gebraucht: „grösser als“, „besser als“, „schöner als“.“Wie“ wird bei gleichen Dingen gebraucht: Ich bin genau so schön wie du.


4. Scheinbar perfekt

Scheinbar ist das eine gute Lösung. Aber nur scheinbar. Dies bedeutet: Es sieht zwar nach einer guten Lösung aus, ist aber keine. „Scheinbar“ bezieht sich auf den Schein. Gemeint ist deshalb vermutlich „anscheinend“. Eine scheinbar gute Lösung ist also nicht nur anscheinend, sondern ziemlich sicher die falsche Lösung.


5. Seid oder seit?

„d“ oder „t“ am Schluss? Die Wörter klingen praktisch gleich, meinen aber etwas völlig anders. „Seit“ ordnet zeitlich etwas ein, „seid“ ist eine konjugierte Form des Verbs „sein“.


6. Wortschöpfungen

Mein einzigster Freund ist etwas anderst. Mündlich tönt dies zwar gut, schriftlich funktioniert dies jedoch nicht. "Anderst" ist „anders“, der „einzigste“ ist der „einzige“.

7. GROSSE und kleine Fehler


Am schönsten, am grössten, am einfachsten. Alles Superlative. Aber alle werden klein geschrieben. Ausnahme: Wenn das „am“ für „an dem“ steht, schreibt man danach gross weiter. Konkret: Am richtigen Rechtschreiben (mit grossem R) habe ich am meisten (mit kleinem m) Spass.


8. Tod oder tot?


Eigentlich einfach: „Tod“ ist das Substantiv, „tot“ ein Adjektiv. Der Tod kam unerwartet und jetzt liegt er tot da. Auch für Lebendige nicht immer einfach!


9. Die geographische „er“-Falle

Die Schweizer Firma macht mehr Umsatz, die dänische Firma weniger. Geographische Wörter mit der Endung „-er“ schreibt man grundsätzlich gross. Geographische Adjektive mit der Endung „-isch“ aber klein.


10. Ein Strich ist kein Strich


Bindestrich oder Gedankenstrich? Der Gedankenstrich ist lang, der Bindestrich kurz. Aber es gibt einen grossen Unterschied: Der Bindestrich verbindet zwei Wörter, der Gedankenstrich schiebt einen Gedanken in einen Satz.


«Kommentarland» SRF

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