Zürich Openair: Nirgendwo sonst ist Zürich so Zürich

Nein, der Festivalsommer ist noch nicht zu Ende. Das Zürich Openair steht noch vor der Tür. Das junge Festival ist aber nichts für 0815-Open-Air-Besucher. SRF 3 Redaktor Mani Neubacher, selbstverständlich selber Zürcher, weiss wie am Zürich Openair der Hase läuft.

Mani Neubacher am Zürich Openair.

Bildlegende: Mani Neubacher am Zürich Openair. Mani Neubacher

Zürcher halten sich für etwas Besseres...

...und das merkt man auch am Zürich Openair. Die Hälfte der Festivalbesucher hat sich einen VIP-Pass organisiert. Unter den Pöbel mischt man sich aber nur um zu zeigen, dass man auf dem Weg ins VIP-Zelt ist, das so gross ist wie das Hallenstadion.

Zürcher sind Schickimicki

Schmutzig macht man sich nicht. Beim ersten Regentropfen flüchtet sich der Zürcher ins VIP-Zelt. Um jede Schlammpfütze macht man einen grossen Bogen. Das geht nämlich auch mit High Heels. Am Zürich Openair sind alle Fusswege mit Holzbrettern ausgelegt.

Zürcher stehen auf Hippiekacke

Das Zürich Openair gleicht einem Fotoshooting für den Urban-Outfitters-Katalog. Hochgekremplete Skinny-Jeans, 90er-Jahre-Retro-Shirts und Undercuts mit Seitenscheitel wo man hinschaut.

Zürcher haben zu viel Geld

Auch wenn es einen Zeltplatz hat, bevorzugen die Zürcher die Limousine nach Hause. Direkt vor dem Festivalgelände stehen die Züri-Taxis und warten auf die müden Festivalbesucher. Selbstverständlich sind Boden und Sitze mit Plastik überzogen. Vielleicht hat ja doch ein Fahrgast Bekanntschaft mit einer Schlammpfütze gemacht.

Zürcherinnen wollen alle dünn und schön sein

Stimmt, aber nicht am Festival. Nicht etwa der Smoothiestand hatte letztes Jahr die längste Warteschlange, sondern die frittierten Teigfladen «Langosch» aus Ungarn. (Pro Stück mindestens 1500 Kalorien.)

Zürcher hocken jedes Wochenende in Technoclubs

Diesem Klischee muss auch das Zürich Openair gerecht werden. Das Line-up ist klar das elektronischste von allen Schweizer Festivals. Zusätzlich ist eine der Bühnen der Dance Circus, der nichts anderes ist als ein riesiger Technoclub. Und für alle, die auch am Morgen noch nicht genug haben, gibt es das Afterhourzelt.

Zürich ist teuer

Da muss man fair bleiben. Das Bier kostet genau gleichviel wie auf dem Gurten. Zehn Bier pro Tag inklusive Depot - die Becher bringt der Zürcher ja nicht zurück - macht nach vier Tagen plus/minus 280 Franken. Kokainkonsum natürlich nicht eingerechnet.

Zürich Openair