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Digital 360-Grad-Panoramen von den höchsten Gipfeln der Schweiz

Der Zermatter Matthias Taugwalder hat die höchsten Gipfel der Schweiz bestiegen, er lässt sich in Gletscherspalten abseilen oder an der Longline unter dem Helikopter durch die Luft tragen. Sein Ziel: Rundum-Panoramabilder, mit denen Betrachter am Computer spektakuläre Räume wie real erkunden können.

Matthias Taugwalder war lange kein leidenschaftlicher Bergsteiger. Auch wenn er dafür prädestiniert gewesen wäre. Er ist Zermatter und hat berühmte Vorfahren. Er erzählt die Anekdote gern. Sein Ur-Ur-Ur-Grossvater Peter Taugwalder und dessen Sohn Peter jun. waren 1865 als Bergführer bei der Erstbesteigung des Matterhorns mit dem Engländer Edward Whymper dabei. Beim Abstieg kam es zur Katastrophe. Von der Siebner-Seilschaft stürzten vier Bergsteiger in den Tod. Whymper sowie Vater und Sohn Taugwalder überlebten. «Das war mein Glück! Denn mich gäbe es ja sonst nicht», sagt der Ur-Ur-Enkel mit einem breiten Lachen.

Auf dem Matterhorn hat es ihn gepackt

Zum Bergsteigen fand Matthias Taugwalder erst durch die Fotografie. Als 15-Jähriger programmierte er zu Hause am Computer Internet-Seiten. Dann studierte er Wirtschaftsinformatik – und fotografierte als Hobby. Es war ausgerechnet das Matterhorn, das ihn zum professionellen Panorama-Fotografen machte. «Diese Farben beim Sonnenaufgang auf dem Gipfel, violett, blau, rot, orange, gelb. Da wusste ich, dass das mein Leben ist», erzählt der 33-Jährige.

Das war im September 2005. Seither hat sich Taugwalder als Fotograf und Unternehmer auf 360-Grad-Panoramen spezialisiert. In dieser Zeit ist die Rundum-Fotografie weltweit enorm populär geworden. Die Online-Ausgaben von Zeitschriften wie «Geo» oder «National Geographic» publizieren regelmässig 360-Grad-Panoramen im Netz. Taugwalder war als Fotograf an vorderster Front dabei und präsidierte auch zwei Jahre lang die Internationale Vereinigung für Panorama-Fotografie IVRPA., Link öffnet in einem neuen Fenster

In den Raum eintauchen

Das Besondere bei diesen 360-Grad-Panoramen ist die interaktive Steuerung der Blickrichtung. Der Betrachter kann selbst bestimmen wohin er schauen will: rundherum, senkrecht nach oben und (fast) senkrecht nach unten. «Das ist ein Raum-Erlebnis wie in der Realität, wie wenn man den Kopf wendet. Man kann schauen, wohin man will», sagt Taugwalder. Das gilt für Innenräume, Landschaften oder auch besondere Anlässe. Auf der Webseite der IVRPA findet man das Grab von Ramses, Link öffnet in einem neuen Fenster, den Grand Canyon, Link öffnet in einem neuen Fenster oder Polarlichter über Island, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Porträt von Fotograf Matthias Taugwalder vor der Eigernordwand
Legende: Matthias Taugwalder: Erfolgreich als freiberuflicher Panorama-Fotograf. SRF

Gigapixel und 3-D als aktuelle Herausforderung

Wenn Matthias Taugwalder unterwegs ist, muss alles stimmen: das Wetter, die Tageszeit, das Licht und die Ausrüstung. Diese hat bequem im Rucksack Platz: ein leichtes Karbon-Stativ, die Spiegelreflex-Kamera und ein digitales Steuergerät. Dieses richtet die Kamera aus, berechnet je nach Brennweite des Objektivs den nötigen Winkel der Drehung, damit die Überdeckung der einzelnen Fotos stimmt. «Früher habe ich die Winkel jeweils mit Trigonometrie berechnet, heute kann ich das ganz einfach im Steuergerät programmieren», erzählt der Fotograf.

Zum Beispiel auf der Dufourspitze, dem höchsten Berg der Schweiz. Von hier aus hat Taugwalder ein Gigapixel-Panoramabild aufgenommen. Das sind mehr als 300 Aufnahmen mit extrem hoher Auflösung, von einer raffinierten Software zu einem Rundumbild gerechnet. Der nächste Schritt ist dann das Ganze in 3-D.

Die Zukunft: interaktiv, 360 Grad, live

Auch in einem anderen Bereich erprobt Matthias Taugwalder die Zukunft. Er ersetzt die Foto- durch Videokameras. «Es wird möglich sein, sich live in Konzerte, Sport- oder andere Anlässe einzuklicken und die 360-Grad-Rundumsicht zu haben.» Das Pop-Konzert im Hallenstadion kann man dann mit Rundblick live zu Hause geniessen, statt vor Ort mit eingeschränktem Blick auf die Bühne.

Umgesetzt hat Taugwalder die Technik diesen Winter bei der Lauberhornabfahrt. Der Skirennfahrer Bruno Kernen fuhr die Strecke mit sechs Minikameras auf dem Kopf, die in alle Richtungen filmten. 24 Stunden später und nach viel Rechenarbeit des Computers war die interaktive Fahrt bereit: die Zuschauer konnten mit der Maus in alle Richtungen schauen – als hätten sie selbst die Skier unter den Füssen.

Legende: Video 57 Kameras für ein Panoramabild abspielen. Laufzeit 06:39 Minuten.
Aus Einstein vom 24.04.2014.

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