Alternative zum Tippen: Wischen, schreiben oder diktieren?

Die Anordnung des Alphabets auf der Tastatur stammt von der mechanischen Schreibmaschine, ein Relikt aus dem 19. Jahrhundert. Auf dem Smartphone macht das keinen Sinn mehr. Trotzdem hat sich das Prinzip bis heute gehalten. Wir zeigen, dass es anders geht und stellen fünf originelle Alternativen vor.

Echte Tasten auf Handys sind selten geworden. Der Siegeszug der Smartphones hat uns virtuelle Tasten auf dem Touchscreen beschert und wir haben gelernt, mit der fehlenden Haptik und falscher Autokorrektur umzugehen.
Dass man diese Art des Tippens auf dem Bildschrim aber noch verbessern kann, zeigen die vielen Keyboard-Apps (sogenannte Soft-Keypads), die sich in den App Stores tummeln.

(Z)Wischen Effizienz und Spielerei

Die populärste Alternative zum gewohnten Tippen ist das Wischen: Wir fahren über die einzelnen Buchstaben, ohne dabei den Finger von der Tastatur zu nehmen, bis das Wort fertig geschrieben ist.

Eine Linie auf der Tastatur zeigt den Weg des Fingers an.

Bildlegende: Swype: eine von mehreren Wisch-Tastaturen für iOS und Android. swype

Eine farbige Linie zeichnet den Weg, den wir so auf den Tasten zurückgelegt haben und hilft bei der Orientierung. Diverse Tastaturen wie etwa SwiftKey oder Swype setzen auf dieses Prinzip, mit dem vor allem das einhändige Schreiben schneller werden soll.

Erstaunlich dabei: Wie gut einem diese Eingabemethode liegt, hängt offenbar davon ab, wie gut man das Tippen auf der klassischen Tastatur beherrscht. Je besser man die Anordnung des Alphabets verinnerlicht hat, desto rascher findet man die Buchstaben, wenn man mit dem Finger über das Software-Keyboard streicht.

Auch für Freunde der Emojis und animierten GIFs finden sich spezialisierte Tastaturen, die unsere Kommunikation mit noch mehr Symbolen und Grafiken bereichern wollen. Für hartgesottene Nostalgiker gibt es gar eine T9-Tastatur: Das erste halbintelligente Tastatur-System, mit dem wir auf unseren Nokia-Knochen auf den Zahlentasten eins bis neun unsere SMS getippt haben.

Wer nun Lust bekommen hat, eine alternativeEingabemthode auszuprobieren, hier fünf Tastatupr-Apps fürs iOS- und Android-Geräte:

Soft-Keypads für Android und iPhone

    • Screensho Smartphone mit Tastatur

      Bildlegende: SwiftKey: Statt tippen, über Tastatur streichen und Buchstaben verbinden. swiftkey.com

      SwiftKey

      Eine der beliebtesten Swipe-Tastaturen. Statt zu tippen, wischt man über Tastatur und verbindet Buchstaben zu Wörtern. SwiftKey kann mit erstaunlicher Genauigkeit voraussagen, welches Wort als nächstes folgen wird. Die App ist auch in der Lage, Sprachen zu unterscheiden und automatisch zu wechseln – ein Segen für alle, die dauernd zwischen Deutsch und Englisch hin- und herpendeln.

      swiftkey.com

    • Fleksy auf verschiedenen Geräten

      Bildlegende: Fleksy Statt tippen, über Tastatur streichen und Buchstaben verbinden. fleksy.com

      Fleksy

      Kann von bereits geschriebenen E-Mails lernen, sofern man Zugang zum Mail-Konto gewährt. Die App reagiert auf vordefinierte Gesten, um zum Beispiel ein Wort zu löschen oder einen Leerschlag einzufügen. Wegen dieser Funktionalität ist Fleksy beliebt bei Blinden. Ausserdem: Animierte Gifs direkt von der Tastatur z.b. in SMS einfügen.

      fleksy.com

    • Screenshot Tastatur

      Bildlegende: Minuum: Das minimalistische Keyboard. Alle Buchstaben sind auf einer Zeile dargestellt. Der Vorteil: Das spart Platz, der zur... minuum.com

      Minuum

      Minimale Tastatur für optimale Nutzung des Bildschirms. Auf Dauer zu unpräzise und damit zu ineffizient. Für spezielle Anwendungen aber sinnvoll.

      minuum.com

    • Screenshot Tastatur, die in zwei Hälften gegliedert ist.

      Bildlegende: Adaptxt: Der Veteran unter den Keyboards; 2006 war die App erstmals für Windows Mobile Phones erhältlich. Sehr flexibel; mit S... adaptxt.com

      Adaptxt

      Eine weitere Wisch-Tastatur mit sehr vielen Optionen. So kann etwa die Tastatur in zwei Hälften aufgeteilt werden, um einfacher mit zwei Daumen zu schreiben. Die App unterstützt 90 Sprachen – das ist ein Rekord!

      www.adaptxt.com

    • type nine

      Bildlegende: type nine screenshot

      Type Nine

      Retro pur: Tippen wie auf dem Nokia Knochen von damals mit der T9-Tastatur! Für Nostalgiker, die jahrelang auf den Zahlentasten 1-9 trainiert haben...

      typenineapp.com

Wenn die Tastatur nach Hause telefoniert

Wie die Standard-Tastaturen haben auch die meisten Soft-Keypads eine Autokorrektur-Funktion und versuchen, schon während dem Tippen zu erraten, welche Worte wir schreiben wollen (Predicitive Typing). Damit sie dazu in der Lage sind, schneiden die Tastauren teilweise mit, was wir tippen und senden diese Daten nach Hause – an die Server ihrer Entwickler. So sind intelligente Voraussagen möglich, die sich auf das Schreibverhalten aller Benutzer einer solchen Tastatur stützen. Es ist aber auch ein gravierender Einschnitt in die Privatsphäre.

Wer Mühe damit hat, sollte vor der Installation die Datenschutzrichtlinen des Herstellers lesen. Die meisten Firmen verschlüsseln die Texte und verwenden nur anonymisierte Daten. Und ganz wichtig: Das Soft-Keypad darf keine Texteingaben in Passwortfelder mitschneiden. Seriöse Hersteller verzichten darauf.

Rahel Giger im SRF 3 Studio; sie beisst in eine Computer-Tastatur.

Bildlegende: Weg mit der veralteten Tastatur: SRF 3 Moderatorin Rahel Giger probiert drei alternative Eingabemethoden fürs Smartphone aus. SRF / Peter Buchmann

Möchte man verhindern, dass die Tastatur die eingetippten Texte weiterschickt, so kann man dies auf dem iPhone oder iPad verbieten. Bei den aktuellen Android-Geräten geht das noch nicht. Was bleibt, ist der Verzicht auf die Tastatur-App. In der nächsten Android Version 6.0 Marshmallow kann man dann die Rechte gezielt vergeben.

Reden ist Gold

Zum Schluss noch ein Tipp: Am schnellsten geht es ganz ohne Tastur – diktieren statt schreiben. Das hat ein kurzer Test der Redaktion ergeben. Sowohl auf den Apple- als auch den Android-Geräten ist die Spracherkennung heute so gut, dass diese Form der Eingabe dem Tippen überlegen ist – egal wie originell, ausgefeilt oder intelligent die Tastatur auch sein mag.