Amazon: Ich bin auch ein Server

Amazon hat gestern die Quartalszahlen präsentiert und dabei zum ersten Mal Angaben zum Geschäft mit Cloud-Diensten gemacht: «Amazon Web Services» wächst rasant und ist profitabel.

Iin einer Fabrik in Houston sitzt ein Mann vor zahlreichen Servern.

Bildlegende: Server für die Cloud: Ein Angestellter der Firma HP testet eine Maschine. Reuters

Bis jetzt gab es bloss Schätzungen zum Umsatz, nun ist klar: Die Sparte «Amazon Web Services» (AWS) generierte 2014 einen Umsatz von 4,6 Milliarden Dollar. Für dieses Jahr sind Einnahmen in der Höhe von 6,23 Milliarden Dollar geplant. Im Vergleich zum Online-Handel (7 Prozent) ist das Geschäft mit der Cloud zwar noch sehr klein. Es wächst aber doppelt so schnell – und das auch noch mit satten Gewinnen: 17 Prozent beträgt die Marge, während der Konzern im letzten Jahr über alles gesehen defizitär war.

Flexibel dank Cloud

AWS bietet virtuelle Maschinen in verschiedenen Grössen an. Abgerechnet wird nach dem Verursacher-Prinzip: Die kleinste Maschine kostet etwa ein Rappen pro Stunde oder rund 9 Franken im Monat. Dazu kommen noch die Kosten für Speicherplatz und Netzanbindung. Reicht die Rechenleistung oder der Speicher nicht mehr aus, so kann man kurzfristig neue Ressourcen zusätzlich mieten.

Vor allem für Startup-Unternehmen hat diese Flexibilität grosse Vorteile, wie das Beispiel des AWS-Kunden Pinterest zeigt: Innerhalb von neun Monaten wuchs die Mitgliederzahl des sozialen Netzwerkes von 50'000 auf 17 Millionen Nutzer.

Für die damals zwölf Angestellten wäre es unmöglich gewesen, die Infrastruktur für dieses enorme Wachstum einzurichten. Und auch die Investoren wären wohl kaum bereit gewesen, in die Hardware zu investieren – das Risiko ist schlicht zu gross: Wohin mit den Servern, wenn sich alles als Strohfeuer entpuppt und die Nutzer wieder davonlaufen?

Vom Buchregal in die Wolke

Nicht nur Startup-Unternehmen haben die Vorteile der Cloud-Dienste erkannt. Auch etablierte Unternehmen wie Netflix, Dropbox oder Novartis gehören mittlerweile zum AWS-Kundenkreis. In Zukunft werden noch mehr Firmen auf Cloud-Dienste umsteigen: Forrester Research geht davon aus, dass in den nächsten fünf Jahren 15 Prozent aller IT-Ausgaben in Cloud-Dienste fliessen werden.

Neben Amazon haben sich deshalb auch andere IT-Konzerne in Position gebracht: Microsoft, IBM und Google bieten ebenfalls Cloud-Dienste an. Wie gross der Marktanteil dieser Firmen heute ist, lässt sich nur schwer sagen, denn die Angebote lassen sich nicht ohne weiteres vergleichen und die Firmen sind zurückhaltend mit Angaben. Die Synergy Research Group ging im Februar dieses Jahres davon aus, dass Amazon mit 30 Prozent Anteil dominiert, gefolgt von Microsoft mit 10 Prozent.

Wächst Amazon weiter wie prognostiziert, so könnte sich das Geschäft mit den Cloud-Diensten in Zukunft zum Kerngeschäft entwickeln. Heute schon ist klar: Die Infrastruktur, die sich Amazon für das eigene Geschäft im Online-Handel aufgebaut hat und die sie heute vermietet, spielt eine ganz neue Rolle im Konzern – vielleicht schon bald die Hauptrolle.