Amazons Telefon ist eigentlich kein Telefon

Das iPhone von Apple, Android von Google und das Windows Phone bekommen Gesellschaft: Mit dem Fire Phone mischt jetzt auch der Online-Händler Amazon im Geschäft mit den Smartphones mit. Aber das Amazon-Fire-Phone ist eigentlich gar kein Telefon.

Amazon CEO Jeff Bezos hält ein Smartphone in die Höhe, hinter ihm das Fire-Phone-Logo und ein grosses Bild des Fire Phones.

Bildlegende: Amazon-CEO Jeff Bezos bei der Präsentation des Fire Phones am 18, Juni in Seattle. YouTube/Amazon

Eine Hand hält ein Fire Phone mit der Firefly-Funktion in die Höhe.

Bildlegende: Fleissiges Glühwürmchen: Die Funktion Firefly erkennt Produkte, Musik oder Games und zeigt nach Möglichkeit, wo man sie bei Amazon kaufen kann. Amazon

Was Design und Hardware angeht, unterscheidet sich das Fire Phone kaum von der Konkurrenz. Prozessor, Kamera und Bildschirm sind solide, ohne neue Standards zu setzen. Auch was den Preis angeht orientiert sich Amazon an der Konkurrenz: Das Fire Phone kommt in den USA Ende Juli für 199 Dollar auf den Markt (mit einem Vertrag beim Mobilfunk-Anbieter AT&T).

Firefly erkennt Waren und Melodien

Aber das Fire Phone ist weniger Telefon denn Produkte-Scanner: Mit der Funktion namens «Firefly» kann der Benutzer Waren fotografieren und vom Gerät automatisch erkennen lassen. Das Fire Phone zeigt dann nicht nur Informationen zum Fotografierten, sondern gleich noch einen Link zur Amazon-Seite, falls das Produkt dort verkauft wird.

Das funktioniert nicht nur mit Waren in Schaufenstern und Regalen, sondern auch mit Musik, Filmen und Videospielen: Die Kamera oder das Mikrofon erkennen, was gerade gespielt wird – und zeigen, wenn möglich, den Kauf-Link bei Amazon an.

Im Laden scannen, bei Amazon kaufen

Apps, die das Smartphone zum Produkte-Scanner machen, sind nichts Neues. Beim Fire Phone ist der Prozess aber von Anfang bis zum Schluss perfekt verzahnt: Amazon liefert nicht nur das Telefon und den Dienst, mit dem gescannt wird, sondern ist gleich auch der Verkäufer der Produkte.

Entsprechend einfach ist das umgesetzt: Ein Knopf an der Seite des Telefons aktiviert den Scanner, der sekundenschnell Resultate liefert. Weil dazu nicht extra eine App installiert werden muss, sinken auch für Technik-Laien die Schranken, bei Amazon einzukaufen. Nur den Detailhandel wird es kaum freuen, wenn der Kunde in Zukunft lieber das Telefon zückt als das Portemonnaie und Produkte im Laden bloss noch scannt, um sie anschliessend bei Amazon online zu kaufen.

Alle Fotos gratis gespeichert

Allerdings glauben nicht alle an den Erfolg des Fire Phones. Zum Beispiel, weil Amazons Appstore mit rund 240'000 Apps weit weniger gut bestückt ist als die App-Plattformen von Apple oder Google. Bleibt die Frage, ob das Zielpublikum des Fire Phones nicht einfach schon damit zufrieden ist, dass es im Amazon Appstore Blockbuster-Apps wie Candy Crush Saga oder Plants vs. Zombies zu kaufen gibt.

Ob und wann das Fire Phone auch in der Schweiz wird erhältlich sein, ist im Moment noch nicht bekannt.