Zum Inhalt springen
Inhalt

Digital Aus für Popcorn Time! Aus für Internetpiraten?

Popcorn Time war die Gratis-Alternative zu Netflix und Co. Einfach zu bedienen, mit den neusten Filmen und Serien im Angebot – aber juristisch im Grauen angesiedelt. Tritt nach dem Aus nun ein neuer Dienst an seine Stelle? Oder bedeuten legale Streaming-Angebote das Ende der Internetpiraterie?

Das Maskottchen des Streaming-Dienstes Popcorn Time vor einer Datentapete und dem Bittorrent-Client Transmission.
Legende: Dem Popcorn-Time-Maskottchen ist das Lachen vergangen: Der wichtigste Ableger des Streaming-Dienstes ist Geschichte. Fotomontage SRF

Fertig, aus: Die Macher der Video-Plattform Popcorn Time haben ihr Projekt Ende Oktober endgültig eingestellt, Link öffnet in einem neuen Fenster. Zwar gibt es noch Software-Abspaltungen des Dienstes, doch die sind weit weniger populär als die nun beerdigte Version.

Dazu kommt, dass die bekannte Filmpiraterie-Gruppe YIFY dieser Tage ebenfalls die Segel gestrichen hat – anscheinend auf Druck, Link öffnet in einem neuen Fenster der Motion Picture Association of America. Die Filme und Serien, die YIFY seit Jahren illegal im Internet veröffentlichte, hatte auch Popcorn Time genutzt, um an die neusten Titel zu kommen.

Die Oberfläche des Streaming-Dienstes Popcorn Time mit Titelbildern der angebotenen Filme.
Legende: Popcorn-Time-Oberfläche: Der Dienst machte legalen Angeboten auch in Sachen Auswahl und Komfort Konkurrenz. Wikipedia

Nach dem Aus von Popcorn Time dürften die Hollywood-Bosse aufatmen. Auch beim Streaming-Dienst Netflix wird man sich freuen. Dort galt Popcorn Time als ernstzunehmender Konkurrent, Link öffnet in einem neuen Fenster, der sich nicht an legale Vorgaben halten musste.

Bleibt die Frage: Wird nun einfach ein neuer Dienst an die Stelle von Popcorn Time treten? Stremio, Link öffnet in einem neuen Fenster zum Beispiel, das sich bereits als Nachfolger positioniert? Oder sind die Tage der Internetpiraten gezählt, wenn dank legalen Streaming-Angeboten wie eben Netflix oder Spotify Filme und Musik schnell und einfach auf Computern und Smartphones landen?

Legale Angebote machen dem Filesharing Konkurrenz

Tatsächlich spricht einiges für diese Annahme: Laut aktuellen Zahlen, Link öffnet in einem neuen Fenster des Netzwerkausrüsters Sandvine ist der Filesharing-Dienst BitTorrent (siehe Kasten), dessen Technologie auch Popcorn Time nutzte, in Europa heute noch für 8,44 Prozent des Internetverkehrs zu Spitzenzeiten verantwortlich. Vor zwei Jahren lag diese Zahl noch bei gut 18 Prozent.

Das muss nicht heissen, dass insgesamt weniger Daten per BitTorrent hin- und hergeschoben werden, weil in dem Zeitraum der gesamte Internetverkehr stark gewachsen ist. Interessant ist aber, dass der prozentuale Anteil legaler Videodienste zugenommen hat, während es mit BitTorrent nach unten ging.

Netflix Chief Content Officer Ted Sarandos beim Gestikulieren.
Legende: Netflix Chief Content Officer Ted Sarandos: Legale Angebote wie Netflix führen zu einem Rückgang der Online-Piraterie Reuters

Weitere Beispiele: In Australien, Norwegen oder Dänemark ging nach dem Start von Streaming-Angeboten wie Netflix und Spotify die Online-Piraterie deutlich zurück. Laut Ted Sarandos, der für das Videoangebot von Netflix verantwortlich ist, ist dieser Trend in allen Ländern zu beobachten, Link öffnet in einem neuen Fenster, in denen der Videodienst neu verfügbar wird.

Und von Seiten Spotifys heisst es, der Dienst sei von Grund auf dazu angelegt, Online-Piraterie zu bekämpfen, Link öffnet in einem neuen Fenster. Die Macher zitieren Zahlen aus Ländern wie Schweden, Holland oder den USA als Beweis für den Erfolg. Auch die Gemeinsame Forschungsstelle der EU stellt in einer neuen Studie, Link öffnet in einem neuen Fenster fest, Spotify sei ein wichtiges Mittel im Kampf gegen die Musikpiraterie.

Piraten im Vorteil

Allerdings: Auch wenn legale Angebote dem Filesharing immer mehr Konkurrenz machen, sind die Piraten in keinem der untersuchten Länder ganz verschwunden. In Dänemark etwa ist zwar das Ausmass der Onlinepiraterie zurückgegangen, nicht aber die Zahl der Personen, Link öffnet in einem neuen Fenster, die illegale Download-Angebote nutzen.

Und das wird wohl nicht nur in Dänemark so bleiben. Denn legale Anbieter sind in ein System eingebunden, in dem ökonomische und juristische Hindernisse ihr Angebot einschränken können. So wird es bei Anbietern von Musikstreaming immer Lücken im Angebot geben – Taylor Swift zum Beispiel findet man seit letztem Jahr nicht mehr bei Spotify, weil sie mit dem Geschäftsmodell des Dienstes nicht zufrieden war.

Netflix wiederum muss sich mit komplizierten Lizenzabkommen herumschlagen. Absurdes Beispiel: Im deutschsprachigen Raum liegen die Erstausstrahlungsrechte für die von Netflix selbst produzierte Serie «House of Cards» beim Bezahlsender Sky. Beim Netflix-Start in der Schweiz musste die Serie deshalb im Angebot fehlen.

Solche Probleme können den Onlinepiraten egal sein. Ihr Angebot ist darum grösser und aktueller als das der legalen Konkurrenz. Viele Internetnutzer fahren aus diesem Grund zweispurig: Sie leisten sich ein Abonnement bei einem legalen Anbieter – und nutzen trotzdem weiter Dienste wie BitTorrent, um an Musik, Filme und Serien zu kommen, die sie bei Netflix und Co. nicht oder nicht in der gewünschten Bild- und Tonqualität finden.

Popcorn Time: Filme schauen im juristischen Graubereich

Das war wohl auch der Grund für die Popularität von Popcorn Time, Link öffnet in einem neuen Fenster. Von aussen erinnerte der Dienst an Netflix – und war mindestens so einfach zu gebrauchen. Im Vergleich zu Netflix – jedenfalls in seiner Schweizer Ausführung – war das Angebot bei Popcorn Time aber deutlich umfangreicher. Kaum ein aktueller Hollywood-Blockbuster fehlte im Sortiment. Einige Titel waren dort sogar zu sehen, noch bevor sie bei uns ins Kino kamen.

Wer Popcorn Time in der Schweiz brauchte, bewegte sich allerdings in einem juristischen Graubereich. Denn Popcorn Time streamte seine Videos nicht von eigenen Servern. Wie der Spezialist für Internet-Recht Martin Steiger schreibt, Link öffnet in einem neuen Fenster, war der Dienst weniger eine Video-Plattform denn eine Filesharing-App – sozusagen ein benutzerfreundlich gestalteter BitTorrent-Client.

Was ist BitTorrent?

Im Unterschied zum herkömmlichen Herunterladen aus dem Internet nutzt BitTorrent die Upload-Kapazität der Downloader mit, auch wenn diese eine Datei noch nicht vollständig heruntergeladen haben. Die Dateien werden so nicht nur von einem Server verteilt, sondern auch direkt von Nutzer zu Nutzer (Peer-to-Peer) weitergegeben.

Was in der Schweiz erlaubt ist

Was in der Schweiz erlaubt ist

Im Gegensatz zu anderen Ländern ist das Herunterladen von urheberrechtlich geschützten Werken in der Schweiz legal – ausser es handelt sich um Software. Dafür ist beim Kauf von Speichergeräten eine Abgabe fällig, die Urheberrechtsgesellschaften wie der Suisa zugute kommt. Das Hochladen urheberrechtlich geschützter Werke ist in der Schweiz verboten.

6 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

verfügbar sind noch 500 Zeichen

Mit dem Absenden dieses Kommentars stimme ich der Netiquette von srf.ch zu.

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.