Back to the Future: Die Zukunft ist jetzt

Im Film «Zurück in die Zukunft 2» wird Marty McFly mit einer Zeitmaschine von 1985 ins Jahr 2015 katapultiert und kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Wie haben sich die Filmemacher Robert Zemeckis und Bob Gale die Zukunft vorgestellt? Welche Utopien sind eingetroffen? Wir machen den Test.

Ein fliegendes Auto landet auf der Strasse.

Bildlegende: «Back to the Future 2»: Statt gefahren wird 2015 nur noch geflogen. Screenshot aus dem Film

Als der junge Marty McFly, gespielt von Michael J. Fox, nach einer Zeitreise am 21. Oktober 2015 landet, meint er erstaunt: «Die Zukunft, das ist wirklich unglaublich!» Er kann sich kaum satt sehen an der neuen Technik und den Menschen, die unverständliche Dinge tun mit ihren Geräten – in einer Welt, die sich Regisseur Robert Zemeckis und Drehbuchautor Bob Gale vor rund 30 Jahren ausdachten. «Ich glaube, wir haben etwa 50 Prozent vorausgesagt» meint Zemeckis im Dokumentarfilm «Back to the Present», den das Schweizer Fernsehen kürzlich ausgestrahlt hat.

Eine optimistische Einschätzung. Denn viele Utopien, die der Film präsentiert, haben sich nicht erfüllt; vor allem unser Verkehr ist weit weniger futuristisch. Die Revolution der letzten 30 Jahre bei den Informationstechnologien hingegen haben die Filmemacher nicht vorausgesehen.

Durchbruch beim Verkehr: überschätzt

Viele der spektakulären Erfindungen, die der Film zeigt, sind neuartige Verkehrsmittel. Einiges davon ist Realität geworden oder wird in den nächsten Jahren umgesetzt. Das meiste wird jedoch für lange Zeit Utopie bleiben.

Reality-Check Verkehrsmittel

    • Ein Auto schwebt eine Strasse hinunter begleitet von einem Lichtblitz.

      Bildlegende: Fliegende Autos: Autos bewegen sich frei in allen Dimensionen. Screenshot aus dem Film

      Fliegende Autos

      Fliegen und schweben ist im Film eine Selbstverständlichkeit, für uns immer noch eine Utopie. Letztes Jahr hat die slowakische Firma Aeromobil in Wien den Prototypen eines Autos vorgestellt, das sich in Minuten in ein Flugzeug verwandeln kann – eine eindrückliche Leistung der Entwickler, im Vergleich zu den Autos im Film wirkt das Gerät aber schwerfällig. Fliegende Autos bleiben für absehbare Zeit eine Utopie. Wir können uns glücklich schätzen, wenn wir eine umweltfreundliche Lösung für die Energieversorgung von Fahrzeugen auf Rädern finden.

      Video fliegendes Auto der Firma Aeromobil

    • Ein Junge schwebt mittels eines Skateboards ohne Räder.

      Bildlegende: Hover-Board: Die Gravitation wird aufgehoben, das Brett schwebt über dem Boden. Screenshot aus dem Film

      Hoverboard: Das schwebende Skateboard

      Im Film schwebt McFly auf einem Hoverboard durch die Strassen. Das Gerät erinnert an ein Skateboard ohne Räder. Die Firma Hendo Hover hat kürzlich ein ähnliches Produkt als Kickstarter-Projekt lanciert. Das Gerät funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie eine Magnetschwebebahn. Darum kann man mit dem Hendo Hoverboard nur auf metallischen Unterlagen surfen. Auf der Strasse funktioniert das Gerät nicht.

      Artikel zum Hendo Hoverboard

    • Nachts auf einer Strasse. Im Randstein sind blaue und rote Leuchten eingelassen.

      Bildlegende: Leuchten am Strassenrand: Signalisieren freie Parkplätze. Screenshot aus dem Film

      Selbstparkierende Autos:

      Im Film sind die Strassenränder mit roten und blauen Neonlichtern versehen, damit man schneller einen freien Parkplatz findet – eine Idee, die schon vor Langem in Parkhäusern umgesetzt wurde. Was sich die Drehbuchautoren nicht vorstellen konnten: Autos, die selbst parkieren, ohne dass jemand am Steuer sitzt. Diese Funktion ist in der BMW 7er-Generation bereits verfügbar.

      Video selbstparkierendes Auto

    • Futuristisches Auto an einer vollautomatischen Zapfsäule; gross angeschrieben mit «Texaco».

      Bildlegende: Tankroboter: Zum Tanken muss man das Auto nicht verlassen. .

      Tankroboter

      Im Film ist es ein Roboter, der die Autos auftankt – für uns nach wie vor eine exotische Vorstellung. Doch diese Technologie existiert tatsächlich: Im holländischen Emmeloord steht eine vollautomatische Zapfsäule.

      Der Tankroboter im Video

Informationstechnologie: unterschätzt

Bei der IT haben Zemeckis und Gale einiges richtig antizipiert. Der Regisseur gibt aber zu, dass er vom Internet überrascht wurde.

Auch die permanente Steigerung der Rechenleistung während Jahrzehnten haben die Macher nicht vorausgesehen. Während die Protagonisten im Film verschiedene Geräte verwenden, die jeweils nur eine Funktion erfüllen, brauchen wir bloss eines: Das Smartphone, ein Hochleistungscomputer, der erst noch mehr kann, als die Gadgets im Film.

Reality-Check Informationstechnologie

    • Ein Mann vor einem Fernseher, darauf der Text eingeblendet: «Incoming call».

      Bildlegende: Videotelefonie: Dazu braucht es einen Fernseher. Screenshot aus dem Film

      Video-Telefonie

      Im Film staunen die Protagonisten über die Video-Telefonie – für uns heute ist sie eine Selbstverständlichkeit. Seit der Einführung von Skype steht diese Form der Kommunikation allen zur Verfügung, die Zugang zum Internet haben. Dass sie praktisch gratis ist, konnten die beiden Drehbuchautoren vor 30 Jahren aber nicht wissen. In einem anderen Punkt beeindrucken sie jedoch mit Weitsicht: Ihnen war klar, dass 2015 auch wichtige Nachrichten wie eine Kündigung elektronisch übermittelt werden würden.

    • Junger Mann mit dunkler Brille nimmt eine Frucht aus einer futuristischen Früchteschale

      Bildlegende: Früchte, bitte: Über einen Sprachbefehl bestellt Marty McFly Früchte. Screenshot aus dem Film

      Befehlen per Spracheingabe

      Michael J. Fox gibt im Film einem Roboter mündlich den Befehl, Früchte zu servieren. Geräte, die Sprache verstehen, sind heute Alltag: Jedes Smartphone kann Anweisungen umsetzen oder gesprochene Sprache in Schrift umwandeln.

    • Jemand hält den Finger auf ein Gerät mit runder Scheibe, dahinter leuchtet ein Laser-Strahl.

      Bildlegende: Fingerabdrucklesegerät: Funktioniert mit Laser. Screenshot aus dem Film

      Fingerabdruck zur Identifikation

      Im Film verwenden die Protagonisten statt einer Identitätskarte ihren Fingerabdruck, etwa um eine Überweisung auszulösen oder um sich bei der Polizei zu identifizieren. Auch Türen öffnen sie so. Diese Technologie gehört schon seit längerem zu unserem Alltag; Millionen von Smartphones sind mit Fingerabdrucklesegeräten ausgestattet. Bemerkenswert: Die Drehbuchautoren haben auch den Missbrauch dieser Technologie bereits vorweggenommen. In einer Zeitung, die kurz im Bild erscheint, findet sich ein Artikel zu einer Gang, die Finger abschneidet.

Fiktion wird zur Inspirationsquelle

Der Reality-Check funktioniert auch anders rum, denn manche Produkte würde es ohne den Film so nicht geben.

Reality-Check Lifestyle Produkte

    • Tisch mit runder Unterlage, darauf der Schriftzug «Pepsi». Das Design sieht anders aus als das der richtigen Firma.

      Bildlegende: Der Film beeinflusst die Realität: «Pepsi» hat sich beim Redesign des Logos am Film orientiert. Screenshot aus dem Film

      Pepsi Perfect

      Im Film sitzt Michael J. Fox an einem neuartigen Tisch, einer Art High-Tech-Version des Tischlein-deck-dich. Dieser Tisch serviert ihm das imaginäre Getränk «Pepsi Perfect» in einer futuristisch anmutenden Flasche. Bei der Überarbeitung ihres Logos haben die Grafiker bei Pepsi sich vom «Pepsi Perfect»-Stil aus dem Film inspirieren lassen. Und ein Startup-Unternehmen bietet die Flasche zum selbst zusammenbauen an.

    • Gross zwei Beine mit Nike Turnschuhen.

      Bildlegende: Selbstbindende Turnschuhe: Die Schuhe schnüren sich selber. «Pepsi»

      Schuhe, die sich selber binden

      Marty McFly trägt im Film ein Paar Nike-Turnschuhe, die nicht nur leuchten sondern sich auch noch selber binden. Im September 2011 hat Nike eine limitierte Anzahl dieses Modells produziert und versteigert. Sie sehen zwar gleich aus wie die Requisite im Film, binden muss man sie allerdings selber. Der Erlös aus der Aktion ging an die Parkinson-Stiftung von Michael J. Fox. Nun zirkulieren Gerüchte, dass Nike am 21. Oktober eine neue Serie dieser Schuhe ankündigen wird, die sich auch tatsächlich selber binden.

      Video mit Michael J. Fox, Artikel zu den selbstbindenen Schuhen

    • Junger Mann mit Hose, bei der die Taschen nach Aussen gestülpt sind.

      Bildlegende: Neuartige Kleidung: Moden kommen und gehen. Screenshot Film

      Inside Out Pants

      McFly trägt im Film die Hose nach Aussen gedreht – sogenannte Inside Out Pants. Ein Startup-Unternehmen wollte eine solche Hose am 21. Oktober 2015 auf den Markt bringen, hat den Plan dann aber wegen der geringen Nachfrage aufgegeben.

      Inside Out Pants

Sind Zeitreisen möglich?

Collage: Zeitmaschine aus dem Film; Portrait Stephen Hawking

Collage SRF

Marty McFly brauchte nur einen Fluxkompensator und einen DeLorean, um in die Vergangenheit zu reisen. Und wieder zurück. Und dann in die Zukunft. Und wieder zurück. Ob das auch im richtigen Leben möglich ist, beschäftigt nicht nur bekiffte Teenager, sondern auch die Wissenschaft.