Besser konzentrieren – dank Lärm

Manchmal muss man Feuer mit Feuer bekämpfen. Und manchmal muss man Lärm mit Lärm bekämpfen. Zum Beispiel mit einer Lärm-Maschine, die man auf der Webseite myNoise nach eigenen Wünschen anpassen kann.

Ein Mann vor einer Lautsprecher-Anlage hält sich die Ohren zu.

Bildlegende: Nicht jede Lärm-Maschine wirkt beruhigend... Reuters

Geschnatter links, Geschnatter rechts: Sich im Grossraumbüro zu konzentrieren, fällt selten leicht. Ohrenstöpsel wären eine Lösung, denkt man, oder gleich ein Gehörschutz. Doch es geht auch anders: Lärm mit Lärm bekämpfen. Die Webseite myNoise hält zu diesem Zweck dutzende «Custom-shaped Online Noise Machines» bereit – Lärmquellen, die helfen sollen, sich zu konzentrieren. Oder einzuschlafen.

Das Rauschen vergessen

Das Prinzip dahinter ist simpel: Lärm ist genau genommen ein Rauschen, legt sich wie eine Decke über die Geräusche der Umwelt. Damit die Decke gut passt, lassen sich die Lärm-Maschinen bei myNoise vom Benutzer selbst kalibrieren: Bestimmt Frequenzen können lauter gemacht werden, andere leiser.

Screenshot der Homepage der Webseite myNoise

Bildlegende: myNoise.net: Dutzende von Lärm-Quellen lassen sich mit dem Frequenzregler (oben) an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Screenshot/Fotomontage/SRF

So wird der Lärm nicht nur ans eigene Hören und den eigenen Lautsprecher oder Kopfhörer angepasst, sondern auch an den Umgebungslärm: Wen hohe Geräusche die Konzentration stören, der schraubt entsprechend die hohen Frequenzen des Rauschens nach oben. Und umgekehrt: Wenn einem ein Brummen auf die Nerven geht, dann muss auch das Rauschen tiefer werden. Irgendwann, so die Theorie, geht nicht nur das ursprüngliche Störgeräusch vergessen, sondern auch das Rauschen, von dem es verdeckt wird.

Rauschen versus Tinnitus

Damit ein solches Rauschen selbst nicht als störend wahrgenommen wird, darf es nicht zu aggressiv klingen und nicht zu künstlich. Das heisst: Das Geräusch muss sich nach einem zufälligen Muster verändern. «Man kann das mit dem Geräusch eines Bergbächleins vergleichen», sagt Matthias Oechslin von der Universität Zürich, «im Rauschen aus der Natur bestimmt der Zufall, wie sich das Geräusch verändert.»

Als Oberassistent am Neuropsychologischen Institut beschäftigt sich Matthias Oechslin unter anderem mit Problemen der Psychoakustik, also dem Einfluss von Geräuschen auf die Psyche. Dabei beschäftigt er sich auch mit dem Tinnitus-Symptom, bei dem Betroffene etwa ein Pfeifen im Ohr hören, auch wenn gar niemand pfeift.

Auch dem Tinnitus lässt sich mit dem Rauschen einer Lärm-Maschine, das alle Frequenzen umfasst, beikommen. So wie eine blinkende Taschenlampe im Dunkeln aufhört zu stören, sobald jemand das Licht einschaltet, legt sich auch das Rauschen über den Tinnitus. Das Resultat wird als angenehmer empfunden als dessen Stör-Ton.

Nachhaltig gegen Tinnitus

Gegen Tinnitus lässt sich noch besser mit einem Musikprogramm vorgehen, das den Frequenzbereich heraus filtert, in dem der Tinnitus-Ton des Betroffenen liegt. Nach längerem Hören reorganisiert sich das Hörzentrum im Hirn und misst diesem Frequenzbereich weniger Bedeutung zu. So verliert auch der Tinnitus an Intensität.