Bezahlen ist Glaubenssache: Bargeld gegen E-Banking

Vor 20 Jahren ging in der Schweiz das Internet-Banking an den Start. Für viele war es ein Segen. Für andere haben auch zwei Jahrzehnte nicht ausgereicht, um genügend Vertrauen in die Technologie zu gewinnen.

Martina schwört auf Bargeld. Peter hingegen bezahlt online.

Bildlegende: Zahlen ist Glaubenskrieg Da gibt es unterschiedliche Ansichten. Generell heisst es, jüngere Menschen würden eher zum digitalen Geld tendieren.... SRF Digital

Ein Pinsel und mehrere Farbkleckse waren damals das Interface vom ersten E-Banking.

Bildlegende: Sieht aus wie Paint - ist aber das erste E-Banking der Schweiz. Am 14. April 1997 hat die CS das erste Internet-Banking eingeführt. Screenshot CS

Die Credit Suisse, führte als erste Schweizer Bank das Internet Banking ein. Seither können Kunden ihre Konto- und Depotübersicht, Kursinformationen oder Börsentransaktionen und auch den Zahlungsverkehr bequem über das Internet ausführen.

E-Banking löste das ein paar Jahre vorher eingeführte Telebanking via Videotext ab. Innert Monaten sprangen die anderen Banken und Postfinance auf den Trend auf und machten so E-Banking zum grossen Erfolg: Bei Postfinance und Credit Suisse nutzen heute rund zwei Drittel der Kundinnen und Kunden den Dienst.

Parallel zum E-Banking entstanden weitere digitale Zahlungsdienste wie zum Beispiel Paypal. Nicht alle haben uneingeschränktes Vertrauen in die verschiedenen Anbieter. Und so ist Zahlungsverkehr heute eine Glaubensangelegenheit geworden mit unterschiedlichen Religionen:

Martina: Die Bargeld-Evangelistin

Ich bin keine Digitalisierungs-Gegnerin, aber beim Bezahlen hört der Spass für mich auf. Tagtäglich arbeiten wir hart für unser Geld, nur um es anschliessend bequem per Klick online weiterzugeben. Klar, die Vorteile sprechen für sich: Kein Bankschalter der Welt hat 24 Stunden geöffnet oder kommt zu mir nach Hause.

Martina beisst auf einen Fünfliiber.

Bildlegende: Martina, die Bargeld-Evangelistin Nur knapp älter als das E-Banking, trotzdem hat sie es noch nie benutzt. SRF Digital

Gerade junge Menschen wie ich schätzen diese Flexibilität. Doch Bequemlichkeit sollte nicht immer die höchste Maxime sein. Ich möchte in meinen eigenen vier Wänden keine Tausende von Franken ausgeben mit Mausklicks im E-Banking.

Geld soll in meiner Welt physisch bleiben. Ich will es in der Hand halten und im wahrsten Sinne des Wortes aus-geben müssen. Wenn das Portemonnaie leer ist, weil ich alles aufgebraucht habe, muss ich zum Bancomat laufen und mir neues Kapital verschaffen – ein Ritual, das mehr als nur Religion für mich ist, denn es hilft mir, haushälterisch mit meinem Geld umzugehen.

Zudem bin ich überzeugt, dass Geld bei mir zu Hause besser aufgehoben ist, als etwa bei einer Bank. Gemäss Bankenbarometer des EY erwägen 35 Prozent der Schweizer Banken die Einführung von Negativzinsen auch für Privatkunden im Jahr 2017.

Aber Martina, Bargeld fördert doch Schwarzgeld!?

Natürlich, Bargeld mit seiner Anonymität kommt der Steuerhinterziehung entgegen, dem Drogenhandel und auch Terroristen. Mit dieser Begründung haben mittlerweile 12 EU-Länder Bargeldbegrenzungen beim Zahlen eingeführt.

Auch die Schweiz. Bei uns liegt die Obergrenze bei 100'000 Franken, in Portugal oder Frankreich bei gerade einmal 1'000 Franken. Wir sind also (noch) Bargeld-freundlich.

Und das ist gut so. Weil es sich weder nachweisen lässt, dass die Schwarzgeldgeschäfte seit der Einführung von Limiten zurückgegangen wären, nach dass ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen Schwarzgeld und Bargeld besteht.

Peter: Der Internet-Enthusiast

Ich benutze E-Banking begeistert, seit ich die Möglichkeit dazu habe. Es gibt so viele Vorteile: Ich kann Zahlungen bequem zu Hause ausführen, zu jeder Tages- und Nachtzeit. Ich kann jederzeit den Kontostand überprüfen und sämtliche Ausgaben nachvollziehen.

Peter, für ihn ist digitales Geld kein Problem.

Bildlegende: Peter, der Internet-Enthusiast Peter war gleich von Anfang an vom E-Banking begeistert. Umzustellen war für ihn kein Problem. SRF Digital

Und seit ein paar Jahren gehört zu meinem E-Banking auch ein Dienst, der automatisch alle Ausgaben in Kategorien gruppiert wie Wohnen, Essen oder Versicherungen. So sehe ich auf einen Blick, wie ich mein Geld ausgebe. Das hilft mir beim haushälterischen Umgang.

Für Online Shopping verwende ich seit kurzem zusätzlich die Bezahl-App Twint anstelle der Kreditkarte. Das hat den Vorteil, dass keine zusätzlichen Gebühren anfallen. Die App ist sicher und praktisch, weil ich zum Bezahlen nicht nach meiner Kreditkarte suchen muss, sondern das Smartphone benutzen kann, das ich ständig in meiner Nähe habe. Die App zeigt: E-Banking entwickelt sich ständig weiter.

Dabei werden die Banken in Zukunft auch auf die «Blockchain» setzen, die Technologie hinter digitalen Währungen wie dem Bitcoin. Überweisungen können über die Blockchain viel schneller abgewickelt werden, in Minuten statt Tagen, auch über die Landesgrenzen hinweg. Zudem werden die Kosten für eine Transaktion sinken.

Aber Peter, E-Banking ist doch unsicher!?

Für mich birgt E-Banking keine grösseren Risiken als Bargeld. Dazu müssen wir Kunden einige Punkte beachten. Hier sind die wichtigsten:

  • Im Browser die Adresse des Anbieters immer von Hand eintippen und dann überprüfen, ob neben der Adresse das Symbol eines grünes Schlösschen erscheint. Das zeigt an, dass die Verbindung sicher ist.
  • Am Schluss der Sitzung korrekt abmelden.
  • Betriebssystem und Programme (vor allem der Browser) müssen auf dem neusten Stand sein.
  • Ein Viren-Scanner sollte installiert sein.
  • Nie einen Anhang aus einer verdächtigen E-Mail öffnen.
  • Nie auf einen Link einer E-Mail klicken, deren Absender sich als meine Bank ausgibt.
  • Nie einen öffentlichen Computer für E-Banking benutzen, etwa an einem Flughafen oder in einer Hotellobby.