Darauf freut sich die Digitalredaktion 2015

Schlaue Uhren, bessere Kameras und virtuelle Welten: Wir wagen den Blick in die Zukunft und sagen, was uns aus technologischer Sicht im neuen Jahr erwarten wird und auf was wir uns dabei besonders freuen.

Kaum sind die Weihnachtsgeschenke ausgepackt und an die Steckdose angeschlossen, fragt sich der Technologie-Liebhaber schon: Und was kommt als nächstes? Was bringt das neue Jahr, was wird besser, was wird neu und was wird ganz besonders toll? Hier die fünf Technologie-Trends, die für die SRF-Digitalredaktion im Jahr 2015 besonderes Augenmerk verdient haben:

1. Smartwatches am Handgelenk

Lange waren sie mehr Marketingzauber denn Realität. Doch im nächsten Jahr werden Smartwatches wohl den Weg ans Handgelenk der Konsumenten finden. Im Frühling will Apple seine Apple Watch in die Läden bringen.

Eine Männerhand hält eine Gear S Smartwatch von Samsung.

Bildlegende: Vom Rummel um die Smartwatch von Apple kann auch die Konkurrenz profitieren. Bild: Eine Gear S Smartwatch von Samsung. Reuters

Man muss kein Hellseher sein um zu ahnen, dass die Markteinführung von viel Presserummel und Schlange stehenden Apple-Fans begleitet sein wird – schliesslich ist die Apple Watch die erste richtig neue Apple-News seit dem iPad und dem Tod von Steve Jobs.

Allein der Strahlkraft der Marke wegen wird es Apple wohl schaffen, seine Smartwatch bei einer bestimmten Konsumentengruppe populär zu machen. Davon können auch die anderen Hersteller profitieren, deren kluge Uhren bislang eher mässig begeistert aufgenommen wurden. Samsung hat bereits 2014 fünf verschiedene Smartwatches auf den Markt gebracht. Sony, LG und Motorola arbeiten ebenfalls an neuen Modellen.

2. Jetzt wird auch noch die Kleidung klüger

Uhren sind nicht der der einzige Weg, mit dem uns Technologie im kommenden Jahr näher auf den Leib rückt. Weitere sogenannte «Wearables», mit Elektronik bestückte Accessoires und Kleider, stehen bei vielen Herstellern auf dem Programm.

Ein Tennisspieler trägt ein schwarzes Ralph Lauren Fitness-Shirt.

Bildlegende: Das smarte Nylon-Shirt von Ralph Lauren misst dank eingenähten Sensoren unter anderem die Herzfrequenz seiner Träger. AP/Ralph Lauren

Dabei geht es nicht mehr nur um Fitness-Tracker im Armband, die etwa unsere Schritte zählen. Marken wie Adidas oder Ralph Lauren etwa arbeiten an Kleidung mit eingebauter Messung von Herzschlag und Atmung. Solche «Smart-Shirts» werden 2015 zwar noch keine Massenware; sie zeigen aber, wohin die Reise geht.

Und weil die vielen gesammelten Daten wenig nützen, solange sie nicht ausgewertet werden, bauen Firmen wie Microsoft, Google und Apple bereits eigene datenbasierte Gesundheits-Plattformen auf, die sich auch mit den Geräten von Drittanbietern verknüpfen lassen.

3. Kameras ohne Spiegel, aber mit grossen Sensoren

In Sachen digitale Fotografie ist die technische Entwicklung noch lange nicht am Ende. Zwar sind die Verkäufe von digitalen Kompaktkameras in den letzten Jahren eingebrochen – wohl auch, weil bessere Handy-Kameras diese Modelle zunehmend überflüssig machen.

Ein Patentschema für eine spiegellose Systemkamera mit Vollformatsensor.

Bildlegende: Das japanische Blog Egami hat die Patenteingabe für Nikons spiegellose Systemkamera mit Vollformatsensor entdeckt. Egami

Doch bei anderen Kameratypen tut sich einiges: Sowohl Canon wie auch Nikon, hiess es in den letzten Wochen, würden an spiegellosen System-Digitalkameras mit einem Vollformatsensor arbeiten.

Mit der Sony A7 gibt es schon eine solche Vollformat-Systemkamera, doch vom Modell von Canon etwa wird mit 50 Megapixeln eine fast doppelt so grosse Auflösung erwartet, wie sie die Sony A7 bietet. Obschon es sich bei den Modellen von Canon und Nikon bisher bloss um Gerüchte handelt, werden viele Profi- und Hobby-Fotografen ob der Aussicht auf so leistungsstarke, handliche Systemkameras aber trotzdem schon einmal ihren Kontostand prüfen…

4. Virtual Reality

Vor zwei Jahren hat der Erfinder Palmer Luckey mit seiner Virtual-Reality-Brille Oculus Rift gezeigt, dass virtuelle Realität kein unerfüllter Traum aus den 90ern bleiben muss. Und noch bevor Oculus überhaupt mehr als eine Entwickler-Version der Brille auf den Markt bringen konnte, übernahm Facebook die Firma im März 2014 für über 2 Milliarden Dollar.

Eine Frau trägt beim Gamen eine Entwickler-Version der Oculus Rift Virtual-Reality-Brille.

Bildlegende: Die endgültige Version der Oculus Rift soll im Vergleich zum Entwickler-Modell (im Bild) eine bessere Grafik haben. Reuters

Oculus stehen damit also mehr als genug Mittel zur Verfügung, die endgültige Konsumentenversion seiner Brille zu entwickeln, die irgendwann 2015 in die Läden kommen soll. Und darauf können sich nicht nur Game-Freunde freuen, denen Spiele in 360-Grad-Rundumsicht versprochen werden. Facebook als Mutterfirma wird wohl auch darum bemüht sein, Oculus Rift zum Kommunikations-Gerät zu machen und die virtuelle Realität damit langfristig zu einem festen Bestandteil unseres Alltags.

Und Oculus ist nicht alleine: Sony dockt mit seinem Project Morpheus ebenfalls an den Trend an und Samsung arbeitet bei der Entwicklung seines Gear-VR-Systems sogar mit Oculus zusammen.

5. Das vernetze Zuhause

Sogenannte «Connected Homes», also Häuser und Wohnungen mit intelligenten Heizungen, ferngesteuerten Beleuchtungen oder digitalen Türschlössern sind kein neues Thema. Doch 2015 könnte das intelligente Wohnen in immer mehr Haushalten Realität werden. Auch hier spielen die grosse Technologie-Firmen wie Apple oder Google eine entscheidende Rolle bei der Popularisierung dieser Idee: Apple hat an seiner letzten Entwicklerkonferenz die Programmierschnittstelle HomeKit vorgestellt. Mit ihr erhalten Entwickler die Möglichkeit, Apps für Geräte wie Türschlösser, Lichtschalter, Thermostate oder Kameras zu schreiben, die alle zentral verwaltet werden können.

Und Google hat mit dem Kauf der Thermostat- und Rauchmelder-Firma Nest gezeigt, dass sie das Geschäft mit dem vernetzen Zuhause nicht der Konkurrenz überlassen wollen. Später kaufte Google auch noch die Firma Revolv, dank deren Know-How eine Art zentrale Steuerung für die Heimautomation entstehen soll. Für den Konsumenten kann der Einstieg der beiden Grossen bedeuten, dass sich im bislang noch äusserst fragmentierten Markt der «Connected Homes» nun endlich allgemeingültige Standards durchsetzen werden.