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Digital Das Gerät für Afrika

Das Mobiltelefon verbreitet sich in Afrika rasant. Wie bei uns ist es aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Und beim Bezahlen mit dem Handy ist Afrika gar weiter als Europa.

Eine M-Pesa-Verkaufsstelle namens «Flawless Consulting» in der grünen Safaricom-Bemalung.
Legende: Spitzenberatung in diesem M-Pesa-Shop in Kenia. Guido Berger/SRF

Afrika überspringt gewissermassen den Computer und steigt in das Informationszeitalter direkt mit dem Mobiltelefon ein. Denn das Handy ist eine perfekte Technologie für Afrika. Gerade in den ländlicheren Gebieten gibt es nach wie vor kaum Infrastruktur, weder Telefonleitungen noch eine zuverlässige Stromversorgung.

Handy-Infrastruktur ist dagegen vergleichsweise einfach aufzubauen: Eine gut platzierte Antenne erschliesst sofort ein ganzes Gebiet. Und weil Handys Akkus haben, reicht es, sie ab und zu aufzuladen – wenn gerade der Generator im Dorf läuft.

Geräte sind wie bei uns subventioniert, also günstig zu kaufen. Abos sind keine zwingende Voraussetzung, da meist mit Prepaid-Guthaben telefoniert wird. Damit wird die Dienstleistung auch zugänglich für Menschen, die kein regelmässiges Einkommen haben.

Schnelle Verbreitung

Entsprechend schnell verbreitet sich das Handy. In Botswana beispielsweise gibt es wie bei uns mehr Handys als Einwohner. In Kenia oder Mali besitzen bereits knapp 80 Prozent der Bevölkerung eines. In Ghana haben in den letzten zwei Jahren Smartphones so stark zugelegt, dass bereits jede/r Vierte eines besitzt. Und auch in den ärmsten Ländern wie Madagaskar ist man nicht mehr weit davon entfernt, dass zumindest in jedem Haushalt ein Mobiltelefon vorhanden ist.

Zugang zu Information

Die Möglichkeit zu haben, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, ist nicht zu unterschätzen. Denn gerade in den ländlichen, ärmeren Gebieten wird Information eigentlich ausschliesslich erlaufen: Wer etwas wissen will, muss zu Fuss jemandem besuchen, der es weiss. Ein Transportmittel können sich nur wenige leisten, ein zuverlässiges Postsystem gibt es nicht. In diesem Kontext wirkt das Handy befreiend. So können z.B. Fischer oder Bauern Preise für ihre Ware aushandeln, bevor sie den Fussmarsch auf den Markt unternehmen.

Millionen zahlen mit dem Handy

Neben dieser grundlegenden Veränderung gibt es in Afrika aber auch jetzt schon Handy-Nutzungen, die in Europa noch wie Zukunftsmusik klingen. Ein Beispiel dafür ist das bargeldlose Bezahlen mit dem Handy. In Kenia gibt es seit 2007 das «M-Pesa»-System («Pesa» heisst «Geld» auf Swahili). Das ist ein minimales Bankkonto, gekoppelt an das Handy. Betrieben wird es von Safaricom, einem grossen afrikanischen Mobiltelefon-Anbieter. Man kann Geld einzahlen, wieder abheben; oder Rechnungen bezahlen. Oder Geld an andere Personen überweisen, sogar wenn diese selber kein «M-Pesa»-Konto haben. In den meisten Dörfern gibt es Kioske, wo ein- und ausbezahlt werden kann.

Das ist nicht nur bequem, sondern es ermöglicht Menschen den Zugang zu bargeldlosem Zahlungsverkehr und damit zu Dienstleistungen, die in bar nicht funktionieren. So wurde M-Pesa ursprünglich entwickelt, um Mikrokredite praktikabel zu machen. Denn wenn winzige Beträge ausgeliehen und in noch winzigeren Raten zurückbezahlt werden, wäre der Aufwand viel zu teuer, das in bar zu tun. Erst mit dem bargeldlosen Verkehr und der Infrastruktur der im ganzen Land verteilten Kioske werden solche Mikrokredite überhaupt ermöglicht.

Ähnliches gilt für Versicherungen, zum Beispiel gegen Ernteausfall: Wenn ein Bauer erst in eine grössere Stadt fahren müsste, um die Versicherung ausbezahlt zu bekommen, würde sich das für ihn nicht mehr lohnen. Mit der Auszahlung auf sein M-Pesa-Konto lässt sich auch diese Hürde überspringen.

Das Beispiel macht Schule: Nicht nur Safaricom, sondern auch Konkurrenten wie Orange oder Airtel bieten ähnliche Systeme in vielen Ländern an. In Kenia nutzen bereits 17 Millionen Menschen M-Pesa – fast 40 Prozent der Bevölkerung.

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