Deine Facebook-Freunde wissen, wann du schläfst

Facebook weiss natürlich, wann wir online sind. Auch deine Freunde sehen, ob du gerade on- oder offline bist. Doch ein Skript geht weiter: Es kann dich über eine längere Zeit automatisiert beobachten. Daraus sind Schlafgewohnheiten ableitbar.

Ein junger Mann schläft mit einem Tablet auf dem Bauch. Er träumt von Statistiken.

Bildlegende: Er macht ein Nickerchen. Seine Facebook-Freunde wussten das schon. Imago/Montage SRF

Ein Entwickler hat herausgefunden, dass man bei Facebook erstaunliche Daten auslesen kann. Er hat ein Skript geschrieben, das alle zehn Minuten prüft, wer deiner Freunde auf Facebook gerade aktiv ist (sei es auf dem Desktop oder in den Apps) und diese Daten sammelt.

Läuft das Skript einige Wochen lang und ist eine Person auf Facebook aktiv genug, kann man bis auf einige Minuten genau ablesen, wann diese Person wach war und wann sie schlief.

Es werden Gewohnheiten erkennbar – dann geht er oder sie jeweils ins Bett. Aber besonders die Ausreisser sind interessant: An jenem Abend warst du aber aussergewöhnlich lange im Ausgang.

Moment, wer genau sieht was?

Ein Facebook-Nutzer kann Daten über seine Freunde sammeln und daraus schliessen, wann sie schlafen. Und zwar nicht nur den Einzelfall (ich sehe ja ohnehin in fast jeder Chat-App, wer jetzt gerade online ist). Sondern eben auch zusammengefasst, also die Gewohnheiten.

Können das alle meine Facebook-Freunde?

Im Prinzip ja. Ich konnte das nötige Skript in zehn Minuten installieren (Anleitungen sind hier und hier). Man muss lesen können, Befehle in einem sogannten Terminal eintippen und die Entwickler-Plattform «Github» bedienen. Also wohl nicht alle deine Freunde. Aber eine oder einer bestimmt.

Also auch mein Chef?

Ja, auch deine Chefin, sofern sie mit dir auf Facebook befreundet ist.

Ui, Stalker-Alarm!?

Eher nicht. Nur Facebook-Freunde können die Daten über dich sammeln. Ich gehe davon aus, dass du mit deinem Stalker nicht auf Facebook befreundet bist.

Ist das nicht verboten?

Dein Chef darf das Skript nicht laufen lassen. Heimlich Mitarbeiter zu überwachen, ist verboten.

Auch du oder deine Freunde dürfen das Skript wohl nicht laufen lassen. Es handelt sich bei Schlaf-Daten möglicherweise um «besonders schützenswerte Personendaten», die gemäss Schweizer Datenschutzgesetz nicht ohne Wissen und Einwilligung der betroffenen Personen gesammelt werden dürfen.

Was sieht denn Facebook?

Facebook weiss natürlich, wann du auf Facebook bist. Dass Facebook das Verhalten ihrer Nutzer ausführlich analysiert und folglich recht genau weiss, wann du schläfst, dürfte dich nicht überraschen.

Wie nutzt Facebook diese Information?

Das weiss ich nicht genau, weil Facebook das nicht offenlegt. Ich vermute, dass sie damit entscheiden, was sie dir im News Feed anzeigen sollen. Wenn du länger offline warst, wird wohl eher zusammengefasst, was während deiner Abwesenheit lief.

Kann Facebook diese Daten auch verkaufen?

Man könnte sich beispielsweise ausmalen, dass Krankenkassen daran interessiert wären, zu wissen, wer wie schläft – schliesslich gibt es einen Zusammenhang zwischen Gesundheitszustand und Schlafgewohnheiten. Doch Facebook muss sich bewusst sein, dass sie mit einem solchen Handel Proteststürme auslösen würden. Ich halte das deshalb nicht für wahrscheinlich.

Ausserdem handelt es sich um Personendaten, die nicht zu diesem Zweck erhoben wurden – ein Verkauf solch zweckentfremdeter Daten ist in der Schweiz verboten.

Kann ich mich selber schützen?

Nein. Solange du Facebook nutzt und Freunde hast, funktioniert das Skript. Dass diese Daten überhaupt automatisiert auslesbar sind, sollte meines Erachtens nicht so sein. Vielleicht bessert Facebook nach und verhindert das Auslesen. Das liegt aber nicht in deiner Hand.

Aber Guido! Regt dich das nicht auf?

Nicht sehr. Dass Facebook und alle anderen grossen Online-Dienstleister (Google, Apple, Whatsapp, Snapchat, Twitter etc.) wissen, wann ich schlafe, ist mir bewusst.

Neu hier ist, dass auch meine Facebook-Freunde ein Werkzeug erhalten, diese Daten zu sammeln. Da ich nur mit Menschen befreundet bin, die mir nichts Böses wollen und weil mich das Datenschutzgesetz gegen Missbrauch schützt, halte ich das Skript für ungefährlich.

Ich sehe das anders!

Aber klar! Dann schreib einen Kommentar.

Autor: Guido Berger

Autor: Guido Berger

Guido Berger leitet die SRF Digital-Redaktion. Auf Twitter ist er hier: @guidoberger