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Digital Der Klang von Holz, Papier und Acryl

Schallplatten kauft man zwar auch heute noch – viel mehr Spass macht es aber, eigene Schallplatten herzustellen. Um Musik auf Holz, Papier oder Acryl zu bringen, hilft ein Laserschneider. Wir wagen das Experiment und lasern bekannte SRF3-Jingles auf Holz.

Lasercut-Holzschallplatte

Wer vor zwanzig Jahren etwas kopieren wollte, ging in den nahen Copyshop. Einen eigenen Kopierer daheim stehen zu haben, war viel zu teuer. Heutzutage übernehmen so genannte Fablabs , Link öffnet in einem neuen Fenstereine ähnliche Funktion – sie sind sozusagen die Copyshops des digitalen Zeitalters: kleine Werkstätten, die eine Reihe industrieller Maschinen bereit stellen, mit denen Bastlerinnen und Bastler Einzelfabrikate herstellen können. Zur gängigen Austattung eines Fablabs gehören ein 3D-Drucker, eine CNC-Fräse oder eben ein Lasercutter.

Der perfekte Ort also, um unsere eigenen Schallplatten herzustellen. In Zürich gibt es dazu ein eigenes Fablab, Link öffnet in einem neuen Fenster, wo uns die Leute gerne beim Lasern der Schallplatte behilflich waren. Denn die Maschinen stehen zwar für Interessierte zur Verfügung, doch ohne Anleitung und Einführung können sie nicht bedient werden.

Wenig berauschend, aber immerhin berauscht

Die Schallplatte zu lasern, ist das eine. Sie abzuspielen ist eine andere Angelegenheit. In den Tiefen des Radiostudios fanden wir zwar einen Plattenspieler, der einsam in einer Ecke stand. Wir legten die Platte ein – und hörten vor allem Rauschen. Aber macht den Hörtest selbst, ob ihr die SRF3-Jingles erkennen könnt:

Die Idee zum Projekt stammt von Amanda Ghassaei, Link öffnet in einem neuen Fenster, die derzeit am MIT-Media-Lab in den USA studiert. Ihre Anleitung publizierte sie auf Instructables.com, Link öffnet in einem neuen Fenster. Ursprünglich entwickelte sie eine Methode, um eigene Schallplatten mit einem 3D-Drucker herzustellen. Das Verfahren erschien ihr jedoch zu aufwändig, um massentauglich zu sein. Deshalb entwickelte sie in einem weiteren Projekt die Variante mit dem Laserschneider.

Dazu schrieb sie ein Programm, das die Rohdaten von einer Audiodatei extrahiert. In einem weiteren Schritt werden diese in ein PDF verwandelt, das der Laserschneider dann verarbeiten kann. Was an den Cutter übermittelt wird, sind die filigranen Rillen der Platte, die aussehen, als wären es Baumringe.

Musikstil und Material bestimmen die Abspielqualität

Die Qualität der Platte danach hängt vor allem von zwei Faktoren ab: von der Musik, die verwendet wird, und vom Material der Platte, auf die die Musik gelasert wird. Ghassaei sagt in einem Interview, Link öffnet in einem neuen Fenster gegenüber Vice.com, vor allem Musik mit tiefer und mittlerer Bandbreite würde sich besonders gut eignen. Als ideales Beispiel nennt sie den Song «Idioteque», Link öffnet in einem neuen Fenster der Band Radiohead.

Laut Ghassaei bestimmt auch das Schallplatten-Material, wie sich die Musik beim Abspielen anhört. Je nachdem, welche Holzart oder welches Papier verwendet wird, klingt die Musik danach anders. Auch passt derzeit noch nicht viel auf eine derartige Schallplatte: Da die Laserschneider noch nicht so filigrane Linien ziehen können wie sie auf herkömmlichen Vinyl-Platten gepresst werden, passen auch keine langen Musikstücke auf die DIY-Schallplatten.

Ghassaei gibt den Tipp, die zu brennende Musik auf maximal drei Minuten zu beschränken und jeweils ein paar Sekunden Stille zu Beginn und Ende des Lieds zu lassen – so gäbe es keine Probleme, alles auf eine Scheibe zu lasern.

Experimentieren mit Laser

Verschiedene Musiker experimentieren mit selber gebrannten Schallplatten. Der Zürcher Künstler «ASIC» stellt seine Musik als PDF zur Verfügung. Das Duo «Extreme Laser Noise» hat eine Plexiglas-Schallplatte gebrannt – mit absichtlich hinzugefügten Kratzern. Diese Störgeräusche werden zur Quelle für ihre Musik.

Fablab Werkstatt

Neil Gershenfeld gründete 2002 das este Fablab am MIT in Boston mit dem Ziel, einer interessierten Öffentlichkeit teures Werkzeug wie 3D Printer, CNC Fräsen oder Laser Cutter zugänglich zu machen. Heute findet man solche Werkstätten auf der ganzen Welt, allein in der Schweiz an acht Orten.

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