«Der Polder» zwischen Reality Game und Theater

Ein Zürcher Industriequartier ist Schauplatz eines transmedialen Spieles, das auch Theater ist und die Grenzen zwischen realer und fiktiver Welt zu verwischen versucht.

Schauspieler und Spieler debattieren

Bildlegende: Ein Spieler versucht der Spielfigur einen Buchstaben des Passwortes abzuringen. Lucius Müller/SRF

Es empfiehlt sich, wetterfeste Kleidung und gute Schuhe zu tragen, wenn man sich auf das Spektakel «Der Polder» einlässt. Das Stück versteht sich als Adventure-Spiel im Freien und es macht derzeit ein Industrie-Quartier in der Stadt Zürich zu seinem Schauplatz. Beim Spielen verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion, denn man ist nicht einfach nur Zuschauer, sondern Akteur und bestimmt als solcher das Geschehen mit.

Kopfhörer empfohlen

Am Basislager, dem Ausgangspunkt dieses Reality Games, erhält man erste Instruktionen, eine Handvoll goldener Bohnen und ein Audiofile auf das Handy geladen. Diese hörspielartige Tonspur schafft einen Stimmungsrahmen und dirigiert jeden Spieler individuell durch das Quartier bis hin zum ersten Etappenziel: der Gamezone.

In der Gamezone sorgen ein paar lodernde Feuer für ein wenig Licht. Düstere Gestalten warten dort und laden zum Spiel. Man mischt sich unter sie, unterhält sich und spielt mit ihnen um die goldenen Bohnen. Die Schauspieler bleiben dabei immer in ihrer Rolle, ohne dass es jedoch ein Drehbuch gäbe. Die Spielzone wieder verlassen kann nur, wer das geheime Passwort herausgefunden hat. Pro gelöstem Rätsel gibt es eines der zehn Passwort-Zeichen als Belohnung. Oder man kauft sich einen noch fehlenden Buchstaben bei einer Spielfigur oder einem Mitspieler. Gut, wer jetzt genügend goldene Bohnen hat. Wer nebst dieser vielen Reize noch genügend Aufmerksamkeit besitzt, kann mit der Polder-eigenen App auf dem Smartphone einzelne der Rätsel lösen.

Nach rund einer Stunde sind alle Posten auf dem Hardturm-Gelände abgeklappert, das Passwort gefunden und der Wächter passiert. Es geht weiter. Eine zweite Tonspur führt auf ein Parkhausdach, von dem aus man die begangene Umgebung von oben beobachten kann und weiter zum letzten Ziel kommt, dem House of Game. Dort wartet ein Endboss, ein letzter mächtiger Gegner, den man besiegen muss, wenn man das Spiel erfolgreich beenden will.

«  Was man hier erlebt hängt davon ab, welche Entscheidungen man trifft, in welche dunklen Ecken man sich hineinwagt. »

Julian Grünthal
Co-Regisseur, Der Polder

Ein Genre im Trend

Theaterstücke, die von der Partizipation des Publikums leben, sind im Trend. Das Stück «Der Polder» gehört zu dem wachsenden Genre solcher moderner Produktionen, die spielerische Elemente miteinbeziehen und auf der Interaktion mit dem Publikum aufbauen. Der thematische Rahmen und die Mechanik der Elemente dieser Inszenierungen erinnern oft an die klassischen Adventure-Games auf dem Computer. Oft gilt es, ein obskures Rätsel zu lösen und dabei die Welt oder auch nur ein paar nette Zeitgenossen vor dem Bösen zu bewahren.

Spielzeiten «Der Polder» in Zürich: 24.10. - 10.11. (Details online, siehe Linkbox)

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