Die Facebook-Drohne bringt Internet-Zugang mit Laser

Zehn Prozent der Weltbevölkerung haben keinen Zugang zum Internet. Facebook setzt auf technologisch spektakuläre Infrastruktur: Boeing-grosse Drohnen. Der erste Prototyp ist nun fertiggestellt und heisst «Aquila». Das Projekt soll neues Wachstumspotenzial erschliessen.

Ein grauer Bumerang, 30 Meter Spannweite, in einer Industriehalle aufgebockt.

Bildlegende: Der Prototyp der «Aquila»-Drohne. Facebook

Nicht nur Google arbeitet daran, Internet in Regionen dieser Welt zu bringen, wo es keine Infrastruktur gibt. Auch Facebook strebt das an. Im Gegensatz zu den Ballonen von Google versucht man es bei Facebook mit unbemannten Flugzeugen.

Der Adler, der im Kreis fliegt

Einen ersten Prototyp einer solchen Drohne hat Facebook fertiggestellt, auf den Namen «Aquila» (lat. Adler) getauft und beginnt nun mit Flugtests. Mit den Quadrokoptern aus dem Hobbyhaus hat diese Drohne nichts zu tun. Wie ein riesiger grauer Bumerang hat sie eine Spannweite von rund 30 Metern, vergleichbar mit einer Boeing 737.

Die Drohne, aufgebockt, davor aufgeregte Jungs.

Bildlegende: Die Ingenieure des Facebook-Teams starten die Propeller des Prototyps. Facebook

«Aquila» ist dabei rund 400 Kilogramm leicht und besteht vor allem aus Karbon. Sie soll bis zu drei Monate lang ohne Unterbruch und völlig autonom im Kreis fliegen können. Und zwar weit über den Verkehrsflugzeugen.

Die Drohne wird mit einem Ballon in eine Höhe von gut 20 Kilometern gehoben und startet dort ihren Flug. Von Solarzellen angetrieben, gewinnt sie am Tag an Höhe, bis auf 30 Kilometer. In der Nacht entladen sich die Batterien, die Drohne sinkt wieder auf 20 Kilometer ab.

Laserrr!

Nicht nur das Fluggefährt ist spektakulär – auch die Art und Weise, wie es dann Internet verbreitet. Die Facebook-Ingenieure setzen auf Laser. Von einer Bodenstation aus wird per Laser eine Verbindung zu einer Drohne hergestellt. Eine Flotte von Drohnen vernetzt sich dann wieder über Laser untereinander.

Schematische Darstellung der Vernetzung.

Bildlegende: Internet per Laser von Drohne zu Drohne, dann zum Boden. Facebook

An die Nutzerinnen und Nutzer am Boden schliesslich wird der Internetzugang per Funk weitergegeben (oder ebenfalls per Laser; die Meldung von Facebook ist diesbezüglich unklar). Eine einzelne Drohne soll am Boden einen Radius von etwa 30 Kilometern mit Internet versorgen.

Facebook meldet, dass die Ingenieure mit ihrem Laser eine Übertragungsgeschwindigkeit von 10 Gigabit pro Sekunde erreicht haben, über eine Distanz von mehreren Kilometern und auf ein Ziel von der Grösse einer Münze fokussiert. Das sei etwa die zehnfache Geschwindigkeit des bisherigen Standes der Industrie.

Warum nicht mehr Handy-Antennen?

Es stellt sich die Frage, warum Facebook diesen enormen technologischen Aufwand betreibt, wenn man doch auch einfach weitere Handy-Masten aufstellen könnte. Facebook sieht die Drohne als Alternative, weil nicht in jeder Region jede Technologie tauglich sei.

Ausserdem wolle Facebook ein solches Drohnen-Netz nicht selber aufbauen und betreiben. Man wolle stattdessen die Technologie vorantreiben, die Entwicklung beschleunigen. Die realen Netze sollen dann Partner aufbauen und betreiben, also Telekommunikations-Unternehmen oder Regierungen. Facebook sei bereits etwa mit Nigeria oder Indien im Gespräch.

Wachstumspotenzial und Marketing für Facebook

Facebook hat aktuell rund 1,5 Milliarden Nutzerinnen und Nutzer monatlich. Die Zahl wächst zwar weiterhin, aber langsamer als auch schon. Demgegenüber sind rund vier Milliarden Menschen noch immer nicht mit dem Internet verbunden. Facebook sieht dort ein gewaltiges Potenzial für weiteres Wachstum.

Das Unternehmen ist reich genug, um sich ein solches High-Rech-Projekt leisten zu können. Auch, weil sich das Projekt gut macht: Man kann technologische Stärke demonstrieren und sich als Wohltäter inszenieren.

Dennoch ist die Vorstellung weltfremd, dass Schwärme von Facebook-Drohnen Milliarden Menschen mit Internet versorgen werden. Denn drei der vier Milliarden, die noch offline sind, leben bereits in Reichweite eines Handy-Netzes. Dass sie noch nicht online sind, hat also nichts mit Zugang zu Infrastruktur zu tun, sondern mit den Kosten: Man kann sich den vorhandenen Zugang nicht leisten.

Nicht die Drohne fehlt, sondern Geld

Auch hier ist Facebook aktiv und hat schon vor knapp zwei Jahren «Internet.org» gegründet. Facebook geht Partnerschaften mit lokalen Netzbetreibern in Afrika, Südasien und Südamerika ein, um gewissen Dienste kostenlos anbieten zu können – und damit einen reduzierten Internet-Zugang zu ermöglichen für Menschen, die sich normale Telefon- und Datenabos nicht leisten können.

In Indien geriet Facebook deswegen letztes Jahr allerdings heftig in die Kritik. Dass einige wenige Dienste gratis angeboten werden und andere nicht, wurde als Verstoss gegen die Netzneutralität gesehen. Da Facebook den eigenen Dienst natürlich ebenfalls anbietet, warfen indische Anbieter Facebook einen klaren Interessenkonflikt vor und zogen sich aus «Internet.org» zurück. Schwierigkeiten dieser Art lassen sich nicht technisch lösen.

Spektakuläre Projekte wie die Facebook-Drohnen oder die Google-Ballone werden also allenfalls kleinere Bevölkerungsgruppen in besonders abgelegenen Regionen mit Internet versorgen. Die allermeisten, die heute noch offline sind, werden stattdessen per Handy auf das Internet kommen. Und für sie sind nicht High-Tech-Innovationen gefragt – sondern etwas verfügbares Einkommen, das man sich nicht vom Mund absparen muss.