Die Schweizer Politik entdeckt das Gamen

Seit fünf Jahren fördert die Stiftung Pro Helvetia Schweizer Games. Und die Szene blüht: Gerade kürzlich haben zwei Schweizer Firmen Preise für ihre Games gewonnen – und zwar an der renommierten Game Developers Conference in den USA. Nun soll ein Vorstoss noch mehr möglich machen.

Hinter der Kuppel des Bundeshauses tauchen Games und Spielkonsolen auf.

Bildlegende: Erfolgreiche Games wie der Landwirtschafts-Simulator und First Strike sollen Konkurrenz aus dem eigenen Land erhalten. Fotomontage SRF

In einem heute eingereichten Vorstoss verlangt SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr vom Bundesrat einen Bericht darüber, wie die Politik die Entwicklung der Schweizer Game-Industrie fördern kann. Das Begehren ist parteipolitisch breit abgestützt: Neben Fehr stehen unter anderen Balthasar Glättli (Grüne), Kathy Riklin (CVP), Ruedi Noser (FDP) und Lukas Reimann (SVP) hinter dem Vorstoss.

Die Parlamentarier und Parlamentarierinnen beauftragen den Bundesrat, einen Bericht zur Game-Industrie zu erstellen. Dabei geht es für einmal nicht nur im die Kulturförderung – die Pro Helvetia unterstützt das Schaffen der hiesigen Game-Entwickler schon seit einigen Jahren mit dem Schwerpunkt «Digitale Kultur». Der geforderte Bericht des Bundesrates soll erstmals auch das wirtschaftliche Potenzial der Game-Industrie aufzeigen.

Sind Fördermassnahmen nötig?

«Für die Schweizer Game-Branche ist es ein Meilenstein, dass Games endlich auf der politischen Agenda stehen», sagt Matthias Sala gegenüber SRF Digital. Der Präsident der Swiss Game Developers Association (SGDA) fügt an: «Wir hoffen natürlich, dass es nicht nur bei diesem Vorstoss bleibt, sondern dass auch politische Taten folgen werden.»

In ihrem Statement zum parlamentarischen Vorstoss schreibt die SGDA, die Schweizer Game-Industrie schaffe bereits heute Arbeitsplätze, Kulturgüter und Steuereinnahmen. Nun müssten die optimalen Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit sich die Branche auch im internationalen Wettbewerb behaupten könne. Im Vorstoss wird dazu etwa nach möglichen Steuerbefreiungen oder Start-up-Programmen gefragt.

Finnland ist schon weiter

Die Unterzeichner und Unterzeichnerinnen des Vorstosses fordern den Bundesrat ausserdem auf, die Situation in der Schweiz mit der in anderen kleineren europäischen Staaten zu vergleichen. So soll das Potenzial der hiesigen Game-Industrie als «Zukunftsbranche» besser eingeschätzt werden können.

In einigen der Vergleichs-Staaten konnten Game-Hersteller dieses Potenzial schon eindrücklich unter Beweis stellen. Beispiel Finnland: Dort leben mit gut fünfeinhalb Millionen Einwohnern weniger Menschen als in der Schweiz. Doch mit mit Supercell («Clash of Clans») und Rovio Entertainment («Angry Birds») gibt es gleich zwei Spieleentwickler, deren Games vor allem auf mobilen Geräten ein Millionenpublikum finden.

Die aktuellsten Geschäftszahlen der beiden Unternehmen stammen aus dem Jahr 2013. Rovio machte damals einen Umsatz von 156 Millionen Euro. Supercell überbot diese Marke noch einmal mit einem Jahresumsatz von 829 Millionen Dollar.

Schweizer Erfolge an der GDC

Schweizer Erfolge an der GDC

An der diesjährigen Game Developers Conference in San Francisco gewannen gleich zwei Schweizer Games einen «Best in Play»-Award: «Rogallo» der Zürcher Blindflug-Studios und «Feist» von Florian Faller und Adrian Stutz.