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Digital Die Swisscom und das Portemonnaie der Zukunft

Wir tun es nicht immer gerne, aber wir tun es täglich: zum Bezahlen das Portemonnaie zücken. Geht es nach der Swisscom, greifen wir bald zum Smartphone. Denn der Telekom-Anbieter wagt sich in ein neues Geschäftsfeld und lanciert mit der Smartphone-App Tapit digitales Portemonnaie.

Tapit
Legende: Smartphone ans Terminal halten und fertig: Bezahlen per Tapit soll bloss zwei Sekunden dauern. Swisscom

Tapit funktioniert mit NFC (Near Field Communication, Link öffnet in einem neuen Fenster): Ein NFC-Chip im Handy nimmt Kontakt zum NFC-Terminal an der Kasse auf und bezahlt den nötigen Betrag innert zwei Sekunden. Das geschieht ohne einen Knopfdruck – erst ab einem Betrag über 40 Franken muss der Kunde zusätzlich noch seinen PIN-Code oder ein Passwort eingeben.

Zwar ist es theoretisch möglich, etwa die Kreditkartennummer oder das Ablaufdatum der Karte abzufangen. Diese Daten allein genügten aber nicht für einen betrügerischen Einkauf, erklärte ein Vertreter der Kreditkarten-Branche bei der Tapit-Präsentation, Link öffnet in einem neuen Fenster heute in Zürich.

NFC gilt als sichere Bezahlmethode, weil es über eine schwache Funkverbindung funktioniert (das Smartphone darf nicht weiter als vier Zentimeter vom Terminal entfernt sein) und die Datenübermittlung dabei blitzschnell abläuft.

Bei Migros, Coop und Ikea

Die Swisscom hat Tapit in den letzten Jahren selbst entwickelt, doch Orange und Sunrise werden die App ebenfalls nutzen. Dass die grossen Schweizer Mobilfunkanbieter zusammenarbeiten, ist kein Zufall, denn nur mit einer genügend grossen Nutzerbasis wird sich das Bezahlen per App gegen Bargeld und Kreditkarte durchsetzen. Tapit kann von Swisscom-Kunden seit heute genutzt werden; Orange und Sunrise kommen später im Jahr dazu.

Tapit
Legende: Tapit kann ab heute auf NFC-kompatible Smartphones mit dem Android-Betriebssystem geladen werden. Die App ist kostenlos. Swisscom

Zu Beginn funktioniert das bargeldlose Bezahlen per App nur mit Kredit- oder Prepaidkarten von Visa. In Kürze sollen auch Mastercard-Kreditkarten dazukommen. Über 50'000 Läden in der Schweiz seien schon für das Zahlen per NFC ausgerüstet, so die Swisscom, darunter etwa die Kassen von Migros, Coop, SBB und Ikea und die vieler Kioske.

Zusatznutzen ist wichtig

Ähnlich wie etwa bei Googles mobilem Bezahlsystem Wallet, Link öffnet in einem neuen Fenster, das bisher nur in den USA angeboten wird, funktioniert Tapit nicht nur mit Kredit-, Debit- und Prepaid-Karten, sondern auch mit Treuekarten bestimmter Anbieter. So soll Tapit nicht nur beim Zahlen, sondern auch beim Sammeln von Bonuspunkte oder dem Einlösen von Rabattgutscheinen zum Einsatz kommen. Coop etwa will ab Mitte 2015 seine Supercard zum Punktesammeln auch auf Tapit anbieten.

Laut Experten sind solche Zusatznutzen zwingend nötig, um dem Konsumenten das Bezahlen per Handy schmackhaft zu machen. Und Swisscom will mit Tapit nicht nur Bargeld und Kreditkarten, sondern auch den Büro-Badge überflüssig machen: Die App kann auch als Mitarbeiterausweis benutzt werden, was die Swisscom beim Zutritt zu ihren eigenen Gebäuden schon erfolgreich getestet hat.

Problem iPhone

Dass das Smartphone bald das Portemonnaie überflüssig macht, wird uns seit langem versprochen. Doch sämtliche Lösungen scheiterten bisher daran, dass kein gemeinsamer Standard gefunden werden konnte. Denn beim Zahlen mit dem Handy müssen viele Parteien zusammenspielen: Telekomanbieter und Smartphone-Hersteller genau so wie Banken, Kreditkarten-Unternehmen und der Einzelhandel.

Tapit
Legende: Tapit soll auch bei der Zutrittskontrolle zum Einsatz kommen und den Büro-Badge überflüssig machen. Swisscom

Es stimmt darum zuversichtlich, dass die Swisscom mit Tapit nun keine eigene Lösung präsentiert, sondern mit Orange und Sunrise auch die Konkurrenz mit ins Boot geholt hat. Und auch auf der anderen Seite, bei den Geschäften, hat sich in den letzten Jahren einiges getan und viele Kassen unterstützen schon heute den NFC-Standard.

Ein Problem bleiben die Smartphones: Zwar gibt es mittlerweile einige NFC-fähige Geräte, doch ausgerechnet Apples iPhone, das meist verkaufte Smartphone, Link öffnet in einem neuen Fenster der Schweiz, kann noch nicht mit NFC umgehen.

Vorerst nur für Android

Tapit gibt bis auf weiteres nur für NFC-kompatible Geräte mit dem Android-Betriebssystem. Eine Version für das iPhone sei aber in Entwicklung, so die Swisscom. Bisherige iPhone-Versionen unterstützen den NFC-Standard noch nicht. Gerüchten zufolge soll sich das mit dem kommenden iPhone 6 ändern.

14 Kommentare

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  • Kommentar von judith, Gelterkinden
    Ich finde es nicht gut wenn man alles elektronisch haben will,Das mit dem Computer ist ja eine gute Angelegenheit,aber wenn dann die Elektronik ausfällt dann sind wir aufgeschmissen,dann geht dann meistens eine gewisse Zeit grad dar nichts mehr.Es ist meines Erachtens reine Bequemlichkeit dann braucht man kein Geld mehr in der Tasche zu haben.
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  • Kommentar von Hans Knecht, Torny
    Die Idee des berührungslosen Bezahlens ist m.E. verführerisch. Nur ist es eine elementare Sicherheitsanforderung, dass man ein Geldtransfer seinerseits auch bestätigen muss, ggf. via einen Kopfdruck auf dem Natel oder auf der Karte oder besser einer Pin-Eingabe auf seinem Gerät! Für Kriminelle wird die gegenwärtige Lösung das Paradis sein; man sitzt ruhig im Zug oder läuft mit einer Tasche herum rädt so rasch 200 mal 40.- runter und überweist diese nach Nigeria usw. Ein No-Go.
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  • Kommentar von Einzelhandelsberatung Zulfukar Tosun, München
    Der Ansatz ist richtig, aber wie bei den SB-Kassen nicht durchgedacht. Wenn das Smartphone verloren geht, kann dies ein Sicherheitsrisiko sein. Dem Kunden sollte aber immer die Bargeld-Option erhalten bleiben. Die Einführung einer weiteren Zahlmethode bringt den Läden aber nicht mehr Umsatz.
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    1. Antwort von Christian Hasler, Lenzburg
      Eine gross angelegte Feldstudie in Spanien hat indes das Gegenteil gezeigt. Die Mobile Payment Nutzer haben mehr Einkäufe gemacht und für höhere Beträge eingekauft. Ich begrüsse die Innovation, hoffe, dass Sunrise bald nachzieht und viele Kreditkartenherausgeber unterstützt werden.
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