Digital am Sonntag, Nr. 11: In die Zone

Am Wochenende hat man Zeit zum Lesen. Deshalb stellen wir hier jeden Freitag die Artikel zu Digital-Themen zusammen, die wir lesenswert finden.

Entspanntes Lesen in bequemen Sesseln.

Bildlegende: Es muss nicht immer Zeitung sein. Gaetan Bally/Keystone

Regeln für den Cyberwar

In der estnischen Hauptstadt Tallinn hat die NATO in den letzten Jahren ein Kompetenzzentrum für Cyberwar aufgebaut. Dieses Zentrum hat nun das «Tallinn Manual» veröffentlicht: Ein umfangreiches Dokument, das rechtliche und politische Regeln für das Führen eines Cyber-Krieges aufzustellen versucht. Auch wenn das Dokument keinen bindenden Charakter hat, ist es doch das erste, das solche Regeln öffentlich zur Diskussion stellt, mit äusserst interessanten Einsichten. Andrea Jonjic vom Blog Netzpolitik greift einige heraus, zum Beispiel die Einschränkung, dass auf einen virtuellen Angriff nicht mit realen Waffen geantwortet werden dürfe. Und gerade Netzaktivisten wird die Passage aufhorchen lassen, wo Hacktivisten ausdrücklich ausgenommen werden vom besonderen Schutz, den Zivilisten geniessen – wenn sie sich an einem Angriff beteiligen:

«  An act of direct participation in hostilities by civilians renders them liable to be attacked, by cyber or other lawful means. [… It] renders that person targetable for such time as he or she is engaged in the qualifying act of participation. »

Selber Passwörter knacken

Man hört ja ständig, wie leicht es sei, bestimmte Passwörter zu knacken. Nate Anderson vom Tech-Blog Ars Technica fand nun, dass er nicht nur immer darüber schreiben, sondern selber ein Passwort knacken wolle. Der Artikel ist eine Mischung aus Anleitung und Selbstversuch und eröffnet mit einer deutlichen Warnung:

«  At the beginning of a sunny Monday morning earlier this month, I had never cracked a password. By the end of the day, I had cracked 8000. Even though I knew password cracking was easy, I didn't know it was ridiculously easy. »

Donglegate

Dass die Diskussion um Sexismus noch lange nicht gegessen ist, zeigt eine unappetitliche Geschichte, die uns von einem Programmierer-Treffen erreicht. Eine Teilnehmerin überhörte Witze von zwei anderen Teilnehmern und fand diese zu anzüglich (der Spruch drehte sich um einen «grossen Dongle»). Sie twitterte ein Foto der beiden. Ab da eskalierte der Vorfall: Einer der beiden Witzbolde wurde gefeuert; später ebenso die Frau. Ihr persönliches Blog und die Website ihres Arbeitgebers wurden angegriffen, auf Twitter soll sie Vergewaltigungs- und Todesdrohungen erhalten haben. John Koetsier fasst für Venture Beat die tragische Kette von Fehlinterpretationen und Überreaktionen zusammen. Auf Ars Technica kritisiert Chefredaktor Ken Fisher darum vor allem die beiden Unternehmen, die ihre Angestellten entliessen für einen Vorfall, den man auch mit weniger Krach hätte lösen können:

«  The asymmetry of incident and response has now elevated Donglegate from dust-up into life-changing event for at least two people, and it didn't have to end this way at all. »

In die Zone von Fukushima fahren

Nicht nur einem Tarkovsky-Fan wie mir müssten diese Bilder ein Schauern über den Rücken jagen: Wie die «Stalker» in Tarkovskys gleichnamigem Film Exkursionen in die verbotene Zone unternehmen, so schickte Google Japan ein Street-View-Auto in das kleine Fischerdörfchen Namie-machi – nur einige Kilometer nördlich des Kernkraftwerkes Fukushima. Der Bürgermeister des evakuierten Dörfchens habe Google darum gebeten, schreibt er auf dem Latlong-Blog von Google:

«  Many of the displaced townspeople have asked to see the current state of their city, and there are surely many people around the world who want a better sense of how the nuclear incident affected surrounding communities. »