Digital am Sonntag, Nr. 17: Die Brust des Todes

Am Wochenende hat man Zeit zum Lesen. Deshalb stellen wir hier jeden Freitag die Artikel zu Digital-Themen zusammen, die wir lesenswert finden.

Entspanntes Lesen in bequemen Sesseln.

Bildlegende: Es muss nicht immer Zeitung sein. Gaetan Bally/Keystone

Gesichtserkennung – Mythos und Realität

Der Anschlag in Boston hat es wieder einmal deutlich vor Augen geführt: Der Einsatz von Gesichtserkennungs-Software ist bei weitem nicht so einfach wie man landläufig glaubt. Aus Filmen und Fernseh-Serien kennen wir die Szene, in der den wackeren Ermittlern ein verschwommenes Bildchen ausreicht, um einen Terroristen blitzschnell zu identifizieren. Die Realität ist komplexer: Wie Sean Gallagher in einer Reportage für Ars Technica ausführt, waren es vielmehr private Überwachungssysteme der Läden um den Tatort, welche die Polizei auf die richtige Spur brachten. Das Foto des Fahrausweises eines der beiden reichte nicht aus, um sie zu identifizieren – da es von vorn aufgenommen wurde und Erkennungssysteme besser funktionieren, wenn sie Fotos aus unterschiedlichen Aufnahmewinkeln zum Vergleich haben:

«  Part of the problem […] was that the facial database that did have images of at least one of the suspected bombers in it was built for a very specific purpose — preventing people from obtaining fraudulent driver's licenses. […] But when applied to the task of locating a terrorism suspect, the […] database is less than ideal. [… A]ll its photos of individuals are from the same angle. »

Warum eigentlich QWERTY?

Im Blog der Smithsonian-Museen geht Jimmy Stamp der Frage nach, warum die Tasten auf unseren Tastaturen eigentlich so angeordnet sind. Die Legende ist, dass die Tasten im QWERTY-Schema (bei uns QWERTZ) angeordnet worden sein sollen, um mechanischen Problemen der Schreibmaschinen vorzubeugen. Neuere Forschung widerspricht allerdings dieser Geschichte. Vielmehr hatte es damit zu tun, dass Morse-Code einfacher transkribiert werden konnte. Dazu war der QWERTY-Standard der Firma Remington auch ein frühes Beispiel einer äusserst cleveren Marktstrategie – wer auf QWERTY ausgebildete Schreibkräfte einstellte, musste auch QWERTY-Maschinen kaufen:

«  Remington didn't just produce typewriters, they also provided training courses – for a small fee, of course. Typists who learned on their proprietary system would have to stay loyal to the brand, so companies that wanted to hire trained typists had to stock their desks with Remington typewriters. »

Diese Rüstung könnte sie töten

Dass Frauen in Fantasy-Filmen oder -Spielen meist Rüstung mit künstlich modellierten Brüsten tragen, wird oft diskutiert, wenn es um die Frage der sexistischen Darstellung weiblicher Figuren geht. Emily Asher-Perrin findet in einem Blogpost, dass diese Brustrüstungen aus einem ganz anderen Grund verschwinden müssen: weil sie tödlich sind. Denn eine Brustrüstung mit zwei Hügeln lenkt einen Hieb nicht ab; sondern verstärkt ihn noch, durch den nach innen gerichteten stumpfen «Speer» des Ausschnitts:

«  The divet separating each breast will dig into your chest, doing you injury. […] It is literally a death trap – you are wearing armor that acts as a perpetual spear directed at some of your most vulnerable body parts. It's just not smart. »