Digital am Sonntag, Nr. 18: Ocean's Eleven Tausend

Am Wochenende hat man Zeit zum Lesen. Deshalb stellen wir hier jeden Freitag die Artikel zu Digital-Themen zusammen, die wir lesenswert finden.

Entspanntes Lesen in bequemen Sesseln.

Bildlegende: Es muss nicht immer Zeitung sein. Gaetan Bally/Keystone

Das Internet zerstört den Mittelstand

Das ist die These des Virtual-Reality-Visionärs Jaron Lanier. Er erläutert sie in einem Interview mit Scott Timberg von Salon. Das Gespräch ist transkribiert, kaum bearbeitet und deshalb stellenweise nicht gerade leicht verständlich. Dennoch ist es vollgestopft mit interessanten Gedanken. Lanier beginnt mit dem Vergleich von Kodak und Instagram. Beide Unternehmen befriedigen das gleiche Bedürfnis: Fotos mit Freunden und Familie anschauen können. Das Produkt beider Unternehmen wird von Millionen genutzt. Doch während bei Kodak Arbeitsplätze für Tausende anfielen, sind es bei Instagram noch ein Dutzend. Lanier meint, dass wegen dem Internet eine vermehrt informelle Wirtschaft entstanden sei; wo zwar viel Zeit investiert wird und Produkte genutzt werden, aber nur noch ganze wenige damit auch Geld verdienen. Und er geht noch weiter: Damit komme die Definition unter Druck, was denn ein Beruf sei, also mit welcher Tätigkeit man Geld verdienen kann. Und es seien eben genau jene Berufe, die bisher vom Mittelstand ausgeführt wurden.

«  The whole idea of a job is entirely social construct. [… The] middle class has always required some little artificial help to keep going. […] There's often some kind of license […] that allows people to keep their middle-class status. In a raw kind of capitalism there tend to be unstable events that wipe away the middle and tend to separate people into rich and poor. »

Von Halunken profitieren

Es war eine heftige Klatsche, die Google im August 2011 einstecken musste: Nach einer aussergerichtlichen Einigung mit dem US-amerikanischen Justizdepartement musste Google eine halbe Milliarde Dollar zahlen. Weil sie Werbung für Websites geschaltet hatten, die Substanzen wie Steroide oder Ritalin illegal online verkauften. Nun porträtiert Jake Pearson für Wired den Mann, der von den Bundesagenten undercover eingesetzt wurde, um diese Aktivitäten bei Google aufzudecken und zu beweisen. Der Undercover-Mann hatte selber eine lange Vorgeschichte von fehlgeschlagenen Geschäften und Betrügereien und stand vor der Aussicht, über sechzig Jahre ins Gefängnis zu müssen. Er beschuldigte Google, mit Leuten wie ihm Geld zu verdienen, in der Hoffnung, damit Hafterleichterung auszuhandeln. Die folgende verdeckte Operation der Bundesbehörden zerrte Machenschaften ans Licht, die Google heute lieber vergessen möchte:

«  "We started to joke that we could tell the AdWords people, 'We want to kill baby seals,' and they’d tell us how to do it," says a postal inspector who helped work the case. »

Wie hebt man 45 Millionen in bar ab?

Anfang Mai wurden mehrere Personen verhaftet, denen vorgeworfen wird, in einer orchestrierten Aktion mit gestohlenen Bankdaten über 45 Millionen Dollar Bargeld an Geldautomaten bezogen zu haben. Adrianne Jeffries beschreibt für The Verge, wie gewaltig die logistische Herausforderung war, innerhalb von wenigen Stunden in über zwanzig Ländern gleichzeitig riesige Summen in bar zu stehlen. Allein die Zelle in New York stahl in gut zwei Stunden fast drei Millionen, wohlgemerkt in 20-Dollar-Noten:

«  Eight men made 705 ATM withdrawals in two hours and 24 minutes. That would mean each man made a withdrawal every 98 seconds.  »

Zeigen statt erklären hilft auch bei Gender-Diskussionen

Eine schöne Geschichte erzählt eine anonyme Game-Designerin auf dem Blog The Hawkeye Initiative. Sie hatte sich schon lange über ein Poster geärgert, das prominent vor dem Büro ihres Chefs hing: Eine Mechanikerin, in knappen Jeans-Shorts und noch knapperem Oberteil, was ihr den Spitznamen «Ruby Underboob» verlieh. Um klar zu machen, warum diese Darstellung nicht in Ordnung ist, liess sie heimlich eine männliche Variante des Posters zeichnen – einen knackigen Dude mit Helm und Schraubenschlüssel im engen roten Slip. Und vertauschte eines Nachts Ruby mit diesem «Brosie the Riveter». Das schönste am Streich: Der Chef entschuldigte sich für «Ruby Underboob» – Brosie bleibt nun als Ausgleich neben ihr hängen. Weshalb die Designerin ein optimistisches Fazit zieht:

«  Lots of men are already sympathetic to the stupid, constant crap women put up with in gaming […]. And, most importantly, many of the guys who are behind that stupid, constant crap are totally decent, open-minded human beings who just don’t realize they’re doing it.  »