Digital am Sonntag, Nr. 28: Die Weitsicht Engelbarts

Am Wochenende hat man Zeit zum Lesen. Deshalb stellen wir hier jeden Freitag die Artikel zu Digital-Themen zusammen, die wir lesenswert finden.

Entspanntes Lesen in bequemen Sesseln.

Bildlegende: Es muss nicht immer Zeitung sein. Es muss nicht immer Zeitung sein. Gaetan Bally/Keystone

Die unvollendete Revolution

Vom Tod des Visionärs Douglas Engelbart haben wir berichtet. Nicht nur die Maus hat der Mann erfunden, sondern fast alles, was noch heute die Art und Weise ausmacht, wie wir mit Computern interagieren. Text auf einem Bildschirm editieren, Computer per Point & Click bedienen, Kommunikation per Bildschirm, Links – alles Konzepte von Engelbart aus den 60er-Jahren. Kaum einer verdient sich den Titel «Visionär» so wie er. Nun weist Computer-Historiker Howard Rheingold im MIT Technology Review darauf hin, dass Engelbart wohl überhaupt nicht einverstanden wäre mit der Aussage, viel erreicht zu haben. Denn Mensch-Maschine-Interaktion zu vereinfachen, war nicht das Ziel, sondern lediglich ein Mittel. Engelbart ging es um etwas viel Fundamentaleres: Den Menschen zu ermöglichen, mit der stetig zunehmenden Komplexität einer technologisierten, globalisierten Welt fertig zu werden.

«  Computers, interfaces, and networks were means to a more important end — amplifying human intelligence to help us survive in the world we've created. […] More capable humans, enabled by electronic computers. »

Algorithmus erwischt Autodiebe

Russell Brandom erzählt im Blog The Verge eine tolle Geschichte von Auto-Dieben in China. Die gutorganisierten Verbrecher benutzen offenbar Anzeigen bei Google. Sie fotografieren Autos auf der Strasse und schalten eine Anzeige, als stünde das Auto zum Verkauf. Klickt ein Kunde drauf, im Glauben es sei eine gewöhnliche Occasion, zieht ein Dieb los und stiehlt das Auto. Ich würde das mal «Just in time stealing» nennen: Nicht auf gut Glück Autos stehlen und sie lagern, sondern gezielt nur jene, die man schon so gut wie verkauft hat. Schwer zu bemerken, da die Anzeigen online wie normale Anzeigen aussehen; und die Diebstähle offline passieren wie normale Diebstähle.

Auf die Schliche kam dem Trick nun – nein, nicht eine aufmerksame Spürnase. Sondern der Google-Algorithmus, der Anzeigen überprüft und verdächtige meldet. Spannend daran ist, dass man nicht sicher ist, warum dem Algorithmus diese Anzeigen verdächtig vorkamen. Das Programm überprüft und aggregiert sehr viele Informationen rund um eine Anzeige, beispielsweise IP-Adressen, Alter eines Accounts (der die Anzeige schaltet), Verbindungen zu früheren Accounts; es entdeckt Muster und lernt daraus. Welcher Faktor dann genau zum roten Lämpchen führt, lässt sich nicht mehr eindeutig sagen.

«  [The algorithm] doesn't take human prejudice into account. [… The] team [wasn't] looking for cars or car thieves. But the algorithm saw a pattern of quick buys from new accounts, tied together with larger and more subtle patterns, and deduced something was up. »

Von meinem Malling-Hansen Writing Ball gesendet

Wer ein iPhone hat, wird sich schon einmal überlegt haben, ob man die automatische Signatur «Von meinem iPhone gesendet» nicht wegmachen sollte – nein, man will ja dem Empfänger mitteilen, dass man unterwegs und darum pressiert war. Aber etwas weniger werbendes oder schlicht originelleres wäre doch schön. Alexis Madrigal hat nun für The Atlantic ganz viele Ideen gesammelt. Und er listet nicht nur auf, sondern analysiert auch gleich die Grammatik dieser Signature. Es folgen ein paar Beispiele, die mir gefielen; ihr findet dort bestimmt auch Inspiration.

«  Typed with big thumbs on small phone. […] my iPhern. Sory fer eny typeos. […] Sent from your iPhone. Yes, that's right. Check your back pocket; I took your wallet, too. […] Sent by a tiny Japanese Bear. »

Und solltet ihr zu faul sein, selber nach «Malling-Hansen Writing Ball» zu googeln: Nerdcore hat ein Foto dieser Monsterschreibmaschine eben gepostet. So Steampunk, dass die auch Steampunks etwas zu steampunk finden.