Digital am Sonntag, Nr. 31: Exzentriker und Verrückte

Am Wochenende hat man Zeit zum Lesen. Deshalb stellen wir hier jeden Freitag die Artikel zu Digital-Themen zusammen, die wir lesenswert finden.

Entspanntes Lesen in bequemen Sesseln.

Bildlegende: Es muss nicht immer Zeitung sein. Gaetan Bally/Keystone

Das Auge des Karpfens

Das Unternehmen Palantir ist unheimlich. Es produziert Software, die Daten durchsucht, analysiert und darin Zusammenhänge entdecken kann. Also eine privatwirtschaftliche Variante davon, was Geheimdienste wie die NSA machen.

Der bekannte Investor Peter Thiel (PayPal, Facebook) hat Palantir gegründet; und die Software, die bei PayPal eingesetzt wurde, um Betrug zu erkennen, bildete auch gleich die technologische Grundlage.

Die Produkte von Palantir wurden von der CIA eingesetzt; Gerüchte halten sich hartnäckig, dass sie beim Auffinden Osama Bin Ladens eine Rolle gespielt haben. Kunden von Palantir sind neben Verteidigungsministerium und Polizei mittlerweile auch Unternehmen ausserhalb der Sicherheitsdienste, beispielsweise Banken. Palantir soll dieses Jahr 450 Millionen Dollar Umsatz machen, schätzt Forbes.

Ebenda beschreibt ein ausführliches Porträt von Andy Greenberg und Ryan Mac nicht nur den weiten Spagat zwischen Sicherheit und Privatsphäre, den Palantir versucht. Sondern auch seinen exzentrischen CEO Alex Karp. Was mir das Unternehmen gleichermassen noch faszinierender und unheimlicher macht:

«  [Karp] solves Rubik's cubes in less than three minutes, swims and practices the meditative art of Qigong daily and has gone through aikido and jujitsu phases […]. A cabinet in his office is stocked with vitamins, 20 pairs of identical swimming goggles and hand sanitizer. And he addresses his staff using an internal video channel called KarpTube, speaking on […] greed, integrity and Marxism. «The only time I'm not thinking about Palantir», he says, «is when I'm swimming, practicing Qigong or during sexual activity.» »

Internet aus dem Ballon

Es ist eine Geschichte, über die ich schon öfter gestolpert bin, und die mich jedes Mal verwirrt: Google will Ballone bauen, die sich untereinander vernetzen und dann drahtlosen Internet-Zugang in Gegenden bringen, wo es den nicht gibt. Statt Kabel zu verlegen oder Handy-Antennen aufzubauen. Sind Ballone nicht viel zu hoch oben? Die Ballone sollen auf einer Höhe von circa 20 Kilometern fliegen; ein normaler WLAN-Router kommt knapp 100 Meter weit. Kann man die Ballone trotz Wind und Wetter zuverlässig genug steuern und lange genug oben halten? Könnte man das unbestritten sinnvolle Ziel nicht auch einfacher erreichen?

Steven Levy erklärt nun für Wired, wie Google das schaffen will. Immerhin ist man sich auch da bewusst, wie verrückt die Idee ist: Man nennt sie «Project Loon» (von loon, loony, lunatic, einem Verrückten). Erste Tests verliefen offenbar positiv:

«  We touch down on land owned by […] farmer, Hayden Mackenzie. He and his wife, Anna, were asked to participate in the Loon test only last night, and Google did not tell them the details until after it installed a special antenna on their roof — a red sphere about a foot in diameter. […] If we squint, we can see a tiny white speck, high above in the jewel-blue sky. […] Anna Mackenzie leads us into her house and […] flicks on a vintage HP laptop. The browser window opens and fills. She's on! »