Digital am Sonntag, Nr. 38: King of Buttcoin

Am Wochenende hat man Zeit zum Lesen. Deshalb stellen wir hier jeden Freitag die Artikel zu Digital-Themen zusammen, die wir lesenswert finden.

Entspanntes Lesen in bequemen Sesseln.

Bildlegende: Es muss nicht immer Zeitung sein. Gaetan Bally/Keystone

Bitcoin-Erotika

Ihr könnt jetzt von mir denken, was ihr wollt – aber wenn eine Schlagzeile lautet: «I paid $4 to read this Bitcoin erotica so you don’t have to», dann klicke ich drauf. Aber sowas von.

Dank geht an Andrea Peterson vom «The Switch»-Blog der Washington Post, die sich die enorme Bürde aufgeladen hat, einen erotischen Roman um einen «King of Bitcoin» zu lesen. Ihr Text ist, wie man auf dem Internet sagt, «full of win»:

«  [H]e discovers his 296 Bitcoins are worth «one hundred gazillion dollars.» So, he promptly extorts his English teacher into a sexual encounter in exchange for one of them. […] The other two primarily «erotic» sections of the piece include multiple instances of «bit» being used as a prefix for terms describing genitalia. »

Das lasse ich jetzt mal so «stehen».

Die längste Praline der Welt

Der letzte Satz des laaangen Testberichts zum neuen Mac OS X Mavericks von John Siracusa amüsiert mich sehr:

«  You met me at a very strange time in my life. »

Er zitiert «Fight Club» und bezieht die Aussage auf das OS, aber ich verstehe den Satz absichtlich falsch: Ich treffe Siracusa an dem Punkt in seinem Leben, an dem er vierundzwanzig (24!) Seiten über ein «neues» OS schreibt, das im wesentlichen ein Service Pack ist. Ja, das ist tatsächlich sehr seltsam.

Jedes Detail ist ihm ein Abschnitt wert, er ordnet ein, er erklärt, bewertet, es kracht nur so vor Sachverständnis, ein Parforce-Ritt. Vorwerfen kann man ihm dabei nichts, gar nichts, ausser eben völlig unkontrollierte, absurde Länge. Und das von mir, der ja selber wenig Berührungsängste mit Länge hat!

Den Lesern ist die Länge allerdings gerade recht: «John Siracusa, you are awesome.», «Siracusa, you are a god.» etc.

Die Zwergenfestung ausstellen

Dass ich «Dwarf Fortress» mag, dürfte euch schon aufgefallen sein. Nun schreibt der Künstler Eron Rauch für das Blog «Video Game Tourism» einen Bericht, wie er im Museum of Modern Art in New York eine Ausstellung besucht, die auch «Dwarf Fortress» zeigt.

Dass eines der bedeutendsten Museen für Gegenwartskunst Games in die Sammlung aufnimmt und ausstellt, ist ohne Zweifel ein wichtiger Schritt für das Medium. Doch Rauch erzählt, wie ihn die Art und Weise, wie «Dwarf Fortress» gezeigt wird, verwirrt und enttäuscht zurück lässt:

«  The game is reduced to a pre-programed loop where the infinitely branching complexity is left mute, illegible, un-explorable, and most critically, immutable. For anyone that has played Dwarf Fortress, these attributes are completely antithetical to the overwhelming messy experience of interacting with that unholy beast of an algorithm that has consumed a decade of its two creators' lives. »

Er macht dann einige konstruktive Vorschläge, wie man es hätte besser machen können. Beispielsweise mit mehreren grossen Prints der generierten Karte die Vielfalt der möglichen Welten zeigen. Oder eine vollständig ausgebaute Zwergenfestung in Aktion. Oder eine Legende, welche Symbole auf der Karte was bedeuten.

So zeigt das Museum of Modern Art stattdessen, dass es noch nicht dem neuen Medium umzugehen weiss – und verfehlt damit auch das Ziel, den Besuchern zu erklären, warum sie den Games Respekt zollen sollten.