Digital am Sonntag, Nr. 5: Kirk Douglas vs. Sponge Bob

Am Wochenende hat man Zeit zum Lesen. Deshalb stellen wir hier jeden Freitag die Artikel zu Digital-Themen zusammen, die wir lesenswert finden.

Entspanntes Lesen in bequemen Sesseln.

Bildlegende: Es muss nicht immer Zeitung sein. Gaetan Bally/Keystone, Montage

Virtuelle Trauer

Die erste Staffel der Channel-4-Serie «Black Mirror» von Charlie Brooker war ein visionärer, eiskalter Blick in die nahe Zukunft unserer zunehmend digitalisierten Gesellschaft. Nun hat die zweite Staffel begonnen, mit einem tollen Thema: Eine junge Frau verliert ihren Mann bei einem Verkehrsunfall. Und nutzt dann (zunächst widerwillig) einen Online-Dienst, der aus den Social-Media-Daten eine virtuelle Figur des Verstorbenen rekonstruiert. Mit der sie dann chattet und telefoniert, als wäre ihr Mann noch am Leben. Das Blog Nerdcore bemerkt, dass es nicht in erster Linie um simple Technologie-Kritik gehe, sondern um eine Extrapolation, wie sich Trauer durch das Vorhandensein digitaler Spuren grundlegend verändern könnte:

« [Die Geschichte] ist eine fast exakt genaue Beschreibung der sogenannten Trauerphasen […]. Brooker […] untersucht dabei, was passiert, wenn das Bild des verstorbenen Menschen nicht mehr länger nur im Kopf, sondern real existiert. »

Falsche Freundin

David Lee hat sich eine Freundin gekauft. Sophia heisst sie, und gekostet hat sie fünf Dollar. Eine Woche lang war sie Davids Freundin – auf Facebook. Eine besonders aktive Gestaltung der digitalen Identität – und Lee bemerkt ein eher unappetitliches Motiv:

« Having a Facebook girlfriend was extremely hard work. And for what? As Sophia says, the main motivation for hiring someone like her is to make someone else feel bad about themselves. »

Die virtuelle Uni und die reale Überschwemmung

Professor Jeff Brand in Queensland, Australien, baute zusammen mit seinen Studenten den Campus der Universität nach, im Spiel Minecraft. Als kürzlich während der verheerenden Fluten die Universität geschlossen wurde, hielt er mit seinen Studenten trotzdem eine Lektion ab, in ihrem selbst gebauten virtuellen Schulzimmer. Mark Serrels vom Game-Blog Kotaku beschreibt die surreale Szene:

« One by one a parade of Minecraft avatars sauntered into class. […] The impact of the floods were huge. Some students were without internet, tethering charged up mobile phones to charged up laptops […]. Some couldn't make it. One student was trapped down in Coffs Harbour, others had no power whatsoever. All of the students attended from home. Except Jeff, who headed into Bond University for some insane reason. He was sitting at his actual desk, while standing in his virtual classroom. In Minecraft. »

Unser Stern

Alan Friedman fotografiert die Sonne. Er richtet ein Teleskop direkt ins Licht, und filtert so, dass es seine Kamera nicht zerstört. Er schärft und putzt und färbt die Fotos, bis wunderbar ruhige Porträts unseres Sterns entstehen. Das Blog Colossal zitiert ihn so:

« My photographs comprise a solar diary, portraits of a moment in the life of our local star. […] It is photojournalism of a sort. The portraits are real, not painted. Aesthetic decisions are made with respect for accuracy as well as for the power of the image. »

Raubkopierte Spiele aus Syrien in Nairobi

Joe Keiser ist auf Besuch in Nairobi und stöbert dort durch die lokalen Game-Shops. Er treibt dabei Fundstücke auf, die man nicht anders als «a huge pile of WTF» beschreiben kann. Zum Beispiel eine modifizierte Version von «Grand Theft Auto: San Andreas», in dem die Ladebildschirme mit Nahaufnahmen von Kirk (und Michael) Douglas ersetzt sind, die Hauptfigur ebenfalls geradeso Kirk darstellt und sämtliche Missionen entfernt wurden. Keiser fragt sich, wie wir auch:

« Why would someone make this? Is there some shadow demographic of Grand Theft Auto/Kirk Douglas fans that is going completely unserved? No? Then let us create one, you and I, and give this labor of love the respect it deserves. »

Viele dieser wirren Kreationen wurden offenbar in Syrien (!) produziert. Das Magazin Gameological zeigt verwundert die köstlichen Titelbilder unzähliger Spiele aus der Raubkopierer-Bude «Syrian Games». In der GTA offenbar nicht nur mit lokalen Grössen (Goran Inzibat? Hussein Al Jasmi?) kombiniert wird, sondern auch mit Sonic oder Sponge Bob. Jup, Sponge Bob.