Digital am Sonntag, Nr. 67: Töten aus sicherer Distanz

Das Thema dieses Wochenende: Per Drohne Menschen zu töten, sei fast wie ein Computerspiel, wird oft behauptet. Ein Bericht widerspricht und vergleicht Drohnen-Piloten eher mit Scharfschützen.

Entspanntes Lesen in bequemen Sesseln.

Bildlegende: Lesen und nachdenken über: Psychische Auswirkungen der Kriegsführung mit Drohnen. Gaetan Bally/Keystone, Flickr, Montage SRF

Wenn es um die ethische Bewertung der Kriegsführung per Drohnen geht, kommt häufig das Argument, Drohnen verwandelten Krieg in ein Computerspiel. Denn natürlich gibt es grosse visuelle Ähnlichkeiten zwischen dem Schirm, den ein Drohnen-Pilot auf einer Basis in Nevada vor sich hat und dem Bildschirm eines Gamers. Auch die Input-Methoden sind ähnlich. Und Gamer sind offenbar gut geeignet, gute Drohnen-Piloten zu werden.

Doch der Umkehrschluss – Fliegen und Töten mit einer Drohne fühle sich gleich harmlos an wie ein Game – stimmt so nicht. Im Gegenteil, sagt ein Bericht, den David Kravets für das Tech-Blog «Ars Technica» zusammenfasst. Drohnen-Piloten beobachten ihre Ziele lange, was verunmöglicht, letztere zu «entmenschlichen»:

«  UAVs permit killing from a safe distance — but so do cruise missiles and snipers' guns. And ironically, the men and women who remotely operate lethal UAVs have a far more «up close and personal» view of the damage they inflict. [… S]ome evidence suggests that UAV operators are particularly vulnerable to post-traumatic stress: they may watch their targets for weeks or even months[…]. »

Entsprechend leiden Drohnen-Piloten öfter unter Stress und Burnouts als andere Armeeangehörige und haben damit ein hohes Risiko posttraumatischer Störungen.

Der Vergleich mit Scharfschützen ist plausibel. Die psychischen Effekte scheinen ähnlich zu sein, wie sie Stephanie Hegarty schon vor einer Weile für die BBC beschrieb:

«  Snipers are much less likely than other soldiers to dehumanise their enemy in this way. [… S]nipers can see their targets with great clarity and sometimes must observe them for hours or even days. «It's killing that is very distant but also very personal,» says anthropologist Neta Bar. «I would even say intimate.» »

Doch während Scharfschützen streng ausgewählte Elite-Soldaten sind, braucht es schlicht viel mehr Drohnen-Piloten. Einen Einblick in deren Ausbildung gibt Corey Mead im Magazin «The Atlantic». Da geht es auch darum, mit Monotonie umgehen zu können:

«  About 97 percent of a drone operator's job — the boring part — involves […] intelligence, surveillance, and reconnaissance. The other 3 percent of the job involves […] dropping bombs and firing missiles. »

Der eingangs zitierte Bericht kommt von CIA und Pentagon. Man könnte nun vermuten, dass man dort naturgemäss das Drohnen-Programm schönzufärben versucht, auf das man wesentlich abstützt. Doch der Bericht äussert sich sehr wohl kritisch: Das Drohnen-Programm liesse die USA in einen Dauer-Kriegszustand abrutschen.

Zudem sei das Programm schlicht nicht wirksam: Obwohl bereits über 2'400 Personen durch Drohnen getötet wurden, seien islamistische Extremisten nicht geschwächt worden – was der aktuelle Vorstoss des ISIS im Irak nur zu deutlich macht.