Digital am Sonntag, Nr. 7: Drei Millionen Berge, ein Vogel

Am Wochenende hat man Zeit zum Lesen. Deshalb stellen wir hier jeden Freitag die Artikel zu Digital-Themen zusammen, die wir lesenswert finden.

Entspanntes Lesen in bequemen Sesseln.

Bildlegende: Es muss nicht immer Zeitung sein. Gaetan Bally/Keystone

Neue Erkenntnisse zu Stuxnet

Das Virenschutz-Unternehmen Symantec untersucht immer noch den Computerwurm Stuxnet, der 20120 entdeckt wurde und der ein Cyber-Sabotage-Angriff auf iranische Nuklearanlagen durchführte. Kim Zetter im Security-Blog Wired Threat Level und Dan Goodin im Technik-Blog Ars Technica beschreiben die neusten Erkenntnisse. Es wurde eine frühere Variante von Stuxnet gefunden, die schon zwei Jahre früher als bisher bekannt, ab 2005, im Umlauf war. Diese Variante probierte eine andere Sabotage-Strategie: Statt die Drehgeschwindigkeit der Uran-Zentrifugen zu manipulieren, sollte sie bestimmte Gas-Ventile schliessen. Die Entdeckung der Variante beantwortet einige offene Fragen, da sie z.B. deaktivierte Code-Abschnitte der bisher bekannten Version erklärt. Mal abgesehen von den politischen Implikationen des Angriffs beeindruckt nach wie vor die technische Leistung – was dieser Leser von Ars Technica zum Ausdruck bringt:

« Just incredible that someone conceived code of this magnitude back then, when everything was so young and untested. These guys, if nothing deserve a gold star, for being the elite of the soldiers for future warfare. »

Die Google-Brille und der Blick in die Zukunft

Nerd-Posterboy Joshua Topolsky beschreibt für The Verge seine ersten Erfahrungen mit der Google-Brille «Glass», wohl eines der aufregendsten Geräte, die dieses Jahr auf den Markt kommen sollen. Was Google damit erreichen will, könnte bedeutend sein: Statt ständig auf die Bildschirme unserer Smartphones zu starren, soll Technologie im Hintergrund verschwinden, aber unsichtbar präsent bleiben. Der Bericht von Topolsky verdeutlicht eine Zukunft, in der wir ständig filmen, ständig Zusatzinfos abfragen, ständig mit dem Netzwerk verbunden sind – eine wilde Science-Fiction-Geschichte, eingeholt von der Realität. Und seine Eingangs-Frage beantwortet Topolsky so:

« Who would want to wear this thing in public? […] After a few hours with Glass, I've decided that the question is no longer 'if', but 'when'. »

Es wird nie, nie, nie alles gesagt sein

Randall Munroe, Autor des grossartigen Webcomics XKCD, schreibt seit einer Weile ein fantastisches Blog, wo er unter dem Titel «What if?» hypothetische Fragen in aller Ernsthaftigkeit wissenschaftlich zu beantworten versucht. In der aktuellen Folge fragt ein Leser, wie viele englische Tweets eigentlich möglich sind und wie lange es dauern würde, alle vorzulesen. Die Zahl ist unvorstellbar gross: Würde man jeden Tag 16 Stunden lang Tweets vorlesen, und würde alle 1000 Jahre ein Vogel mit seinem Schnabel oben auf einen Berg picken, so lange bis dieser Berg ganz abgetragen ist – dann müsste er mehr als drei Millionen Berge abtragen, bevor uns die Tweets ausgehen! Whoa!

« 140 characters may not seem like a lot, but we will never run out of things to say. »

Rappen für den Dschihad

Spencer Ackerman erzählt im «Danger Room»-Blog von Wired eine Geschichte aus ganz und gar unerwarteter Mixtur: Rapper, Al-Kaida und Urheberrecht. Offenbar gibt es einen in Alabama aufgewachsenen Amerikaner mit dem Nom de guerre «Abu Mansur al-Amriki», der sich der Shabaab-Miliz in Somalia angeschlossen hat. Als Teil der Al-Kaida-Propaganda reimt er Tracks wie «Send Me A Cruise» (er meint die Rakete). Nun scheint sich Abu Mansur mit der Kaida verkracht zu haben. Und ihm wird unter anderem vorgeworfen, seine Reime geklaut zu haben. Wired zitiert eine online zirkulierende Schmähschrift:

« [T]he Jihadi rap that are often erroneously attributed to Abu Mansur are the work of another Muhajir — another American Mujahid — but, of course, Abu Mansur would never say otherwise. »