Digital am Sonntag, Nr. 79: Zeitreisen!

Ein Beitrag für alle, die ihre Wochenenden an liebsten im Sitzsack lümmelnd mit dem Bong in der Hand und einer Reggae-Platte aus dem Lautsprecher verbringen: Zeitreisen! Zur Klärung der Frage, ob Besucher aus der Zukunft schon unter uns sind, durchsucht die Wissenschaft auch das Internet.

Die Marty McFlies lesen die Zeitung.

Bildlegende: Lesen und nachdenken über Zeitreisen. Gaetan Bally/Keystone, Montage SRF

Adam Clark Estes hat auf der Webseite Gizmodo zur Frage, ob Zeitreisen möglich sind, einen leicht zu lesenden und kurzen Überblick zusammengestellt. Gleich zu Beginn stellt er fest, dass sich für das nicht nur Spinner Thema interessieren, sondern auch die Wissenschaft.

«  It sounds like a silly question, but it's one that many scientists actually take very seriously. »

Und in der Theorie zumindest – jedenfalls wenn es um Reisen in die Zukunft geht – erlauben die Gesetze der Physik das Reisen durch die Zeit. Dazu gibt es in Estes' Text ein kurzes Video, das man auch versteht, wenn man Dinge wie Wurmlöcher oder Einsteins Relativitätstheorie nur aus Star-Trek-Episoden und Umschlagstexten populärwissenschaftlicher Bücher kennt.

Die Einladung erst nach der Party

Danach erzählt der Artikel von den Versuchen, die Möglichkeit von Zeitreisen durch die Suche nach Zeitreisenden in unserer Gegenwart zu beweisen. Oder weniger kompliziert ausgedrückt: Falls Zeitreisen tatsächlich möglich sind, dann dürfte wohl irgendwann in der Zukunft jemand eine Zeitmaschine gebaut haben und damit in unsere Zeit gereist sein.

Deshalb hat der Physiker Stephen Hawking vor zwei Jahren solche Zeitreisende anzulocken versucht. Er veranstaltete in einem Raum der Universität Cambridge eine Party, mit Champagner und Snacks und einem Banner mit der Aufschrift «Willkommen Zeitreisende!» Der Clou der Party: Hawking erzählte im Voraus niemandem davon, sondern machte den Anlass erst publik, nachdem er schon zu Ende war – so dass nur jemand aus der Zukunft überhaupt rechtzeitig hätte aufkreuzen können. Was aber niemand tat.

Keine Zeitreisenden im Internet

Und wer nun denkt, ein Thema wie Zeitreisen sei gut und recht, habe in einer Digital-Rubrik aber nichts verloren, dem sei hier das Gegenteil bewiesen: Einer der jüngsten und umfassendsten Suchen nach Zeitreisenden in der Gegenwart fand nämlich im Internet statt. Robert Nemiroff und Teresa Wilson von der Michigan Technological University durchforsteten Ende 2013 Facebook, Twitter, Google, Google+ und sogar Bing nach Spuren von Besuchern aus der Zunft. Und zwar in Einträgen, die zwischen Januar 2006 und September .2013 erfasst worden waren.

Dabei suchten sie gezielt nur nach Begriffen, die in dem Zeitraum noch gar niemand kennen konnte. Allerdings: Auch sie fanden keine Zeitreisenden. Zur endgültigen Beantwortung der Frage, ob Zeitreisen möglich sind, müssen wir uns also noch ein wenig mehr als ein Jahr gedulden. Denn am 21. Oktober 2015 wird «Back to the Future»-Marty McFly aus der Vergangenheit in das Hill Valley der Zukunft reisen. Oder auch nicht.