Digital am Sonntag, Nr. 9: Weder lesen noch pfeifen

Am Wochenende hat man Zeit zum Lesen. Deshalb stellen wir hier jeden Freitag die Artikel zu Digital-Themen zusammen, die wir lesenswert finden.

Entspanntes Lesen in bequemen Sesseln.

Bildlegende: Es muss nicht immer Zeitung sein. Gaetan/Keystone

Keine Gnade für die Piraten hinter schwedischen Gardinen

In der «Digital am Sonntag» Ausgabe Nr. 3 von Anfang Jahr haben wir bereits über die Mutter eines der inhaftierten Gründer der schwedischen Bittorrent-Seite «The Pirate-Bay» berichtet und über das ganz neue Licht, dass sie auf die Tausch-Plattform wirft.
Gemäss Netzpolitik sind jetzt zwei der insgesamt vier Verurteilten Bit-Räubern vor dem Europäischen Gericht für Menschenrechte mit ihrem Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens abgeblitzt. Damit haben die Piraten nun wohl alle juristischen Mittel ausgeschöpft.

« In der Begründung heisst es, dass Sundes und Neijs Recht auf freie Meinungsäusserung durchaus verletzt wurde, jedoch sei dies in einem legitimen Rahmen und zur Wahrung der Urheberrechte der Kläger passiert. »

Google verärgert Zehntausende mit dem Ende des Readers

Die Ankündigung, dass Google seinen RSS-Reader per Mitte Jahr abschalten will, hat Scharen von Nutzern auf die Palme getrieben. Einige von ihnen allerdings nur im ersten Moment. Martin Weigert schreibt zum Beischpiel auf seinem Blog netzwertig.com, dass sein anfänglicher Ärger einer baldigen Erleichterung gewichen sei. Google habe ihn mit dem Schritt dazu gezwungen, sich nach Alternativen umzuschauen, und der Konkurrenz einen Steilpass gegeben, um mit innovativen neuen Konzepten auf sich aufmerksam zu machen.

« Für mich ist der Google Reader der einzige aus heutiger Sicht unersetzliche Dienst aus dem Hause Google. Dass der Konzern mir ausgerechnet diesen nimmt, ist ärgerlich, aber es macht es mir ultimativ noch leichter, eine distanzierte Haltung einzunehmen und meine Unabhängigkeit von den Launen des Larry Page & Co sicherzustellen. »

Dieter Bohn von The Verge bläst in ein ähnliches Horn. Neben dem Entschluss, dem Google Reader nicht lange nachzutrauern, macht er sich aber ernsthafte Sorgen um die Zukunft des offenen Web-Standard RSS. Er argumentiert auch schlüssig, dass Twitter RSS keinesfalls überflüssig mache, so wie das gewisse Leute behaupten.

« Killing Google Reader isn't the same thing as killing the open web, but the open web isn't something we should take for granted. We should fight for it, and we should fight for RSS to continue as a part of it. »

Was ist eigentlich aus den Whistle-Blower Seiten geworden?

Dieser Frage geht Ars Technica in einem längeren Artikel nach. Schliesslich liegt die letzte prominente Veröffentlichung auf WikiLeaks fünf Monate zurück. Nach den Wirren um WikiLeaks sind in den letzten zwei Jahren einige alternative Whistle-Blower Seiten entstanden. Die wenigsten sind allerdings je relevant geworden.
Auch der ehemalige WikilLeaks-Mitarbeiter Daniel Domscheit-Berg hat mit seinem Projekt «OpenLeaks» seine selbst gesteckten Ziele bis jetzt nicht erreicht. Er werkelt mit seiner Frau und einem halben Dutzend Helfern in einem Haus rund 50 Kilometer nördlich von Berlin aber weiter an seinem «besseren WikiLeaks».

« Most of these clones never got very far and appear to have all but shut down. Balkanleaks seems to be just one of a handful still actively receiving and publishing new documents. I think this points to the fact that what WikiLeaks did was fairly unique and probably a few years ahead of its time. »

Und übrigens: Julian Assange sitzt noch immer unter faktischem Hausarrest in der ecuadorianischen Botschaft in London.