Displays: Kurven auf Biegen und Brechen – macht das Sinn?

Gekrümmte Displays und Sensoren sind heute technisch machbar und so bringen die Elektronik-Konzerne immer neue Geräte auf den Markt, die im schicken Kurvendesign daherkommen. Doch in welchen Fällen macht das wirklich Sinn?

Bananen und Smartphone mit gebogenem Smartphone

Bildlegende: Gebogene Smartphones: Macht das wirklich Sinn? Collage / SRF

Nicht jedes Gerät eignet sich zum Verbiegen: Verbogen wird vor allem dann, wenn der Bildschirm das zentrale Element ist. Denn möglich wurden die Kurven erst dank der neuen OLED-Technolgie, die sich bei Bildschirmen immer mehr durchsetzt.

Anders als bei den herkömmlichen LCD-Anzeigen, die mit LEDs beleuchtet werden, ist die OLED-Lichtquelle auf einer dünnen Folie angebracht. Die ist biegsam und erlaubt den Bau kurvenreicher Geräte in einem grösseren Ausmass, als das mit der aktuellen Technologie möglich ist. Doch macht es Sinn, das technisch Machbare auch umzusetzen? Teils ja, teils nein – die Argumente:

Wie im Kino!

Fernseh-Hersteller loben ihre neuen gekrümmten Geräte in den höchsten Tönen und argumentieren mit dem Kino: Das Display sei gebogen wie eine Kino-Leinwand und deshalb tauche man nun auch beim Fernsehen in den Film ein wie im Kino.

Gebogener Bildschirm

Bildlegende: Vermeintliches Kino: Gebogener Bildschirm von Samsung. Samsung

Doch so einfach ist es nicht. Kinoleinwände sind gebogen, weil der projizierte Film sonst an den Rändern verzerrt wäre, ein Problem, dass bei Flachbildschirmen erst gar nicht aufkommt. Ausserdem vermeidet die gebogene Leinwand, dass man bei dem extrem breiten Bild im Kino ständig den Kopf drehen muss. Auch das ist beim 16:9-Fernsehen im Wohnzimmer kein Thema.

Kritiker argumentieren, dass ein gebogener Bildschirm nicht nur überflüssig ist, sondern sogar kontraproduktiv. Anders als im Kino gebe es vor den neuen Fernsehern nur einen Platz, an dem man das Bild optimal sähe, alle anderen hingegen sehen das Programm wegen der Krümmung verzerrt.

In die Röhre gucken – oder in die Banane

LG

Bildlegende: Bananen-Handy: Smartphone von LG mit gebogenem und biegsamem Screen. Gebogenes Smartphone

Die beiden koreanischen Konzerne Samsung und LG haben jeweils ein Smartphone mit gebogenem Display auf dem Markt. Zu den Vorteilen zählen die Hersteller eine verbesserte Ergonomie – es liegt besser in den Händen.

Das Modell von LG ist nicht nur gebogen, sondern auch biegsam, also nicht steif. Vorteil laut Hersteller: ein robusteres Gerät.

Samsung hat dank der Biegung gleich noch ein neues Bedienkonzept entwickelt: Liegt das Gerät auf einer flachen Unterlage so merken das die Sensoren und die Wipp-Bewegung des Gerätes wird in diesem Fall zu einer Steuerung.

Beide Konzerne haben die Nase vorn und testen die neue Technologie im Markt. Das ist gut fürs Image als innovativer Technologie-Konzern – dabei geht es eigentlich nur ums Design. Erst wenn die gekrümmten Smartphones auf dem Markt sind wird sich zeigen, ob sich die Kunden davon verführen lassen.

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Uhren-Armband: Schon immer gebogen

Handgelenk mit FitGear, einem Wearable Device mit gebogenem Display.

Bildlegende: Tragbares Display: Ergonomische macht der gebogene Bildschirm von Samsung Sinn. SAMSUNG

Anfang Jahr hat Samsung eine Smartwatch mit gebogenem AMOLED-Display präsentiert, nach eigenen Angaben das erste «Wearable Device» mit dem neuartigen Bildschirm. Gerüchteweise solle auch Apple bald mit einer Smartwatch auf den Markt kommen, die auf einem gebogenen Display basiert.

Beim Samsung-Modell gehen Uhr und Armband nahtlos ineinander über, die Krümmung macht ergonomisch Sinn. Endlich trägt man keinen Klotz mehr am Arm: Die OLED-Displays mit Kurven machen Smartwatches und Fitnessgeräte filigran, bequem und fast unsichtbar.

Gebogener Sensor statt teure Objektive

Bild eines Modelles, nach hinten unscharf.

Bildlegende: Gekrümmter Sensor: Diese Aufnahme wurde mit einem gebogenen Sensor gemacht, einem Prototypen von Sony. Sony

Sony hat diese Woche den Prototypen eines gebogenen Bildsensors für Kameras vorgestellt. Dieser Sensor hat mehrere Vorteil: Er hebt etwa einen Abbildungsfehler auf (die sogenannte Bildfeldwölbung) und löst das Problem der dunklen Ränder (Vignettierung). Das klingt vielversprechend: Heute versucht man, diesen Schwächen mit komplizierten Linsensystemen entgegenzuwirken. Mit dem neuen Sensor kann man in Zukunft mit einfacheren und billigeren Objektiven qualitativ hochstehende Aufnahmen machen. Da braucht es keine Marketingabteilung, um die Verkaufsargumente zurechtzubiegen.

Die Krümmung hat ihre grosse Zukunft also wahrscheinlich weniger bei den Anzeigen als bei den Sensoren, die ganz neue Möglichkeiten für die Bilderfassung ermöglichen.