Facebook Messenger: «Häsch mer en Stutz?»

Schon bald kann man in den USA über Facebook nicht nur liebe Grüsse und aufmunternde «Likes» verschicken sondern auch harte Währungen: Das soziale Netzwerk steigt ins Geschäft mit der Geldüberweisung ein. Die Anforderungen an die Nutzer sind minimal, das Potenzial gross.

Screenshot Facebook Messenger

Bildlegende: Facebook Messenger: Kann nun auch Geld überweisen. Facebook

Sich unterwegs über den Facebook-Messenger mit Freunden absprechen und einen gemeinsamen Kino-Abend organisieren ist heute schon für viele Nutzer des sozialen Netzwerkes etwas Alltägliches: Man legt vom Smartphone aus einen gemeinsamen Termin fest und bestimmt, wer die Kinokarten reserviert. Schon bald kann man in den USA aber noch einen Schritt weiter gehen. Wer über eine Debitkarte verfügt, kann nämlich einem Freund im Messenger statt einer Textmeldung auch einen Geldbetrag überweisen – für die Kinokarte zum Beispiel.

«Ich bin auch eine Bank»

Was sich schon seit mindestens einem Jahr abgezeichnet hat, wird nun Realität: Facebook wird zum Finanzdienstleister. Vorerst zwar noch in einem bescheidenen Rahmen, denn Geld kann man erst einmal nur an Freunde schicken. Eine weiter Einschränkung: Überweisungen sind nur mit einer Debitkarte möglich, Kreditkarten oder PayPal werden noch nicht unterstützt.

Es dürfte jedoch bloss eine Frage der Zeit sein, bis Facebook sein Angebot an finanziellen Dienstleistungen ausweitet. Denn das Potenzial ist gross: Wäre es beispielsweise möglich, Geld statt an Personen auch an eine Facebook-Page zu schicken, so könnten Nutzerinnen ohne grossen Aufwand ein bestehendes Facebook-Konto zu einem Online-Laden ausbauen. Die Facebook-App auf dem Smartphone könnte in Zukunft auch die Kreditkarte ersetzen.

Facebook ist nicht das erste soziale Netzwerk, das ins Geschäft mit der Geldüberweisung einsteigt. In China ist das schon seit längerem mit der Messenger-App «WeChat» möglich. Das soziale Netzwerk, das in Asien 500 Millionen Nutzer miteinander verbindet, ist damit sehr erfolgreich. Wann man auch ausserhalb der USA über Facebook Geld überweisen kann, ist noch nicht bekannt. Wie die Financial Times berichtet hat, soll Facebook bereits vor einem Jahr kurz davor gestanden haben, von den irischen Behörden die dazu notwendige Lizenz für Europa zu erhalten.

Sicherheit zentral

Für einen Aussenstehenden mag der Eintritt von Facebook ins Bezahlgeschäft exotisch wirken. Das soziale Netzwerk weist aber darauf hin, dass das Unternehmen bereits über grosse Erfahrung mit der Abwicklung von Online-Überweisungen verfügt – mit der Abrechnung von Werbegeldern nämlich, die die Kunden des Netzwerkes tätigen, wenn sie Anzeigen schalten.

Dem Aspekt der Sicherheit kommt dabei zentrale Bedeutung zu. Facebook betont, dass die Infrastruktur den höchsten Anforderungen genügt. Und: Das Unternehmen versucht, allfällige Betrügereien bei der Geldüberweisung frühzeitig zu erkennen. Dazu hat Facebook im vergangenen Jahr mit David Marcus einen Manager vom Bezahldienst PayPal abgeworben, der über das notwendige Know-how verfügt. PayPal hat nämlich schon früh erkannt, wie wichtig die automatische Erkennung einer betrügerischen Überweisung ist. Das Unternehmen hatte dadurch den entscheidenden Vorsprung gegenüber der Konkurrenz. Das hat dem Startup schliesslich das Überleben gesichert.

Nachrichten-App «WeChat»

2011 lancierte das chinesische Unternehmen Tencent die App «WeChat» zum Veröffentlichen von Nachrichten und zum Geld überweisen. Seit einem Jahr kann man damit online bezahlen aber auch in Bars und Restaurants. 400 Millionen Chinesen benützen «WeChat», weltweit kommunizieren 500 Millionen Nutzer über den Dienst.