«Battlefield 4»: Kampf gegen den Absturz

«Battlefield 4» ist ein Schiessspiel, das Kooperation fördert und mit grossen Schlachtfeldern glänzt, die sich immerzu verändern. Und obwohl es ständig abstürzt, finde ich es grossartig.

Bitte entschuldigt, wenn ich zu Beginn tief in die untere Sprachschublade greife: «Battlefield 4» ist ein instabiles Stück Scheisse.

Uff. Das musste ich erst rauslassen. Nun lehne ich mich zurück und differenziere: Instabil zumindest im Moment – Hersteller Dice hat natürlich Verbesserungen angekündigt. Ausserdem beziehe ich mich auf die PC-Version; die Konsolen-Varianten sollen stabil laufen. Aber weil die Shooter-Connaisseurs immer betonen, man müsse Shooter am PC spielen, tue ich das. Und natürlich weiss man als PC-Spieler, auf was man sich einlässt.

Die Grafik-Einstellungen, die mir das Spiel im Automatik-Modus vorschlägt, sind viel zu hungrig und funktionieren nicht. Ich muss eine Beta-Version meines Grafikkartentreibers installieren, um überhaupt einigermassen stabil spielen zu können – zuvor kann ich im Mehrspielermodus keine einzige SpSTOP: 0x0000007E (0xC0000005, 0xF88FF190, 0x0xF8975BA0) ARTICLE HAS CRASHED. DXGMMS1.SYS ADRESS FBFE7617 BASE AT FBFE3000. BEGINNING DUMP OF PHYSICAL MEMORY. REBOOTING ARTICLE

Ahh! Was war das denn!? Egal, weiter im Text: Ich kann im Mehrspielermodus keine einzige Spielrunde abschliessen ohne Absturz.

Doch auch wenn ich auf meinem PC alles in Ordnung gebracht habe, ist die Abstürzerei noch lange nicht vorbei. An zwei Abenden im Mehrspieler stürzen etwa alle zwei bis drei Spiele die Server ab, auf dem die Partie läuft. Dadurch fliegen alle dreissig bis sechzig Spieler raus und verlieren ihre Fortschritte der letzten halben Stunde.

Blanke Felsen und Wände.

Bildlegende: Da sollte ich nicht sein: aus der Spielwelt gefallen. Screenshot

Und auch in der Einzelspieler-Kampagne läuft längst nicht alles rund. An einer Stelle im Tashgar-Level, die vom Spiel ganz offensichtlich als Speicherpunkt vorgesehen ist, speichert das Spiel trotzdem nicht. In Singapur sprintet plötzlich einer meiner computergesteuerten Begleiter wie von der Tarantel gestochen an mir vorbei, schleudert mich dabei von einer Leiter runter – und zwar so schwungvoll, dass ich durch die Korridorwand durchfliege und mich ausserhalb der Spielwelt im Wasser neben kahlen Felsen wieder finde. Kein Neustart bringt das Spiel dazu, mich wieder in den Korridor zu setzen; ich muss den Level ganz von vorn beginnen.

Mit anderen Worten: Dieses Spiel ist schlicht und einfach nicht fertig. Das hätte man so nicht veröffentlichen dürfen. Dass es Electronic Arts und Dice trotzdem getan haben, hat wohl ausschliesslich mit dem grossen Konkurrenten «Call of Duty» zu tun: Man wollte um jeden Preis zuerst in den Läden sein. Das halte ich für eine bescheuerte Markt-Strategie, weil man damit gerade seine härtesten Fans am meisten verärgert. Aber es ist, wie es ist.

Und jetzt kommt's: Trotz alledem finde ich «BattlefSTOP: 0x0000006F (0x000000AC, 0x0FF000630, 0x0xEAC00EF0) ARTICLE HAS CRASHED. ATIKMDAG.SYS ADRESS ECA03425 BASE AT BDCA0000. BEGINNING DUMP OF PHYSICAL MEMORY. REBOOTING ARTICLE

Ahhh, schon wieder!! Gerade jetzt muss der schon wieder abstürzen?!? Muss ich es mir noch einmal überlegen? Nein: Ich finde «Battlefield 4» trotzdem grossartig.

Das fängt schon mit der Einzelspieler-Geschichte an. Es ist in den letzten Jahren zu einem Mantra geworden, dass sich alle in grosser Einigkeit nachbeten: Die «Call of Duty»-Geschichten seien cool, die von «Battlefield» doof. Das finde ich nicht, ich kann da keinen fundamentalen Unterschied erkennen.

Die Hauptfiguren streiten sich.

Bildlegende: Irish ist ein Philosoph. Screenshot

Natürlich machen weder Geschichte noch Figuren von «Battlefield 4» Sinn oder sind in irgendeiner Weise denkwürdig. (Eine schöne Zusammenstellung der unzähligen Ungereimtheiten gibt es hier).

Doch seit dem noch einigermassen cleveren «Modern Warfare 2» wurden auch die «Call of Duty»-Geschichten mit jeder Version bescheuerter.

Und während mir «CoD» ständig sagt, was ich tun soll, lässt mir «BF 4» etwas mehr Raum. Natürlich sind auch hier die Level streng linear; aber ich habe etwas mehr Platz, um verschiedene Varianten auszuprobieren. Das geht zwar auf Kosten der Achterbahn-Dramaturgie, die «CoD» so gut macht wie niemand sonst. Doch «BF 4» lässt mich spielen und will mir nicht nur eine tolle Explosion nach der anderen um die Ohren hauen.

Im Mehrspieler, dem Herz des modernen Schiessspiels, glänzt «Battlefield 4» nach wie vor. Grund dafür ist das Design, die Grösse und die Komplexität der Schlachtfelder. Und das Konzept namens «Levolution». Das ist ein aussergewöhnlich bescheuerter Begriff, und man kann sich streiten, wie neu die Idee ist. Aber es fuSTOP: 0x0000000E (0x0100000D, 0x01000562C, 0x0x1600CDF0) ARTICLE HAS CRASHED. NVLDDMKM.SYS ADRESS FFE20012 BASE AT BDCA0000. BEGINNING DUMP OF PHYSICAL MEMORY. REBOOTING ARTICLE

Oh, komm! Jetzt reicht es langsam!! Ich wollte doch grade sagen: Es funktioniert schlicht grossartig.

Also, «Levolution» bedeutet: Die Levels verändern sich im Verlauf einer Partie. Von kleinen Dingen wie sehr vielen zerstörbaren Wänden zu grossen Ereignissen wie dem Einsturz eines Wolkenkratzers – sie verändern die Taktik entscheidend und beeinflussen den Verlauf der Schlacht. Und: Sie geschehen meist nicht einfach zu einem bestimmten, vorprogrammierten Zeitpunkt, sondern sie werden von den Spielern herbeigeführt, die mit Panzern oder Sprengladungen herumwüten.

Die Schlachten sind dadurch unglaublich dynamisch. Die ersten zehn Minuten fühlen sich komplett anders an als die letzten zehn, wenn grosse Teile des Levels in Schutt und Asche liegen.

Aussicht auf Tannen.

Bildlegende: Eine tolle Map: Alte Panzerfabrik im Wald. Screenshot

Dazu versucht «Battlefield 4» beharrlich, Kooperation in einem Squad zu fördern. Sich in einer Gruppe gegenseitig zu helfen, gemeinsam vorzugehen, wird belohnt – nicht nur, weil man zusammen meist erfolgreicher ist als allein im Chaos, sondern auch mit mehr Punkten, also schnellerem Spielfortschritt.

Und so ist «Battlefield 4» ein äusserst soziales Erlebnis – was jene überraschen mag, die Schiessspiele nur vom Zuschauen kennen und wohl eine aggressive Stimmung erwarten. Man ist mit Freunden unterwegs, plaudert entspannt über Headset – und die Stimmung der Gruppe überträgt sich auf das Spielerlebnis. Natürlich fluchen wir auch mal über einen Scharfschützen, der sich fies versteckt. Doch im Gegensatz zu anderen Shootern laufe ich hier nicht ununterbrochen alleine an Frustwände.

Und wenn der Server dann wieder abstürzt, kann man die Wartezeit mit einer netten Plauderei überbrücken.

«Battlefield 4» ist für PC, Xbox 360 und Playstation 3. Es erscheint später auch für Playstation 4 und Xbox One. Es ist ab 18. Das Haikiew ist hier.