CEO-Rücktritt bei Zynga: Unruhe in der neuen Game-Welt

Das CEO-Karussell bei «Farmville»-Hersteller Zynga dreht sich weiter. Der Gründer Mark Pincus gibt die Führung schon wieder ab – kaum ein Jahr nachdem ihn die Firma zurückgeholt hat. Unruhe und Niedergang bei Zynga stehen symbolhaft für Schnelllebigkeit der neuen Welt der mobilen Games.

Mann vor einer Leinwand, darauf ist ein Game projiziert.

Bildlegende: Mark Pincus: Der Zynga-Gründer präsentierte 2011 eine neue Art von Games. Reuters

In den letzten acht Jahren hat Zynga fast eine Milliarde Dollar verloren. Dabei hat alles so schön angefangen: Ab 2009 stieg «Farmville» der Software-Schmiede aus San Francisco zum beliebtesten Game auf Facebook auf. Auf dem Höhepunkt im Jahre 2012 beackerten 72 Millionen Menschen jeden Tag ihren virtuellen Bauernhof.

Zeichen der Zeit erkennen

Bereits 2008 erkannte der Gründer Mark Pincus das Potenzial, das in Games auf sozialen Netzwerken wie Facebook steckt. Über diese Plattform machte er intensiv Werbung für sein Game «Farmville» – an die penetranten Meldungen und Spieleinladungen von Freunden erinnernt man sich ungern.

Auch beim Geschäftsmodell war Zynga innovativ. «Farmville» war zunächst gratis. Bezahlen kam später ins Spiel: Man bezahlte für Gegenstände oder um nicht auf die Ernte warten zu müssen – Zeit ist Geld.

Doch allmählich setzte der Niedergang ein. Nutzerinnen und Nutzer kehrten dem virtuellen Bauernhof im Browser den Rücken zu und begannen stattdessen, auf dem Smartphone mit Apps zu gamen.

Ärgerliche Vögel, streitsüchtige Clans

Vom App-Store-Boom profitierte beispielsweise das finnische Unternehmen Rovio. Mit «Angry Birds» traf es den Nerv der Zeit. Das Geschäftsmodell unterschied sich aber von dem Zyngas: Die App kostete zu Beginn einige Franken, danach nichts mehr (erst später wechselte Rovio auf das Gratis-und-später-zahlen-Modell). Zwei Milliarden Mal wurde «Angry Birds» heruntergeladen, vor allem auf mobile Geräte. Doch mittlerweile sind auch die Vögel im Sinkflug.

Überflügelt wurden Zynga und Rovio von noch einer Firma aus Finnland: Supercell. Ironischerweise setzt das Game-Studio auf ein ähnliches Geschäftsmodell wie Zynga. Wie schon bei «Farmville» steigt man auch bei den Supercell-Hits «Clash of Clans», «Hay Day» und dem neuen «Clash Royale» gratis ein und gibt erst später im Verlaufe des Spiels Geld aus.

Wie spielen, wann wieviel bezahlen

Diese Beispiele zeigen, wie dynamisch die neue, mobile Game-Welt ist. In wenigen Jahren verschob sich die Industrie von PC und Konsolen zum Smartphone und vom Browser zur App. Auch die Geschäftsmodelle wandelten sich enorm: Wann bezahlen Spieler – vor dem Spielbeginn oder laufend? Und welche Beträge geben sie total aus?

Deshalb ist diese neue Game-Welt besonders dynamisch: Es ändert sich nicht nur laufend, was wir spielen. Sondern auch, wo und wie wir spielen. Und wie, wann und wieviel wir dafür bezahlen.