Diese Stadt hat ein Problem

Kein Start nach Mass: Das neue «SimCity» hat mit Serverproblemen zu kämpfen, die beim Launch viele Fans vom Spiel ausschlossen. Schade, denn die 5. Ausgabe des Stadtplanungs-Klassikers bietet neue Möglichkeiten, mit anderen Spielern zusammenzuarbeiten und Grossprojekte in Angriff zu nehmen.

August 2012: «SimCity» gewinnt den Preis als bestes PC-Game an der Gamescom in Köln. Die Fans sind aus dem Häuschen und freuen sich auf die fünfte grosse Version des Stadtplanungs-Klassikers.

März 2013: «SimCity» wird veröffentlicht und erhält vernichtende User-Kritiken. Die Fans sind aus dem Häuschen – aber nicht so, wie sich die Macher das gewünscht haben.

Was ist passiert? Kurz: «SimCity» hat einen «Diablo III» gemacht. Wie beim dritten Teil des Action-Rollenspiels hielten auch die SimCity-Server dem Ansturm der Fans nicht stand. Wer in den ersten Tagen nach der Veröffentlichung seine virtuelle Stadt hochziehen wollte, musste sich mit Netzwerk-Fehlermeldungen herumschlagen und konnte sich nur mit viel Glück und nach langem Warten in die Spielwelt einloggen.

Kopierschutz vs. Spielspass

Nun fragt der «SimCity»-Kenner: «Was brauche ich überhaupt eine Serververbindung, um meine Stadt zu managen? Das geschieht doch alles bloss auf meinem Computer!» Doch: Dem war früher so, doch heute nicht mehr. Die neuste Version von «SimCity» muss ständig online sein, selbst im Einspieler-Modus.

Ein Screenshot des Games «SimCity» zeigt eine Casino-Stadt.

Bildlegende: Casino-Stadt: In «SimCity» sind die unterschiedlichsten Arten von Städten möglich – auch eine Stadt, die sich dem Glückspiel versch... Electronic Arts

Nicht nur um sich mit anderen Spielern auszutauschen oder den Spielstand zu sichern, wie Electronic Arts betont, das Studio hinter der Spiel-Reihe. Sondern auch aus Gründen des Kopierschutzes. Dank ständiger Online-Anbindung lässt sich leicht bestimmen, ob ein Game echt oder kopiert ist.

Warum Electronic Arts durch das Diablo-III-Debakel nicht vorgewarnt war und seine Server auf den absehbaren Ansturm nicht besser vorbereitet hat ist unklar. Ob aus Nachlässigkeit oder mit voller Absicht, wie der Game-Kritiker Jim Sterling glaubt, sei dahingestellt. Der Schaden jedenfalls ist angerichtet: Im Internet findet sich kaum einen Bericht zu «SimCity», der nicht fast ausschliesslich vom Server-Desaster handelt.

Ein Stern für «SimCity»

Sehr schön etwa thematisiert Jonathan Cresswell das Problem in seiner Spielkritik. Und auch bei Amazon proben die Kunden den Aufstand: Deutsche Käufer geben dem Game mehr als zehn Mal so viele Ein-Sterne-Bewertungen wie Fünf-Sterne-Bewertungen. Und selbst die zur hilfreichsten gewählte Top-Bewertung parodiert bloss die Online-Probleme des Spiels:

« Wenn man die DVD Hülle öffnet und wieder schliesst, so gibt es ein sattes als auch kräftiges Klickgeräusch, erst nach ca dreihundert mal lässt die Wirkung langsam nach. Die enthaltene Anleitung ist aus Papier und fühlt sich glatt an, man kann die einzelnen Seiten wie in einen Buch umblättern. Kommen wir nun zu der DVD. Sie hat ein grosses Loch in der Mitte, auf der einen Seite ist Farbe drauf, dreht man die DVD um so erkennt man ein wunderschönes spiegelndes Bild, weshalb ich dem ganzen nun 5 Sterne gebe. - M. Porsch, Amazon.de »

Landschaften für Modelleisenbahnen

Ein Screenshot des Games «SimCity» zeigt mit Blick von oben Hochhausschluchten und Autos in den Strassen.

Bildlegende: Grosse Häuser, kleine Menschen: In den Hochhausschluchten der «SimCity» kann der Arbeitsweg jedes einzelnen Bewohners beobachtet werden. Electronic Arts

So verständlich der Ärger ist, so ungerecht ist er gegenüber dem eigentlichen Spiel. Denn «SimCity» sieht dank der neuen GlassBox-Engine, dem «Motor» der Grafiksoftware, fantastisch aus, die mit einem Tilt-Shift-Effekt die Städte wie Miniaturlandschaften aussehen lässt. Das eigentliche Spielprinzip hat sich dagegen kaum verändert: Wir planen und managen eine Stadt, wie in der ersten Version von 1989.

Dabei können wir uns für Micromanagement ebenso entscheiden wie für eine Laissez-Faire-Politik, bei der wir nur die wichtigsten Eckpunkte der Entwicklung setzen und überwachen – beides ist dank klug gestalteten Übersichtstabellen einfacher denn je.

Im Verbund geht's besser

Ein Screenshot des Games «SimCity» zeigt eine Stadt in einer Hügellandschaft.

Bildlegende: Keine Stadt ist eine Insel: In einer Region können sich verschiedene Städte zu einem Netzwerk zusammenschliessen und grosse Bauprojekte gemeinsam... Electronic Arts

Grosse Neuerung: War jede Stadt bisher eine Insel, können sich Städte einzelner Spieler nun zu Regionen zusammenschliessen. Strassen bringen Güter und Menschen aus der einen Stadt in die andere. Wer zu viel Energie produziert, kann sie dem Nachbarn weiterleiten. Wer zu wenig Polizeiautos hat, kann sie beim Nachbarn holen. Einige Grossprojekte wie etwa der internationale Flughafen oder eine Raumstation lassen sich nur gemeinsam bauen.

Die Grösse der Parzelle, die eine Stadt belegen kann, ist im neuen «SimCity» kleiner als zuvor. Zusammenarbeit ist darum in vielen Fällen unumgänglich, will man seine Stadt nicht bewusst klein halten. Allerdings: Die Serverprobleme verhinderten in den ersten Tagen nach dem Launch, dass das Zusammenspielen wie gewünscht funktioniert.

Neue Möglichkeiten der Simulation

Dennoch: Diese Interkonnektivität zeichnet nicht nur ein realistischeres Bild davon, wie Stadtmanagement wirklich funktioniert; sie schafft auch neue Möglichkeiten der Simulation: Wie zum Beispiel wirken sich die Steuersysteme der einzelnen Städte aus? Wird es Steuerflüchtlinge geben, wenn eine Hochsteuer-Stadt neben einer mit tiefen Steuern liegt?

Wir werden es erst erfahren, wenn die «SimCity»-Server das Spielen so zulassen, wie es sich die Macher eigentlich gedacht haben. Schon in unserem Video von der Gamescom 2012 (siehe unten) schwärmte Executive Producer Bret Berry von den Möglichkeiten des Games.

«Sim City» gibt es für PC. Das Game ist ab 7 Jahren freigegeben.