Game-Review: «Reigns»

Stell dir vor, du bist der König und alle tanzen nach deiner Pfeife. Egal, ob es darum geht ein Festmahl auszurichten, Gicht mit einem Sud aus Mädchenblut zu heilen, oder einen Krieg mit dem Orient anzuzetteln. Klingt brutal, aber so ist das halt, wenn du mit «Reigns» regieren darfst.

Ein harter Job, in dem wir nicht allzu alt werden, doch auch das gehört zum Mittelalter. Um möglichst lange zu überleben, müssen wir als König vier Mächte im Gleichgewicht halten: Weder Kirche, Volk, Armee noch Finanzen dürfen aus dem Ruder laufen.

Im Bild werden wir gerade gefragt, ob wir ein Würfelspiel spielen wollen. Wir sagen ja - und zahlen dafür unseren Einsatz.

Bildlegende: «Reigns» Welche Folgen unsere Entscheidungen haben, darauf deuten Punkte über den jeweiligen 4 Mächten hin. Devolver Digital

Kümmern wir uns beispielsweise zu wenig um unser Volk, so hungert es. Darum proben sie den Aufstand und der König wird grausam gefoltert, bis das Volk erfährt, wo wir unsere Schätze versteckt halten. Wird unser Volk hingegen zu mächtig, so bricht Anarchie aus und wir werden abgesetzt. Immerhin setzten sie uns noch ein Denkmal, aber am Schluss müssen wir trotzdem sterben.

I'm the decision maker!

Jede Entscheidung, die wir treffen, zieht kurz- oder langfristige Folgen nach sich. Und entscheiden müssen wir so einiges. 37 Charaktere treffen wir im Laufe des Spiels – Hexe, Henker oder Prophet kommen alle mit ihren Fragen zu dir.

Dabei gerät man immer wieder in völlig absurde Situationen. Das Spiel überrascht mit viel Humor. Ich will gar nicht viel verraten, aber von halluzinogenen Drogen bis hin zu schlüpfrigen Affären und sogar einer Begegnung mit dem Teufel ist allerhand mit dabei.

Ach ja, die Karten...

Die Mechanik von «Reigns» erinnert stark an «Tinder»: Mit dem royalen Finger wischen wir eine Karte nach links oder rechts und entscheiden uns so für oder gegen etwas.

Der Stapel an Karten, über die es zu wischen gilt, ist begrenzt. Erweitern können wir ihn, indem wir neue Charaktere kennenlernen, oder bestimmte Taten absolvieren. Wenn wir beispielsweise einen Doktor rekrutieren, so kommt ein neues Karten-Deck mit ärztlichen Dialogoptionen hinzu. Genauso, wenn wir beispielsweise das erste Jahrhundert überlebten. So kommt immer wieder Abwechslung ins Spiel.

Eine animierte Szene aus dem Spiel, in dem man sich immer zwischen 2 Optionen entscheiden muss.

Bildlegende: «Reigns» Du bist der Herrscher über Krieg oder Frieden. Und entscheiden kannst du mit einem royalen Fingerwisch. Devolver Digital

Eine Überraschung

Ich war sehr erstaunt darüber, wie viele Überraschungen das Spiel aus dem Hut zaubern kann. Denn immer, wenn man sich zu fragen beginnt, ob es das jetzt vielleicht war, lässt sich das Spiel etwas Neues einfallen, das uns aus dem Konzept bringt.

Ich habe mich jetzt schon zweimal bis in das 21. Jahrhundert vorgespielt, um dann noch einmal von vorne zu beginnen. Dabei habe ich es noch nie geschafft, alle verfügbaren Karten zu erspielen oder alle möglichen Tode zu sterben.

«Reigns» punktet mit viel Humor, meistens von der dunklen Sorte, amüsanten Referenzen und einem Dialogbaumsystem, das beeindruckt.

«Reigns» gibt es für Android, iOS, Windows, Mac OS X und Linux. Es kostet rund 3 Franken.